Wachtdienst

Wachtdienst

Wachtdienst, in der Garnison, ist schon zum Teil unter Schildwache, Wache, Wachtparade und Ablösen abgehandelt; außerdem gehört hierzu noch der Dienst der Ronden und Patrouillen. Die Ronde wird täglich von zwei dazu kommandierten Offizieren getan, und besteht in der Hauptronde, gewöhnlich durch einen Kapitain, und in der Visitierronde, durch einen Lieutenant versehen. Der Zweck der Ronden ist die Revision der Wachen und Posten; die Hauptronde geht vor, die Visitierronde nach Mitternacht. Der Ronde-Offizier nimmt sich, von welcher Wache er will, 1 Unteroffizier oder Gefreiten, und 2 Mann, und geht die Ronde bei allen Wachen und den wichtigsten Posten.

Sobald die Ronde bei einer Wache ankommt, ruft die Schildwache vor dem Gewehr: »Halt!« »Werda!« und zwar mit gefälltem Gewehr, der Offizier der Ronde antwortet nach zweimaligem Anrufen: »Haupt- oder Visitierronde!« die Schildwache ruft nun sogleich: »Heraus!« der Offizier der Wache kommandiert: »Gewehr auf!« »Ein Unteroffizier (Gefreiter) und 2 Mann vom linken Flügel zum Examinieren der Ronde, vorwärts Marsch!« – Diese Mannschaft geht nun zu dem Ronde-Offizier heran; der Unteroffizier kommandiert »Halt!« und examiniert nun folgendermaßen: »Werda!« Nach dem zweiten »Werda!« antwortet der Offizier »Ronde!« Frage: »Was für Ronde?« Antwort: »(Haupt- oder Visitier-)Ronde!« Frage: »Wer tut die Ronde?« Antwort: »Hauptmann oder Lieutenant N. N.« Trifft alles richtig ein, so ruft der Unteroffizier zum Offizier der Wache: »Herr Lieutenant die Ronde ist richtig!« – Dieser ruft »Avancier’ Ronde!« und kommandiert: »Gebt Achtung!« »Präsentiert das Gewehr!« dasselbe kommandiert der Unteroffizier an seine beiden Mann, welche nun dergestalt Front gegeneinander gemacht haben, dass die Ronde zwischen dieselben hindurch passieren kann. Der Ronde-Offizier gibt dem Offizer der Wache die Losung, empfängt von diesem aber die Parole. Nachdem geschultert ist, lässt der Wachthabende die zum Examinieren vorgegangene Mannschaft wieder eintreten; der Ronde-Offizier revidiert die Wache, schickt seine mitgebrachte Mannschaft zu ihrer Wache zurück, und lässt sich hier neue Mannschaft geben, um weiter zu gehen.

Ganz eben so wird mit dem Major du jour verfahren, wenn er des Nachts kommt. Ein jeder andere Stabsoffizier wird eben so bei einer Wache examiniert, nur dass er dem wachthabenden Offizier die Losung gibt, ohne die Parole zu empfangen. – In kleinen Garnisonen, wo kein Offizier auf Wache zieht, wird bloß ein Offizier du jour, ein Lieutenant, kommandiert. Hierdurch wird ihm die Militärpolizei und die Revision der Wachen und Posten, für deren Ordnung und gute Dienstausübung er zu sorgen hat, übertragen; er darf sich nicht aus der Stadt entfernen, damit er, sobald etwas vorfällt, zuerst da sei, um nach Maßgabe des eingetretenen Ereignisses die nötigen Anordnungen zu treffen. Die sämtlichen Wachen und Posten stehen deshalb zu seiner Hilfsleistung unter seinem unmittelbaren Befehl. Der Rapport der Wachen wird hier gewöhnlich nur des Morgens, von ihm unterschrieben, an den Befehlshaber eingereicht.

Die Patrouillen, welche des Nachts von den Wachen abgeschickt werden, haben die einzelnen Posten zu revidieren, und müssen jede Unregelmäßigkeit und Nachlässigkeit, die sie finden, melden. Kommt eine solche Patrouille an die Wache, und sie hat auf den Ruf der Schildwache: »Halt!« »Werda!« »Patrouille!« geantwortet, so ruft die Schildwache, nachdem sie noch gefragt hat, was es für eine Patrouille sei: »Gefreiter (oder Unteroffizier) heraus!« je nachdem ein Gefreiter oder Unteroffizier die Patrouille führt. Der Herausgerufene stellt sich mit 2 Mann, und mit gefälltem Gewehr, der Patrouille gegenüber, fordert einen Mann vor und die Losung, und examiniert, wer die Patrouille führt, wie stark und von welcher Wache sie sei. Hiervon macht er dann dem Wachthabenden Meldung, der die Ankunft und Stärke der Patrouille verzeichnet, und des Morgens auf den Rapport setzt.

Wenn sich Patrouillen und Ronden begegnen, so empfängt die, welche zuerst angerufen hat, von der anderen die Losung; sie passieren einander aber, ohen Honneurs zu machen.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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