Wachtparade

Wachtparade.

Wachtparade, nennt man die versammelte Mannschaft, welche bestimmt ist, die Wachen einer Garnison zu beziehen. Sie zieht täglich auf, und jeder Offizier der Garnison muss allemal dabei zugegen sein, wenn ihn nicht Krankheit oder Dienst abhält, weil nach dem Aufziehen der Wachtparade die Parole und andere Befehle ausgeteilt werden.

Die Wachen ziehen, wenn es nicht anders bestimmt ist, des Morgens um 11 Uhr, auf einem dazu bestimmten Paradeplatz, auf. Die Kompanien welche Wache geben, lassen auf ihren gewöhnlichen Appellplätzen antreten. Nachdem der Anzug und die Waffen der Leute revidiert worden sind, wird die Kompanie nach dem Sammelplatz der Bataillons abgeführt. Die Bataillonswache wird nun hier in gleiche Züge abgeteilt, und durch den ältesten zum Dienst kommandierten Offizier nach dem Paradeplatz geführt, wo dann der Major du jour das Kommando der ganzen Wachtparade übernimmt. Sobald der Kommandant des Orts sich nahet, wird: Stille gestanden! und das Gewehr auf! kommandiert. Es haben sich bis dahin, der Wachtparade gegenüber, mit dem Gesicht gegen dieselbe gekehrt, alle in der Garnison befindlichen Regimenter, und zwar die des wachthabenden Regiments selbiger gegenüber, die der anderen Regimenter aber noch ihrer Anciennität, jedoch waffenweise, zusammengestellt. Die Offiziere stehen in einem Glied, die Stabsoffiziere zwei Schritt vor ihnen, die Unteroffiziere zwei Schritt hinter den Offizieren, kompanieweise geordnet; die Richtung geht von den Offizieren des wachthabenden Regiments aus. Alle auf der Parade befindlichen nicht regimentierten und fremden Offiziere stehen auf dem Flügel der Offiziere des wachthabenden Regiment, und überflügeln also die Parade.

Auf einen Wink des Kommandanten wird Vergatterung geschlagen, und der Platzmajor oder Regimentsadjutant kommandiert: Ober- und Unteroffiziere, Vorwärts Marsch! auf welches Kommando die in der Parade stehenden und zum Dienst kommenden Offiziere sich vor die Mitte der Wache begeben, und von dem Major du jour an den Kommandanten herangeführt werden, bei dem sich jeder zu dem ihn treffenden Dienst, Wache, Ronde usw. meldet. Dieses Melden der Offiziere geschieht mit salutiertem Degen. Hiernach stellen sie sich nach der Anciennität vor die zur Wache kommenden Unteroffiziere, welche unterdessen 20 Schritte vor die Mitte der Parade ebenfalls vorgetreten sind, während der Adjutant die Wachen abgeteilt. Nachdem letzteres geschehen, wird kommandiert: Ober- und Unteroffiziere, marschiert auf eure Posten! worauf die eine Hälfte der Offiziere und Unteroffiziere rechts, die andere links um macht; ein jeder tritt dann bei oder hinter der ihm bekannt gemachten Wachtabteilung ein. Auf das Winken mit dem Degen des rechten Flügeloffiziers geht jeder Offizier, Unteroffizier oder Gefreite an der Frontlinie seiner Wache herunter, um sich zu überzeugen, dass die bestimmte Rottenzahl seiner Wache richtig ist. Hierauf wird präsentiert und salutiert, sodann vorbeimarschiert, und zwar so, dass jede Wache in sich einen Zug bildet. Nach dem Vorbeimarsch marschiert jeder Wachtbefehlshaber nach seinem Wachtplatz ab, und lässt einen Unteroffizier oder Gefreiten zurück, um die Parole und sonstige die Wacht betreffende Befehle von dem Platzmajor zu empfangen.

Während der Austeilung der Parole bleiben die Offizier und Unteroffiziere in der oben beschriebenen Art stehen. Von der Hauptwache ist ein Unteroffizier und 4 Mann kommandiert, welcher in der Mitte des Paradeplatzes auf den Befehl des Kommandanten wartet und Front gegen die Offizierlinie hat. Sobald der Kommandant winkt, lässt der Unteroffizier das Gewehr anfassen, und kommandiert: rechts und links um, Marsch! und wenn jeder Mann 4 bis 5 Schritt getan hat, Halt! Diese 4 Mann stellen sich so, dass sie die 4 Ecken des Quadrats bilden, indem sie aber nach allen 4 Seiten desselben Front haben; der Unteroffizier tritt dann rechts neben seinen Flügelmann.

Der Kommandant, nebst dem Platzmajor, Major du jour und allen Adjutanten, tritt nun in dieses Viereck; sobald ersterer die Parole dem rechts neben ihm stehenden Offizier gibt, lässt der Unteroffizier das Gewehr präsentieren, und ist die Parole herumgegangen, wieder schultern. Hierauf erteilt der Kommandant die übrigen Befehle; die Adjutanten bringen dieselben, nebst der Parole, ihren Kommandeurs; der Unteroffizier marschiert, nachdem sein Viereck verlassen ist, wieder ab. Nachdem die Adjutanten auch von ihren Kommandeurs die Befehle erhalten haben, teilen sie dieselben den Feldwebels des Bataillons mit, welche zu dem Ende vor die Linie der Unteroffiziere einen Kreis bilden; endlich teilen diese die Parole und Befehle ihren Kapitains mit, indem um beide kompanieweise von den Offizieren und Unteroffizieren ein Kreis geschlossen wird. Jeder Kapitain gibt nunmehr auch seine Befehle; Niemand darf aber den Paradeplatz eher verlassen, bis im Ganzen zum Verlassen der Kompanien gegangen wird, d. h. nachdem sich die ersten Befehlshaber der Truppen von dem Paradeplatz entfernt haben.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe