Schuss

Schuss

Schuss, heißt die Wirkung der Ladung auf das Geschoss; bei den Wurfgeschützen heißt diese Wirkung ein Wurf. Nach der Feuerwaffe, aus welcher diese Wirkung hervorgebracht wird, gibt es Flinten- oder Musketenschüsse, Büchsen-, Pistolen-, Karabiner-, Kanonenschüsse, Haubitz- und Mortierwürfe, nach dem Geschoss selbst gibt es Kugel- und Kartätschenschüsse, Granat-, Kartätsch- und Bombenwürfe, ferner Würfe mit Spiegelgranaten, Steinen, Brand- und Leuchtkugeln. Nach der Pulverladung heißt der Schuss mit voller oder schwacher Ladung; die erstere, welche im Allgemeinen für die Geschütze festgesetzt ist, heißt auch, in Bezug auf die Feldgeschütze, die Feldladung; wird sie verringert so erhält man die schwachen Ladungen; verstärkt wird die volle Ladung nur in einzelnen Fällen.

Ferner benennt man die Schüsse nach dem Richtungswinkel, in sofern man alle nur mögliche Lagen, welche die Achse der Seele eines Geschützes, gegen eine horizontale Linie, die sich mit ersterer in einer und derselben senkrechten Ebene befindet (s. Schießen) haben kann, auf folgende 3 Hauptfälle zurückführt: 1) die Achse der Seele erhebt sich nach dem Ziel hin, über die Horizontale, so ist der Schuss ein erhöhter, elevierter. 2) die Achse der Seele ist mit der Horizontalen parallel, oder fällt mit ihr zusammen, und der Richtungswinkel ist = 0, so heißt der Schuss horizontal, waagerecht. Diesen nennt man auch den Kernschuss, wenn man voraussetzt, dass die Kugel das Ziel erreicht hat, ehe sie sich merklich von der verlängerten Mittellinie der Seele entfernt hat. 3) Die Achse der Seele senkt sich nach dem Ziel hin unter die Horizontale, und der Schuss heißt ein gesenkter. – Bei Wurfgeschützen finden nur die erhöhten Schüsse statt. Wenn in jedem dieser 3 Fälle die Richtung über Visier und Korn geht, so heißt er ein Visierschuss. Das Ziel mag höher oder tiefer, oder mit dem Geschütz gleich hoch stehen.

Bei den gesenkten Schüssen wird in den meisten Fällen die Kugel keine weitere Aufschläge machen, sondern da, wo sie hintrifft, eindringen; deshalb werden diese Schüsse auch einbohrende, oder Bohrschüsse genannt. – Die erhöhten Schüsse bezeichnet man auch oft mit dem Namen Bogenschüsse, obgleich eigentlich jeder Schuss ein Bogenschuss ist, da das Geschoss sich nie in einer geraden Linie bewegt.

Nach dem Zweck sind die Schüsse Rollschüsse, Rikoschett-, oder Schleuderschüsse, Enfilierschüsse, Demontierschüsse, Brescheschüsse.

Folgende Merkmale dienen für ein fehlerfreies Auge, und zur Bestimmung der Wirksamkeit verschiedener Geschosse: Auf 300 Schritt ist die letzte Wirksamkeit des kleinen Gewehrfeuers, das Kartätschenfeuer ist mörderisch, und man unterscheidet die Teile des menschlichen Körpers deutlich, (s. Augenmaß und Schießübungen). Auf 500 und 600 Schritt hören die 2 und 3lötigen Kartäschen auf, wirksam zu sein; man unterscheidet das Gesicht nicht mehr, aber doch den Kopf, Unter- und Oberleib. Auf 800 Schritt ist die Grenze der Wirksamkeit der 6lötigen Kartätschenkugel des 6pfünders, man sieht den Kopf nicht mehr, sondern bloß den oberen und unteren Teil des Körpers. Auf 1000 Schritt hört die Wirksamkeit der 12lötigen Kartätschen des 12pfünders auf; der Kopf wird nur von sehr guten Augen, und auch nur in Zeiten gesehen; der Mensch erscheint bloß als eine längliche Gestalt. Auf 1200 Schritt ist die wirksame Bogenschussweite der Kanonen; man erkennt noch die Rotten und Bewegungen. Auf 1500 Schritt gewähren die Bogenschüsse des 12pfünders noch eine Wahrscheinlichkeit des Treffen; man sieht zu Zeiten noch die Rotten, erkennt aber noch die Bewegungen.

Die Bestimmung des Richtungswinkels hängt von der Entfernung und Lage des Ziels gegen das Geschoss ab, ferner von dem zu erreichenden Zweck, und oft auch von der Beschaffenheit des Terrains. Bei zunehmender Erhöhung geht zwar das Geschoss weiter, aber nur in einem verringerten Verhältnis, d. h. die doppelte Erhöhung gibt zwar eine größere, aber keineswegs die doppelte Schussweite. Diese Zunahme findet überhaupt nur bis zu einem gewissen Erhöhungswinkel statt, welcher, wenn kein Widerstand der Luft vorhanden wäre, ungefähr 45 Grad betragen würde, durch diesen aber vermindert wird, und bei den verschiedenartigen Geschützen verschieden ist; bei größerer Erhöhung nehmen die Schussweiten wieder ab. – Wenn das Ziel nicht beträchtlich höher oder tiefer steht, als das Geschütz, so kann man in beiden Fällen den Richtungswinkel durch den Aufsatz auf gleiche Art bestimmen, als wenn das Ziel mit dem Standort des Geschützes in gleicher Höhe wäre. Man beurteilt nämlich den schiefen Abstand des Geschützes bis zum Ziel, und nimmt die, zu derselben passende Aufsatzhöhe, eben so, als wenn diese Entfernung des Ziels eine waagerechte wäre; richtet man nun über diese Aufsatzhöhe und das Korn nach dem Ziel, so wird sich hinten das Rohr senken müssen, und man wird in den meisten Fällen den Richtungswinkel ziemlich genau haben. Ist die Entfernung des Ziels von dem Geschütz geringer, als die Weite des Visierschusses, so kann man nicht mehr nach der Mitte des Ziels richten, weil sonst das Geschoss darüber hinweggehen würde. Man richtet daher über Visier und Korn nach dem Fuß des Ziels, oder nach einem Punkt in der Erde, welcher vom Ziel ab, nach dem Geschütz zu liegt. Es kann sich aber auch treffen, dass man für ein tiefes, doch entferntes Ziel einen Aufsatz nehmen muss, obgleich der Schuss immer ein Senkschuss bleibt, wenn die Mittellinie der Seele unter der Horizontalen gesenkt ist; in gleichem Sinne kann auch gegen ein tiefer oder höher liegendes Ziel der Visierschuss gebraucht werden.

Im Allgemeinen werden folgende Bestimmungen für den Richtungswinkel beim preußischen Geschütz angenommen.

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Aufsatz und Grade bei den Feldhaubitzen.

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Aufsatz bei den Kartätschenschüssen.

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Bei diesen Angaben für Kartäschenschüsse ist angenommen, dass das Terrain fest und eben sei; wäre es durchschnitten, so müsste die Erhöhung durchgängig vergrößert werden.

Aufsatz und Grade für Mortiere mit zylindrischen Kammern.

Bei der allgemeiner werdenden Einführung des Schraubenrichtkeils wird man durch die leichtere Abänderung des Richtungswinkels wahrscheinlich richtigere Würfe erhalten, als durch die Abänderung der Ladung. Noch ist hier zu merken, dass, wenn bei 50pfündigen Mortieren statt des 30sten Grades der 60ste gebraucht werden sollte, man bis zu drei Pfund Ladung etwa die selben Wurfweiten erhalten würde, wie im 30sten Grade; bei stärkeren Ladungen werden die Wurfweiten aber größer ausfallen.

Wenn Granaten oder Bomben durch ihr Zerspringen gegen Truppen wirken sollen, so darf man den Richtungswinkel bei gewöhnlichen Ladungen nicht zu groß nehmen, damit sie nicht zu tief in die Erde dringen. Sind aber Gewölbe oder andere feste Gegenstände zu zerstören, so müssen die Bomben aus einer größeren Höhe herabfallen, und folglich wenigstens im 45sten oder 40sten Grade geworfen werden. Geschosse hingegen, welche auf dem Fleck, wo sie hinfallen, liegen bleiben sollen, muss man unter Erhöhungswinkel von wenigstens 15 bis 20 Graden werfen. Bei Rikoschettschüssen kann man denselben bei 12 und 24pfündigen Kanonen zu 3 bis 8, bei Haubitzen zu 3 bis 12 Grad annehmen. (S. d. einzelnen Arten der Schüsse und Wirkungen; von dem kleinen Gewehr, s. Schießübungen).

Schuss des Minierers

Schuss des Minierers, dient zu dem Heraussprengen großer Steine oder Felsenteile, die sie bei ihrer Arbeit unter der Erde antreffen. S. minieren.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe