Herzog Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel, 1721–1792

Generalfeldmarschall Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel, 40 mm Figur Nürnberger Meisterzinn

Ferdinand, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, preußischer General-Feldmarschall; geboren am 12. Januar 1721 Morgens 4 Uhr in Wolfenbüttel, gestorben zu Braunschweig 3. Juli 1792. Von 14 Kindern des Herzogs Ferdinand Albert (geb. 1680) und der Herzogin Antoinette Amalie, einer gebürtigen braunschweigischen Prinzessin (vermählt sechzehnjährig 1712, gest. 1762) war er das sechste Kind und der vierte Sohn. Sein Vater, kaiserlicher Reichs-Feldmarschall, starb nach sechsmonatiger Regierung schon 1735. — Vortrefflich erzogen, gut unterrichtet, zur militärischen Laufbahn vorbereitet, unternahm Herzog Ferdinand im Alter von 17½ Jahren seine Kavalierreise nach den Niederlanden, Frankreich, Italien und Österreich. In Wien hätte man ihn gern unter die kaiserlichen Fahnen eingereiht; aber sein ältester Bruder, der regierende Herzog, wünschte seinen Eintritt in das Heer des preußischen Schwagers König Friedrich II., errichtete laut Capitulation vom 29. Juli 1740 das Infanterieregiment Nr. 39, für welches der braunschweigische Souverän den größten Teil der Mannschaft stellte. Zum Chef wurde Herzog Ferdinand ernannt. Die Stabsoffiziere, Hauptleute und einige Subalternoffiziere entnahm man dem preußischen Heere; die übrigen kamen aus fremdem Dienst. Herzog Ferdinand gewann an der Spitze einer solchen, erst in Leben tretenden Truppe gleich vorweg manche Erfahrung, die ihm später als Heeresorganisator sehr zu statten kam. Das junge Regiment blieb noch ausgeschlossen von der Teilnahme an Friedrichs II. schlesischem Eroberungszuge; der junge Chef dagegen durfte im Februar 1741 den von Berlin nach dem Kriegsschauplatz zurückkehrenden König begleiten. Er erhielt bei Mollwitz die Feuertaufe und war auch in der Chotusitzer Schlacht zur Stelle. Obwohl während dieses Krieges Herzog Ferdinand nicht als Befehlshaber, sondern nur als unerschrockener und findiger „Galopin“ sich die Zufriedenheit seines Kriegsherrn erworben, war ihm fünf Tage nach Unterzeichnung des Friedens der Schwarze Adlerorden zu Teil (30. Juli 1742). Fernerweit spornte der König den Herzog Ferdinand an durch Beförderung zum Generalmajor nach der Regimentsmusterung 1743 und durch die ihm beim Besuch in Potsdam sowie auch als Begleiter bei den Revuereisen gespendeten mannigfaltigen Belehrungen.

Figuren

  • Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel, 40 mm Creartec 40803
  • Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel, 28 mm Front Rank Figuren SYPP4
  • Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel, 25 mm Minifigs SYWCX 4

Im Feldzug 1744 führte der Herzog sein Regiment; im Dezember des Jahres erteilte der König ihm die Kommandeurstelle im Leibgarde-Bataillon (I., Nr. 15), als Nachfolger des vor Prag (12. Sept.) gebliebenen Generallieutenant Markgraf Wilhelm von Brandenburg. Bei Hohenfriedberg befehligte Herzog Ferdinand fünf Bataillone; bei Soor (30. Sept. 1745) erstürmte er an der Spitze seiner Brigade, obwohl bereits verwundet, eine vom Feind unter dem Schutz eines Gehölzes hartnäckig verteidigte Höhe, warf denselben und nahm ihm seine Kanonen ab. Der König benachrichtigte den regierenden Herzog: „Le prince Ferdinand s’est surpassé, et je lui dois de louange qu’il a beaucoup contribué au gain de cette bataille.“ Die Verwundung war glücklicherweise nicht von Belang; der König schrieb am 9. Oktober seiner Gemahlin, ihr Bruder Ferdinand habe eine Contusion am Knie, gehe aber aus und befinde sich wohl. Als Lohn für seinen Siegesanteil empfing Herzog Ferdinand seitens des königlichen Feldherrn eine (1748 mit 30.000 Talern verwertete) Anwartschaft auf schlesischen Grundbesitz. Bei dem (ersten und letzten) Triumpheinzug, welchen Friedrich der Große in Berlin hielt, den 28. Dezember 1745, saß Herzog Ferdinand bei ihm in offenem Wagen.

Anfänglich zu Templin in der Uckermark, später im neumärkischen Königsberg und nun, seit 1746, in Potsdam garnisonierend — wo der König sich, als Spezialchef, viel mit seinem Leib-Gardebataillon beschäftigte, weil dasselbe der Armee eine Normaltruppe sein sollte — befand sich Herzog Ferdinand, der Kommandeur dieses Elitebataillons, in einer strengen, praktisch und theoretisch sehr fördersamen militärischen Hochschule, und außerdem gewährte ihm die erneute Teilnahme an des Königs Inspizierungsreisen die Bekanntschaft mit der gesamten Emsigkeit der damaligen preußischen „Kriegsübung". — König Friedrich, der „erste Diener des Staates", der „Philosoph von Sans-Souci", beeiferte mit seinem erhabenen Beispiel Jedweden in seiner Umgebung zur Pflichtliebe und zur ausdauernden, auch das sehr prosaische kleine einzelne nicht missachtenden Arbeitsamkeit. Den nahen Standpunkt, welchen Herzog Ferdinand diesem Vorbild gegenüber einzunehmen das Glück hatte, kennzeichnen die königlichen Zeilen d. d. Potsdam 8. Oct. 1750: „Je vous regarde comme mon ami le plus intime et le plus estimable.“ Herzog Ferdinand konnte somit jetzt jene geistige Regsamkeit sich aneignen, die er später, unter schwierigen Verhältnissen bestens zu verwerten in die Lage kam. Imponierte doch Friedrichs Anschauung und Zeitausnützung dem Dichter der Henriade (Voltaire) so, dass dieser am 31. Mai 1751 nach Paris schrieb: „Le Roi m’inspire tand d’ardeur pour le travail, que si je n’avais pas appris à m’occuper, je l’apprendais auprès de lui. Je n’ai jamais vu d’homme si laborieux."

Des Königs Zufriedenheit mit der gewissenhaften Berufserfüllung und dem sonstigen guten Verhalten des Herzogs Ferdinand betätigte sich durch Beförderung zum Generallieutenant bei der Revue im Frühjahr 1750, ferner durch Ernennung zum Gouverneur der Festung Peiz (1752) und 10. Juni 1755 durch Erteilung des Gouvernements in Magdeburg nebst der Chefstelle beim dortigen Infanterieregiment Nr. 5. Auf diesem, den erst 34jährigen Offizier ungewöhnlich auszeichnenden Posten blieb der Herzog nur 14 Monate.

"La réponse est venue et ne vaut rien"; so lautet das eigenhändige königliche Postskript zur Motivierung des d. d. Potsdam 26. August 1756 an den Herzog Ferdinand gerichteten Befehls, die unter seinem Kommando bei Halle befindlichen Regimenter über die kurfürstlich sächsische Grenze zu führen. Bei Pirna vereinigte sich die Kolonne des Herzogs mit den beiden anderen dorthin dirigierten Heeresabteilungen. Der König umschloss hier die sächsische Armee. Herzog Ferdinand — in einer Weise an die Notwendigkeit der Siegesbeflissenheit gemahnt durch königliches eigenhändiges Schreiben d. d. Großsedlitz 11. Sept., welches die Worte enthält: „Nous battrons toujours les ennemies où nous les rencontrons“ — wurde am 13. Sept. mit einer Avantgarde nach Böhmen entsendet; er vertrieb den Feind aus Nollendorf. Am 27. Sept. verließ der König das (fortan vom Markgraf Karl von Brandenburg befehligte) Blockadecorps und folgte auf den böhmischen Kriegsschauplatz, wo am 1. Okt. bei Lobositz der erste Schlachtensieg errungen wurde. Herzog Ferdinand befehligte den rechten Infanterieflügel, welcher sich nur mit Geschützfeuer beteiligen konnte. Am 14. November traf der Herzog mit dem König in Dresden ein. In der dortigen Winterquartiersmuße bot sich ihm die vorteilhafteste Gelegenheit zur Vorbereitung für die bevorstehenden umfassenden kriegerischen Aufgaben (vgl. Lord Mitchel’s Briefe vom 2. Jan und 7. April 1757 in Raumer’s „Friedrich II. und seine Zeit"). Das militärisch philosophische Programm des Königs lautete: „On verra ce printemps, ce qu’est la Prusse, et que par notre force, surtout par notre discipline, vous viendrons à bout de nombre des Autrichiens, de l’impétuosité des Français, de la férocité des Russes, des grans corps des Hongrois, et de tous ceux qui nous seront opposés.“ (Brief an die Markgräfin von Bayreuth, Dresden 5. Februar 1757). Das klang stolz und siegesfroh.

Am 23. April 1757 nahm der Herzog Aussig und das dortige Magazin; am 6. Mai in der Prager Schlacht trug er, als Divisionär, durch seine Umsicht und Entschlossenheit wesentlich zum Sieg bei. Der König, welcher nun eine Truppenentsendung „pour complimenter messieurs les Français“ in Petto nahm (s. den Brief an seine Mutter; Oeuvres, T. XXVI, 75), beauftragte einige Wochen nach der Schlacht bei Kolin mit solcher „Begrüßung“ den Herzog Ferdinand. Dieser wusste, als Schützer Magdeburgs, dem Marschall Richelieu gegenüber seine geringen Streitkräfte durch seine „Geschicklichkeit“ zu ergänzen (Oeuvres T. IV, 144); denn, so schrieb der König ihm am 21. September, unter dem Eindruck der Nachricht von des Herzogs von Cumberland „schändlichem“ Accord von Kloster Zeven, „dans notre situation il faut se persuader, mon cher, qu’un de nous en vaut quatre autres". In der 1½stündigen Schlacht bei Roßbach entzog sich dem Herzog Ferdinand die Gelegenheit zum Mitwirken; sein Regiment jedoch konnte sich hervortun. Die von den Engländern als „rout“ bezeichnete hurtige Bekomplimentierung der Franzosen am 5. November 1757 verbesserte für den Preußenkönig den Stand der Dinge auf dem nordwestdeutschen Kriegsschauplatz. König Georg II. von England erbat sich den Herzog Ferdinand (seinen Vetter) zum Führer der „alliierten Armee". König Friedrich, obwohl er „einen so guten General“ ungern misste (Oeuvres T. IV, 156), willigte ein und benachrichtigte d. d. Merseburg 9. November davon den Herzog. Des Majors a. D. v. Retzow (Carlyle tituliert ihn „Oppositions-Retzow") „Charakteristik der wichtigsten Ereignisse des siebenjährigen Krieges in Rücksicht auf Ursach und Wirkung“ — Berlin 1802, S. 212 — gibt an, Friedrich habe dem britischen König den Herzog Ferdinand angetragen, durch den mit der Roßbacher Siegesbotschaft nach London entsendeten Major Grant, einen Schotten in preußischem Dienst. Warnerey (Campaganes de Frédéric II., p. 253) erzählt, dem aus London über Stade zurückkehrenden Grant sei es in Stade gelungen, dortige Offiziere zu veranlassen, beim Preußenkönig sich den Herzog Ferdinand zu ihrem Anführer zu erbitten. Jedenfalls steht fest, dass Ferdinand, nicht durch Ehrgeiz geblendet, seinen Entschluss wegen Übernahme des neuen Wirkungskreises ohne Übereilung fasste; er übernahm, begünstigt durch das Vertrauen zweier Souveräne, eine Aufgabe, deren Größe und Pein nichts Verlockendes für ihn haben konnte ("im Exil", „als Galeerenruderer"). Das völlige Durchdrungensein von dem Nutzen, den er zu leisten berufen worden, und die Zusicherung seines Verbleibs im preußischen Heeresverband begleiteten den Herzog Ferdinand auf das neue Arbeitsfeld.

Hier oblag ihm nicht nur, den gesunkenen Mut der unter des Herzogs von Cumberland Befehl gestandenen Truppen zu heben, sondern er musste sich organisatorisch und numerisch ein Heer regeln und fördern, mit welchem des Preußenkönigs Flanke strategisch gedeckt werden konnte. Wenn Friedrich der Große schon am 6. April 1758 in einem Gedicht „les coups prémédités de cet Alcide“ lobpreist, so kennzeichnet er uns die Gediegenheit der, Zeit und Ort angemessen verwertenden, feldherrlichen Anordnungen des Herzogs Ferdinand. Die Unrichtigkeit eines von Napoleon über Ferdinands Maßnahmen in der Schlacht bei Krefeld (23. Juni 1758) ausgesprochenen Tadels ist dargetan im Militär-Wochenblatt 1843 Nr. 935 ff.

Als Herzog Ferdinand bei der verbündeten Armee eintraf, erkannte er, dass es vor allen Dingen darauf ankam, seinen Truppen Zutrauen zu sich selbst und zu ihrem Führer zu geben und ihren Gegnern Achtung einzuflößen. Eine Woche, nachdem er das Kommando übernommen hatte, am 30. November 27157, brach er daher zu einer Offensive auf, welche, wenn auch noch vor Ende des Jahres durch die grimmige Kälte und durch andere Umstände unterbrochen, ihn diesen Zweck vollständig erreichen ließ. Daneben sorgte er unablässig für seiner Soldaten Bedürfnisse und sobald diese einigermaßen gedeckt waren, brach er von neuem auf, überfiel die Franzosen in ihren weitläufigen Kantonierungen und trieb sie mit wuchtigen Schlägen innerhalb sechs Wochen über den Rhein zurück. Der Sieg bei Krefeld am 25. Juni befestigte des Herzogs Ruf bei Freund und Feind und äußerte in England solche Wirkung, dass man ihm von dort 8000 Mann Nationaltruppen sandte; das aus sehr verschiedenen Elementen zusammengesetzte Heer wurde dadurch allerdings noch bunter und die Schwierigkeiten der Leitung wurden noch vermehrt; des Herzogs ritterlicher Sinn und sein Soldatengeist vertanden aber den fremdartigen Elementen bald ein einheitliches Gepräge aufzudrücken und ihre Kräfte zu harmonischem Zusammenwirken zu verwenden. Als an des französischen Oberfeldherrn Clermont Stelle der kriegserfahrene Marschall Contades getreten war und da die feindliche Kriegsführung seinem Unterführer, dem Prinzen Isenburg, gegenüber in Hessen Fortschritte machte, ging Ferdinand freilich über den Rhein zurück, blieb aber an der Lippe stehen und hatte, als er die Winterquartiere bezog, ein gutes Stück deutschen Bodens frei gemacht. Kühn ergriff er im Frühjahr 1759 von neuem die Offensive; die Schlacht bei Bergen am 13. April, vom Marschall Broglie gewonnen, nennt er zwar selbst einen coup manqué und Contades’ Übermacht zwang ihn nach derselben aus der Nähe von Frankfurt weit zurückzugehen, aber der Tag von Minden, der 1. August, brachte ihm endlich die ersehnte Entscheidung mit der Waffe in der Hand und einen glänzenden Sieg. Erst im Januar 1760 zwang das numerische Missverhältnis — von 2:3 auf dem Hauptkriegsschauplatz in Hessen, von 1:2 auf dem Nebentheater in Westfalen — den Herzog, sich auf die Defensive zu beschränken; einzelne glückliche Unternehmungen wurden durch ebensoviele misslungene aufgewogen und am Ende des Feldzuges hatte er gegen das Vorjahr nicht viel Terrain verloren. 1761 verlief noch trüber, einige gelungene Expeditionen zu Beginn des Jahres warfen seine Gegner freilich zurück; die Überzahl derselben war aber so groß, dass selbst der Sieg, welchen der Herzog am 15. und 16. Juli bei Vellinghausen über die vereinigten Marschälle Broglie und Soubise erfocht, ihm wenig nützte. Es stand damals so schlecht mit ihm, dass die Stadt Braunschweig nur mit Mühe vor feindlichem Besuch gewahrt wurde. Kaum aber hatten die Rüstungen des Winters 1761/62 ihn in den Stand gesetzt, seinem neuen Gegner d’Estrées unter nicht ganz so ungünstigen Stärkeverhältnissen mit einem Heer entgegenzutreten, für dessen Bedürfnisse er selbst die größte Sorge trug, welches ihm vertraute und mit ganzem Herzen an ihm hing, so ging er wieder zum Angriff über. Durch die Siege bei Wilhelmsthal am 24. Juni, bei Lutterberg am 23. Juli und durch andere Erfolge gelang es ihm, Hessen fast ganz zu befreien, so dass die Rollen zwischen ihm und seinem Widersacher vollständig gewechselt waren, als, genau fünf Jahre nachdem er den Oberbefehl übernommen hatte, ein Waffenstillstand, welchem der Friede folgte, den Feinseligkeiten ein Ende machte.

Wir haben im vorstehenden die Friederizianische Schule skizziert, als diejenige Basis, auf welcher Ferdinands Befähigung zum „Generalissimus“ beruhte. Es erübrigt, zu bemerken, dass Herzog Ferdinand in diesem hohen Amt all die Tugenden kundgab, durch welche man Menschen und Ereignisse beherrscht: Geduld, Gerechtigkeit, Offenheit, Höflichkeit, Herzensgüte, große Ordnung in der Geschäftsführung und echte Bescheidenheit, die das Wohl des Ganzen höher stellt als den persönlichen Ruhm. Schließlich ist noch zu sagen, dass der hervorragenden Stellung zu Statten kam: eine große, kräftige, schöne Gestalt mit würdevollem Gesichtsausdruck. So wurde Herzog Ferdinand ein Mann der Geschichte, nicht ein vom Erfolg begünstigter Mann des Tages; ein Mann des wahren Werts, nicht ein Mann des Schimmers. Die von Ferdinand bewältigten Schwierigkeiten und seine ruhmreichen Leistungen bei Übernahme des Heeresbefehls sowohl wie während fünf Feldzügen sind authentisch und im einzelnen nachgewiesen durch sechs Bände „Geschichte der Feldzüge Herzogs Ferdinand von Braunschweig", herausgegeben von F. O. W. H. v. Westphalen, Preuß. Staatsminister a. D., Berlin 1859, 1872, 1872 — Kern derselben ist der handschriftliche Nachlass Westphalens, des hochverdienstvollen Sekretärs des Herzogs —; ferner durch das vom Oberst W. A. v. d. Osten 1805 in Hamburg veröffentlichte „Tagebuch des herzogl. Generaladjutanten von Reden (2 Teile); sodann durch F. v. d. Knesebeck’s „Herzog Ferdinand von Braunschweig", 2 Bde., Hannover 1857, und in Renouard’s „Geschichte des Krieges in Hannover, Hessen und Westphalen 1758 bis 1763“ (Cassel 1863). Außerdem findet man eine Auswahl von Briefen aus der Korrespondenz des Herzogs mit König Friedrich während der Jahre 1756, 57, 58, 59 in den „Denkwürdigkeiten der Kriegskunst und Kriegsgeschichte", Berlin 1819 und 20 (Herausgeber Oberst Wagner), sowie auch im Militär-Wochenblatt 1841 und 38. Der Bericht des Herzogs an seinen preußischen Kriegsherrn über die beiden letzten Feldzüge 1761 und 62, ist enthalten im Militär-Wochenblatt 1826.

Wie der große König, so kämpfte auch Ferdinand stets gegen Überzahl; in der zweiten Hälfte des Feldzugs 1758 mit 72.000 Mann gegen 125.000; im Feldzug 1761 ("der gelehrteste") mit 100.142 gegen 203.000. Betreffs der Effektivstärke der alliierten Armee ist beachtlich ein Schreiben des Herzogs an Lord Bute den 7. November 1761 im oben erwähnten Knesebeck’schen Buch. Am 10. Juni 1762 berichtet Ferdinand nach England, dass ein Teil der in den Listen aufgeführten Mannschaften noch ohne Waffen und Feldausrüstung sei. „Wir wünschen sämmtlich, daß Alles in kurzer Zeit ankommen möge; die Jahreszeit ist bereits so weit vorgerückt, daß man die Eröffnung des Feldzugs nicht lange aufschieben kann, im Fall man sich nicht entschließen will, dem Feinde die Vortheile zu überlassen, welche man durch den frühen Beginn der Operationen über denselben erringen könne.“ — Fünf französisch Marschälle mussten der kriegskünstlerisch schneidigen Überlegenheit des Herzogs Ferdinand Tribut zollen.

Friedrich der Große erteilte dem Herzog am 6. März 1758 den Rang eines Generals der Infanterie „zur weiteren Beförderung des Ruhms, so derselbe bei so wichtigen Kriegsexpeditionen, absonderlich im gegenwärtigen Feldzuge erworben". Noch in demselben Jahr, am 8. Dezember, erhob Friedrich ihn zum Feldmarschall, „als Beweis Meiner Freundschaft und Meiner Dankbarkeit für die ausgezeichneten Dienste, welche Sie sowohl der allgemeinen Sache, als Mir persönlich geleistet haben". Auf den Dank des Herzogs erwiderte der König: „Je n’ai fait que ce que je dois, mon cher Ferdinand.“ Im Diplom wird ei Rangerhöhung motiviert: „insonderheit da Ihre Lbdn. das Commando der alliirten Armee höchst rühmlich führen, von Ihrer besonderen Tapferkeit, Valeur und überall vernünftigen Conduite die eclatantesten Proben dargelegt haben, wodurch Dieselben Dero bereits vor der ganzen Welt sich erworbenen eigenen Ruhm merklich vermehret und Unser Obligation, so Wir Deroselben billig dafür haben, verdoppeln". König Georg II. übersandte nach dem Erntetage von Minden (1. August 1758) den Hosenbandorden und ließ ihm (da der Herzog im Jahr 1758 ein Geldgeschenk abgelehnt, s. Westphalen II, 397) fortan eine jährliche Kriegssoldzulage von 20.000 Pfund Sterling auszahlen. Der amtliche „Ausgabeetat pro 1759 für die Armee des Herzos Ferdinand“ vermerkte diese Summe als „témoignage d’estime de la part de Sa Majesté“ (vgl. Schäfer II. 374 und Westphalen V, 1116–1123). Der freigebige Herzog verwandte diese Einnahme zu Ehrengaben und Unterstützungen im Heere und unter den Not leidenden Landeseinwohnern, eine Liberalität, welche freilich auch missbraucht worden ist und eine Einschränkung der Hofhaltung erforderlich machte (vgl. Renouard II, 248; Westphalen V, 1114; I, S. 542; IV, S. 273 und 278; VI, S. 1067; sowie auch III, S. 726, 840, 856, 858, 859). Das englische Parlament ehrte den „Sieger von Minden“ durch eine Dankesovation.

Der Verlust der Festung Cassel, den 1. November 1762, veranlasste die Marschälle Prinz Soubise und d’Estrées, dem Herzog Ferdinand einen Waffenstillstand vorzuschlagen. Der Herzog schloss am 15. November einen solchen ab, nachdem ihm die Unterzeichnung der Friedenspräliminarien in Fontainebleau bekannt geworden. Am 23. November schreibt Ferdinand als Schluss seines Kriegstagebuchs: „Voilà la fin d’une campagne, où j’ai eu à lutter avec ami (soi-disant) et ennemi. La providence s’est manifestée de nouveau durant la cours de cette campagne par Sa puissante protection qu’elle m’a accordée. Son Saint Nom en soit glorifié. Le terme de ma rude carrière est justement d’un lustre, c’est à dire 5 années. Mon arrivée à Stde a été au 22 Novb. 1757 pour me mettre à la tête de l’armée.“ König Georg III. entband den Herzog, auf sein Ansuchen, vom Heeresoberbefehl mittels schmeichelhafter Zuschrift d. d. St. James 3. Decbr. Das britische Parlament übersandte durch den Sprecher des Unterhauses ein sehr ehrendes Dankschreiben. Den 24. Dezember verabschiedete sich Ferdinand in rührendster Weise bei seiner Armee und reiste zu seiner Erholung nach Braunschweig. Am 19. März 1763 nahm er eine ihm von König Friedrich erteilte Domherrnstelle in Besitz; den 29. März erfolgte seine Ankunft in Berlin. Am 25. April reiste er nach Potsdam zum Besuch des Königs; sodann kehrte er zurück nach Magdeburg zur Übernahme seines Gouvernements und seine Infanterie-Regiments, welches zur Unterscheidung von dem Regiment des Prinzen Wilhelm von Braunschweig (gest. 1770, als Freiwilliger im Türkenkrieg) den Namen „Alt-Braunschweig“ führte. Im Juni 1763 begleitete Ferdinand den König nach Westfalen und besichtigte mit ihm die Siegesstätten bei Minden, Vellinghausen (16. Juli 1761) und Krefeld. Jedoch das ehedem wahrhaft freundschaftliche Verhältnis zwischen diesen beiden großen Männern trübte sich im Juni 1766 während der Magdeburger Revue des Königs. Schon während der Feldzüge reizten des Königs Ungeduld und Unwille das eine oder andere Mal den feinfühligen Herzog. Im Januar 1758 war er gewillt, das Oberkommando niederzulegen; im Mai 1762 mutmaßte der Herzog eine Abnahme des königlichen Vertrauens. Aber wir wissen, dass die Schärfe des von seinen Neben- und Unterfeldherren viele verlangenden Königs auch den eigenen Bruder, Prinz Heinrich — den „fehlerlosen Feldherrn“ — nicht schonte, so dass dieser dann und wann in höchste Erregung geriet. Weshalb der Herzog im Juni 1766 plötzlich aus dem preußischen Dienst schied? Darüber ließe sich ein besonderes Kapitel schreiben. Eine Ergänzung und Berichtigung der landläufigen Angaben über das Verhältnis des Herzogs Ferdinand zu seinem preußischen Gebieter und über die dienstliche Stellung des Herzogs innerhalb der preußischen Armee seit 1763 auf Grund von Archivalien s. im Jahrgang 1876 der Jahrbücher über die deutsche Armee und Marine. Der Herzog entsagte nicht nur dem Friderizianischen Dienst, sondern auch jeder anderweitigen militärischen Befehlshaberrolle. Im November 1766 erhielt er österreichischerseits den Feldmarschallsrang und die Inhaberwürde bei einem böhmischen Infanterieregiment; aber er blieb dem kaiserlichen Heere fern. Georg III. bot ihm bei Ausbruch des nordamerikanischen Krieges den Oberbefehl an. Des großen Chatham letzte Parlamentsrede hatte den illustren Generalissimus des „alliierten“ Heeres hierfür auf wärmste empfohlen.

Da der Herzog fortan keine preußische Besoldung bezog, verblieb ihm von seinen dortigen Einnahmen nur das Jahrgeld einer Magdeburger Domdechanten-Sinecure. Im Johanniterorden (seit seinem 15. Jahre war er Anwärter) succedierte er erst 1789 als Nutznießer der Komturei Gorgast (ca. 1130 Taler jährlich). Die braunschweigische Apanage betrug jährlich 4000 Taler. Die von England nach dem Friedensschluss 1762 gewährte lebenslängliche Pension von 3000 Pfund Sterling wurde aus des Königs Schatulle um weitere 1200 Pfund Sterling jährlich erhöht. Die Gesamteinkünfte des Herzogs Ferdinand werden sich ungefähr auf 50.000 Taler summieren. Ein Harpagon hätte davon viel zusammenscharren können; Ferdinand dagegen, den Armen und Bedürftigen ein echter Johanniter, betätigte seine Selbstlosigkeit in so hohem Grade, dass er ganz zerrüttete Vermögensumstände hinterließ.

Die Universität Göttingen ehrte den Herzog Ferdinand, gelegentlich seiner Anwesenheit bei der Prorektorwahl 1768, durch das juristische Doktordiplom. Ab und zu unternahm der Herzog größere Reisen, so z.B. nach dem Haag und 1778 nach Kopenhagen zu seiner jüngsten Schwesetr, der seit dem 14. Juni 1766 verwitweten Königin. Hier, so wie im ganzen dänischen Lande und darauf auch in Schweden, empfing man den Herzog Ferdinand mit ganz besonderen Ehren. Zum beständigen Wohnsitz wählte er die Stadt Braunschweig und als Sommerquartier das von ihm erkaufte nahe Landgut Vechelde.

Den verschwägerten Preußenkönig sah Ferdinand wieder in den Jahren 1772, 1777, 1779 und 1782. Wie hätten diese beiden großen Männer einander dauernd fern bleiben können, bei ihrer nie ernstlich in Frage kommenden gegenseitigen Hochschätzung! Das Testament, welches König Friedrich Sonntag den 8. Jan 1769 in Berlin niederschrieb, vererbte auf Herzog Ferdinand, „meinen Schwager, den ich immer hochgeschätzt", eine mit Brillanten gezierte Tabaksdose und 20 Antal Ungarwein.

Bis 1784 sich einer festen Gesundheit erfreuend, kränkelte Ferdinand von da ab. Am 3. Juli 1792 erlag er einer Lungenlähmung. Einfach, wie er es angeordnet, fand die Beisetzung seines Leichnams statt in dem Ruheort zu Vechelde, welche er sich im voraus hatte herrichten lassen. Der braunschweigische Oberstlieutenant Mauvillon widmete ihm 1794 ein biographische Denkmal. In Magdeburg und Nürnberg erschien 1796 und 1798, ebenfalls zweibändig, die v. Schaper’sche Vie milit. du maréchal prince Ferd. Duc de Brunswic ... pendant la guerre de sept ans en Westphalie. Zu den verschollenen Druckschriften über Herzog Ferdinand gehört auch ein dänisches „Historisches Gemälde, zur Erklärung einer allegorischen Landkarte auf einer Ehrensäule des Herzogs, in dem Walde bei Jägerspreis angebracht", verdeutscht von Roggert, 1784. Ein nach dem Ölbild von Zifenis, in Wien von Kohl in Kupfer gestochenes Porträt des Herzogs spiegelt die angeborene Menschenfreundlichkeit ab. Die braunschweigischen Stände verehrten 1831 dem König Wilhelm IV. von England ein herrliches Kniestück, den Herzog Ferdinand darstellend. In der zur Erinnerung an Friedrich den Großen und die Befreiungskriege 1863 veranstalteten Ausstellung zu Berlin befand sich, aus königlichem Privatbesitz, auch ein Brustbild dieses „Feldherrn". Auf der Frontseite (östlich) am ehernen Sockel des Rauch’schen Friedrichsdenkmals in Berlin sieht man ihn als Eckfigur, hoch zu Ross, mit emporgehobenem Feldmarschallstab. Unwillkürlich sind wir bei diesem Anblick gemahnt an das Schiller’sche Wort: „Ich fühle eine Armee in meiner Faust", welches ins Archenholz’sche übertragen lautet: „Schaut her; hier ist ein Anführer, der ein ganzes Heer wert war.“ (Archenholz, Siebenjähriger Krieg; Ausg. 1792 Teil I, 129).

In aller Brust möchte ich — so sagte Oberst v. Massenbach in seiner Lobrede auf Herzog Ferdinand, Berlin 1806 — Sehnsucht entflammen, dem Vaterlande das zu werden, was Ferdinand dem Vaterlande war.

Seine Brüder Albert (s. Bd. I, S. 264) und Franz, geb. 8. Juni 1732, traten ebenfalls in preußischen Kriegsdienst; König Friedrich Wilhelm gab dem ersteren das Zeugnis: „Er war zu brav. Mich wundert, daß er nicht schon eher getödtet wurde. Ich habe ihn schon lange gewarnt vor unnöthigen Gefahren.“ Letzterer, den 26. Dezember 1745 ad hon. und 1751 de facto, statt seines Bruders Ferdinand Chef des Infanterieregiments Nr. 39, im Jahre 1754 Ritter des Schwarzen Adlerordens, im Oktober 1756 Generalmajor, blieb bei Hochkirch 1758. Wenige Wochen vorher (9. August) schrieb der König seinem Bruder Heinrich: „Er ist gewiß ein guter General und ein fähiger Mann, der viel Ehrgefühl und Strebsamkeit hat. Sie können ihn verwenden zum Commando eines Detachements oder eines rechten Flügels bei der Armee; er wird dies sehr gut ausführen."

Quelle: Lippe, E. Graf zur, „Ferdinand“ in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (Leipzig 1877)

Bibliographie

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