Karl Gottlieb (Theophil) Guichard, genannt von Quintus Icilius

Karl Gottlieb (Theophil) Guichard, genannt von Quintus Icilius, königlich preußischer Oberst von der Infanterie, wird 1724 zu Magdeburg, wo sein Vater mit dem Titel eines Hofraths Richter und Syndikus der Pfälzerkolonie ist, geboren, legt dort das Fundament zu einer gründlichen wissenschaftlichen Bildung und setzt seine Studien auf den Universitäten zu Halle, Marburg, Herborn und Leyden fort. Die klassische Literatur ist Hauptgegenstand seiner Arbeiten, dazu gesellen sich orientalische Sprachen. In Herborn lernt er vom Professor Rau syrisch und chaldäisch, in Leyden von Schultens arabisch; hier verteidigt er seine Streitschrift: „De fama Salomonis intra exteros“. Er denkt daran Theologie zu studieren, in Herborn hat er schon die Kanzel bestiegen; später wendet er sich mehr allgemeinen Studien zu, sucht Bibliothekar des Erbstatthalters der Niederlande, darauf Professor in Leyden zu werden und entschließt sich, als ihm Beides fehlschlägt, der Minerva in anderer Weise zu dienen: Er wird Soldat. Der Erbstatthalter verleiht ihm eine Fähnrichstelle beim Infanterieregiment des Herzogs von Sachsen-Hildburghausen (1747), er macht den letzten Teil des Österreichischen Erbfolgekrieges in den Niederlanden mit und wird 1752 als Hauptmann mit seinem Regiment Baden-Durlach abgedankt.

Mit 800 Gulden Wartegeld geht er nach Magdeburg zu seinen Brüdern, „die hier ansehnliche Bedienungen hatten“, setzt seine begonnenen Forschungen über das Kriegswesen der alten Griechen und Römer fort und begibt sich um das Buch, welches er darüber geschrieben, zu vollenden nach England, dessen literarischer Hilfsmittel er bedarf. Es führt den Titel: „Mémoires militaires sur les Grecs et les Romains, où l’on a fidèlement retabli sur le texte de Polybe et des Tacticiens Grecs et Latins la plûpart des Ordres de Bataille et des grandes Opérations de la Guerre, en les expliquant suivant les principes de la pratique constante des anciens et en relévant les erreurs du Chev. de Folard et des autres commentateurs. On y a joint une dissertation sur l’attaque et la défense des places des anciens, la traduction d’Onosander et de la Tactique d’Arrien et l’analyse de la campagne de Jules César en Afrique“ und erscheint zuerst La Haye 1758 in zwei Bänden, 4°. Eben ist er damit fertig als der Siebenjährige Krieg ausbricht.

Er geht nach Deutschland zurück; hält sich zunächst bei der Armee des Herzogs Ferdinand von Braunschweig auf und kommt, von diesem empfohlen, zu Friedrich dem Großen. Er trifft den König zu Anfang des Jahres 1758 im Winterquartier zu Breslau, wo dieser Muße für geistigen Verkehr und gelehrten Umgang hat und ist hochwillkommen, ein Mann von positiven Kenntnissen und von scharfem Verstand, eine etwas schroffe und eckige Persönlichkeit, dabei der Erste, welcher mit der Kenntnis des Gegenstandes, über den er geschrieben, das Verständnis der betreffenden Sprachen verbindet. Er bleibt zunächst beim König, zu mancherlei Diensten benutzt und in den Erholungsstunden ein gern gesehener Gesellschafter, so namentlich auch während der langweiligen drei Frühjahrsmonate, welche Friedrich vor Beginn des Feldzuges von 1759 in Landeshut zubringt. Hier ist es, wo eines Abends zu Ende Mai die Rede auf das vortreffliche Benehmen eines Centurio der 10. Legion kommt, der bei Pharsalus, als des Pompejus Truppen seine Flanke zu gewinnen suchten, eine schräge Stellung annahm, den Feind überflügelte und dessen Manöver vereitelte. „Ein gewandter Mann, dieser Centurio Quintus Icilius, bemerkt Friedrich, vielleicht an Leuthen denkend. „Gewiß“, erwiederte Guichard, „aber Eure Majestät wollen entschuldigen, er hieß Quintus Caecilius. Da der König auf seiner Behauptung besteht und Guichard nicht hofmännische Gewandtheit genug hat, den Gegenstand fallen zu lassen, trennt man sich ohne sich geeint zu haben. Tags darauf erscheint Guichard mit dem Polybius in der Hand, weist auf eine Stelle und sagt: „Sehen Sie Majestät, Quintus Caecilius!“ „Hm“, erwidert Friedrich, „so? Nun – dann soll Er Quintus Icilius heißen!“ Sprachs, lässt Guichard unter diesem Namen in die Listen tragen, gibt ihm ein Majorspatent vom 10. April 1758 und überträgt ihm vom 26. Mai 1759 ab das Kommando von des verabschiedeten Obersten du Berger Freibataillon.

Mit diesem leistet er, meist in Sachsen verwendet, treue und tapfere Kriegsdienste, welche der König auch dadurch anerkennt, dass er ihm nach und nach die Bildung und die Führung von zwei weiteren Bataillonen überträgt: bei einer anderen Gelegenheit aber wird sein Name weniger ehrenvoll genannt, bei der Plünderung des Hubertsburger Schlosses am 22. Januar 1762, durch welche für die Verwüstungen Rache geübt werden soll, die durch sächsische Truppen an den königlichen Schlössern bei Berlin geschehen sind. Es ist ein Auftrag, welcher den damit Betrauten bereichern soll; General-Major von Saldern, der bekannte Taktiker, hat denselben als gegen seinen Eid und seine Ehre gehend abgelehnt (Küster, Charakterzüge des Generals von Saldern, Berlin 1793); Quintus aber, der des Königs Winterquartier in Leipzig teilt, wo er Gellert bei demselben einführt und der ein scharf rechnender Kopf ist, teilt solche Bedenken nicht, sondern führt ihn aus und zwar in einer Weise, die der Armee viel zu sprechen und dem König reichen Stoff gibt seinen gelehrten Freund, der ohnehin Manches von ihm hinnehmen muss, zu necken.

Sofort nach Friedensschluss werden mit dem größten Teil der Freitruppen auch seine Bataillone aufgelöst. „Seine Offiziere haben wie die Raben gestollen, sie krigen nichts, schreibt ihm der König, als er deren stellenweise sehr gerechte Ansprüche, durch bittere Geldnot gezwungen, zurückweist; ihn selbst aber behält er in seiner Umgebung. Die Quintus dadurch gebotene Muße benutzt dieser zur Abfassung eines zweiten Werkes über sein Lieblingsthema, welches unter dem Titel: „Mémoires critiques et historiques sur plusieurs points d’antiquités militaires“, 1773 in Berlin erscheint und namentlich den Chevalier de Folard, den französischen Übersetzer und Ausleger des Polybius einer scharfen Kritik unterzieht. Der vierte Band des Werkes richtet sich gegen die vom Chevalier de Lo-Looz in dessen „Recherches d’antiquités militaires avec la défense du chevalier Folard contre les allégations insérées dans les Mémoires militaires sur les Grecs et les Romains“, Paris 1770, ihm selbst gemachten Ausstellungen.

Eine geringe Entfremdung zwischen Quintus und seinem königlichen Gönner tritt ein, als Ersterer 1770 eine Tochter des Generalmajors von Schlabrendorf heiratet und häufiger auf seinem Gute Wassersuppe bei Rathenow sich aufhält, doch bleibt Friedrich ihm stets wohlgewogen und seiner Witwe, welcher er 3000 Taler schenkt, sowie seinen beiden Kindern, zu deren Erziehung er der Witwe eine jährliche Pension von 1000 Talern gibt, eine treue Stütze und aufrichtig betrauert er des Obersten am 13. Mai 1775 zu Potsdam im 51. Lebensjahre erfolgten Tod. Seine Bücher- und seine Münzsammlung kauft der König und verleibt dieselben den eigenen Sammlungen ein.

Quelle: Bernhard von Poten

Bibliographie

  • Carlyle: Geschichte Friedrichs II., deutsch von Neuberg, 6. Band (Berlin 1859)
  • Nicolai, F.: Anekdoten von König Friedrich II., 6. Heft (Berlin und Stettin 1792)
  • Poten, Bernhard von: Allgemeine deutsche Biographie, Bd. 10 (Leipzig 1879)

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