Sattelwagen

Sattelwagen, dienen dazu, um das Belagerungsgeschütz an seinen Bestimmungsort zu bringen. Das Untergestell der Sattelwagen für 24-pfündige Kanonen ist wie das gewöhnliche mit einem Langbaum, aber stärker. Das Obergestell oder der Sattel besteht aus zwei, 6½ Zoll ins Gevierte starken Bäumen, die so lang als das Geschützrohr sind, und durch zwei starke eiserne Riegel über den Achsen, so wie durch einige Querbolzen, zusammengehalten werden. Unter dem vordersten Riegel befindet sich der Spannriegel, welcher mit dem Achsschemel durch den Spannnagel verbunden ist; hinten ist der Sattel unmittelbar auf dem Achsschemel befestigt. Das Rohr ruht mit dem Bodenstück und dem Langfeld auf diesen Riegeln, ersteres auf der Hinterachse. Die Schildzapfen liegen in flachen Ausschnitten auf den Sattelbäumen und werden hier durch versteckte Bolzen befestigt.

Die Sattelwagen für die Mortiere sind den eben beschriebenen ähnlich; der Mortier liegt mit seinem Mundstück auf dem Hinterriegel, der Klotz desselben aber vorn; kleiner Mortiere bleiben auf ihren Klötzen liegen, und werden zwei auf einen Sattelwagen geladen. Eine besondere Art sind die sogenannten Mortierwagen, wo auch die großen Mortiere auf ihren Klötzen bleiben, und vermittelst Wellen, die durch Taue und Stirnräder, deren Zähne in eine Schraube ohne Ende greifen, in Bewegung gesetzt werden, hinaufgewunden werden können. Das Obergestell besteht aus zwei viereckigen starken Sattelbäumen, die in einer solchen Entfernung von einander sind, dass der Mortierklotz dazwischen Raum hat.

Auf dem Sattel, in der Länge des Klotzes von einander entfernt, sind die oben angeführten beiden Wellen, deren eiserne Zapfen sich in metallenen Lagern bewegen, angebracht; an jeder Welle hängen zwei Taue, mit eisernen Ösen an ihren Enden, welche in die Haken des Mortierklotzes auf der vorderen und hinteren Seite eingehängt werden. In der Mitte der Welle befindet sich das metallene Stirnrad, in dessen Zähne die Schraube ohne Ende eingreift, die mittelst einer Kurbel in Bewegung gesetzt wird. Zum Festhalten des aufgewundenen Mortiers dienen 4 starke eiserne Tragösen, an jedem Sattelbaum 2, durch deren untere Öffnung eiserne Träger gesteckt werden, auf denen der Klotz ruht. Die Hinterräder eines solchen Wagens sind über 6 Fuß hoch, die vorderen Räder sind unterlaufend, zum besseren Umwenden; um die Welle und das Stirnrad gegen Staub, Nässe etc. zu schützen, ist über jede eine Kasten gesetzt, der, mit einem Deckel versehen, zugleich zur Aufbewahrung der nötigen Gerätschaften dient.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe