Altenburg

Altenburg

Altenburg, 1) Haupt- und Residenzstadt des [ehem.] Herzogtums Sachsen-Altenburg, unweit der Pleiße, liegt 178–208 m ü. M. und ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Leipzig–Hof, Altenburg–Zeitz und Altenburg–Langenleuba. Das auf einem senkrecht abstürzenden Porphyrfelsen liegende Schloss, bekannt durch den sächsischen Prinzenraub (s. d.), stammt in seinen Grundmauern wohl aus dem 10. und 13. Jahrhundert, wurde aber im 18. Jahrhundert beträchtliche vergrößert und nach den Bränden von 1864 und 1868 teilweise erneuert. Die Schlosskirche, 1901 renoviert, war 1413–1533 ein Stift regulierter Augustiner-Chorherren. Von sonstigen Gebäuden sind zu nennen: die St. Bartholomäikirche, die Brüderkirche (im Neubau begriffen), die sogen. Roten Spitzen (zwei verbundene Türme mit Staatsarchiv, ein Rest der im 17. Jahrhundert verfallenen Kirche des 1172 von Kaiser Friedrich I. gegründeten Augustinerklosters), das 1560–64 im deutschen Renaissancestil erbaute Rathaus, das Museum mit Gemäldegalerie und anderen Sammlungen, die 1840 im gotischen Stil erbaute Fürstengruft etc. An Denkmälern besitzt die Stadt ein Siegesdenkmal von Professor Fritzsche, ein Kaiser Wilhelm-Denkmal von Professor Bärwald und ein Brehm-Schlegel-Denkmal.

Die Zahl der Einwohner belief sich 1900 mit der Garnison (8. Thüringisches Infanterie-Regiment Nr. 153) auf 37.110 Seelen, davon 35.966 Evangelische, 1019 Katholiken und 36 Juden. Altenburg hat Fabrikation von Nähmaschinen, Zigarren, Glacéhandschuhen, Hüten, Akkordions, Bürsten, Metallwaren und Wollengarn, Geldschrank- und Maschinenbau, Eisen- und Metallgießerei, chemische Fabriken, Bierbrauerei, Gärtnerei etc.; der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Reichsbanknebenstelle, die herzogliche Landesbank und andere Bankinstitute, ist wichtig in Kolonialwaren, Landesprodukten und Wollengarn. Von Bildungsanstalten hat die Stadt ein Gymnasium, ein Realgymnasium, ein Schullehrerseminar, ein Technikum, eine landwirtschaftliche Schule etc., ferner eine Sternwarte, eine naturforschende und eine geschichts- und altertumsforschende Gesellschaft des Osterlandes etc. Altenburg ist Sitz der Landesbehörden und eines Landgerichts (für die sechs Unteramtsgerichte zu Altenburg, Eisenberg, Kahla, Roda, Ronneburg und Schmölln), eines Generalsuperindendenten, des Landratsamts für den Ostkreis Altenburg und eines Hauptsteueramts. Die städtischen Behörden zählen neun Magistratsmitglieder und 36 Stadtverordnete.

Altenburg, zuerst 980 urkundliche erwähnt, wurde im 12. Jahrhundert reichsunmittelbar. Auf der dortigen Burg hatte der Burggraf seinen Sitz. Kaiser Friedrich II. verpfändete Altenburg an Albrecht den Entarteten von Meißen. Nach dem Aussterben der Burggrafen von Altenburg erneuerte Kaiser Ludwig 1329 die Verpfändung, und seitdem blieb Altenburg bei Meißen. Durch die Hussiten wurde Altenburg 1430 niedergebrannt. 1445 kam es durch die Erbteilung an Kursachsen. Die Reformation wurde ohne Schwierigkeiten in Altenburg eingeführt, besonders seit Spalatins Anstellung als Pfarrer und Superintendent. Vom 20. Oktober 1568 bis 9. März 1569 war hier ein Kolloquium zwischen den sächsischen Theologen wegen Beilegung der synergistischen Streitigkeiten. Von 1603–72 war Altenburg Residenz der sogen. Altenburger Linie des Ernestinischen Hauses; dann ward es wieder 1862 Residenz durch die Übersiedelung des Herzogs Friedrich von Hildburghausen. Vgl. Huth, Geschichte der Stadt Altenburg zur Zeit ihrer Reichsunmittelbarkeit (Altenb. 1829); Löbe, Geschichtliche Beschreibung der Residenzstadt Altenburg (3. Aufl. Altenb. 1881); Braun, Die Stadt Altenburg in den Jahren 1350–1525 (Altenb. 1872); Braun, Erinnerungsblätter aus der Geschichte Altenburgs 1525–1826 (Altenb. 1876).

Altenburg, 2) Markt, s. Ungarisch-Altenburg.

Altenburg, 3) Ruine, s. Bamberg

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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