Meiningen

Meiningen

Meiningen, Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Meiningen, liegt größtenteils am rechten Ufer der Werra, 286 bis 274 m ü. M. Der ältere Teil der Stadt, 5. Sept. 1874 zum großen Teil niedergebrannt, ist später geräumiger und besser wieder aufgebaut worden und macht einen großstädtischen Eindruck. Erwähnenswert ist zunächst die alte, jetzt restaurierte Stadtkirche mit ihren beiden Türmen, deren Erbauung mit Kaiser Heinrich II. in Verbindung zu bringen ist, daher die Statue dieses Kaisers auf dem schönen Marktbrunnen. An gottesdienstlichen Bauwerken besitzt Meinigen zwei evangelische und eine katholische Kirche und eine Synagoge. Das hervorragendste Gebäude der Stadt ist das herzogliche Schloss Elisabethenburg mit einem Rundbau, der die Lokalitäten des Staatsministeriums und verschiedener Archive, namentlich des hennebergischen Archivs, enthält. Im Residenzschloss befinden sich die Schlosskirche, die Gemäldegalerie, das Münzkabinett, die herzogliche Privat- und öffentliche Bibliothek (44.000 Bände) etc. Erwähnenswert sind ferner das vorteilhaft bekannte Theater (s. Meininger), zwei herzogliche Palais, das neue Rathaus (am Marktplatz), die deutsche Hypothekenbank und das Georgenkrankenhaus. Außer ihnen bilden der Englische Garten, die Fürstengruftkapelle sowie der kleine Palais- und Schlossgarten eine Zierde der Stadt. Meiningen besitzt Denkmäler des Herzogs Bernhard Erich Freund, Jean Pauls, Brahms’ und Otto Ludwigs sowie ein Kriegerdenkmal. Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1900) mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 32) auf 14.483 Seelen (1905: 15.989) davon 537 Katholiken und 433 Juden. Die Industrie ist unbedeutend, doch sind Bierbrauerei, Düten-, Maschinen- und Metallpuppenkopffabrikation sowie eine graphische Kunstanstalt und Buchdruckerei bemerkenswert, auch hat Meiningen eine Eisenbahnhauptwerkstätte. An Geldinstituten bedinden sich hier eine Reichsbanknebenstelle, eine Filiale der Mitteldeutschen Kreditbank, die Deutsche Hypothekenbank und die Landeskreditanstalt. Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt Knotenpunkt der bayerischen, bzw. preußischen Staatsbahnlinien Schweinfurt–Meiningen und Eisenach–Lichtenfels. Meiningen ist Sitz des herzoglichen Staatsministeriums, eines Landratsamtes, eines Landgerichts, eines Oberkirchenrats, einer Handels- und Gewerbe- und einer Handwerkskammer, von zwei Spezialkommissionen etc. An höheren Schulen und anderen öffentlichen Anstalten sind hier: ein Gymnasium, ein Realgymnasium, ein Lehrerinnenseminar etc., ferner der Hennebergische Altertumsforschende Verein, ein Pomologischer Verein etc. In unmittelbarer Nähe der Stadt liegt der bewaldete Herrenberg, von dem man zu der 1836–1840 erbauten Burg Landsberg gelangt.

Zum Landgerichtsbezirk Meiningen gehören die 21 Amtsgerichtsbezirke zu: Brotterode, Eisfeld, Heldburg, Hildburghausen, Koburg, Königsberg i. Fr., Meiningen, Neustadt a. Heide, Rodach, Römhild, Salzungen, Schalkau, Schleusingen, Schmalkalden, Sonneberg, Sonnefeld, Steinach, Steinbach-Hallenberg, Suhl, Themar und Wasungen.

Meiningen kam 1008 an das Stift Würzburg, von dem es erst 1542, gegen das hennebergische Schloss und Amt Mainberg bei Schweinfurt und eine beträchtliche Kaufsumme nebst dem Amt Meiningen eingetauscht, an Henneberg gelangte. 1543 und 1544 wurde in Meiningen wie im Lande Henneberg die Reformation eingeführt. Nach dem Tode des letzten Grafen von Henneberg, Georg Ernst (1583), fielen Stadt und Land Meiningen an die Ernestinischen Herzöge von Sachsen. 1592 fand die Barchentmanufaktur Eingang, aber im Dreißigjährigen Krieg verminderte sich und verarmte die Bevölkerung. Bei der Teilung von 1660 fiel Meiningen an Sachsen-Altenburg und, als diese Linie ausstarb, an Sachsen-Gotha unter Herzog Ernst dem Frommen. 1680 kam es auf den Anteil Herzog Bernhard I., der nun die Residenz von Ichtershausen nach Meiningen verlegte und die Elisabethenburg erbaute.

Bibliographie

  • Döbner, E.; Bausteine zu einer Geschichte der Stadt Meiningen (Meining. 1902)
  • Hegewald: Meiningen, die Pforte von Franken (Meining. 1886)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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