Toul

Toul

Toul, Arrondissementshauptstadt im französischen Département Meurthe-et-Moselle, 204 m ü. M., am linken Ufer der Mosel, am Marne-Rhein- und am Ostkanal, nur 35 km von der deutschen Grenze, Knotenpunkt der Ostbahn und Festung ersten Ranges mit einem ausgedehnten Gürtel von Außenforst, hat eine gotische ehemalige Kathedrale St.-Étienne (13. bis 15. Jahrhundert) mit schönem Portal, zwei 75 m hohen Türmen, Glasmalereien und Kreuzgang, die Kirche St.-Gengoult (13. bis 16. Jahrhundert), gleichfalls mit einem Kreuzgang, eine Synagoge, ein ansehnliches Stadthaus (früher Bischofspalast), Denkmäler zur Erinnerung an die Belagerung und die Erhebung Frankreichs, Collège, Bibliothek (12.000 Bände), Handelskammer, Ackerbaukammer, Fabriken für Tonwaren, Öfen, Kerzen, Likör, Stickereien, Holzdrechslerei, Hopfenbau, Weinhandel und (1906) 13.345 (als Gemeinde 13.663) Einwohner. Toul ist Geburtsort des Marschalls Gouvion Saint-Cyr.

Kathedrale St.-Étienne in Toul.
Kathedrale St.-Étienne in Toul.
Porte Moselle, das Moseltor der Festung Toul
Porte Moselle, das Moseltor der Festung Toul

Toul, das Tullum Leucorum der Römer, Hauptstadt des gallischen Stammes der Leuci, gehörte unter den Merowingern und Karolingern zum Königreich Austrasien. 612 wurde Theuderich von Austrasien durch Theoderich von Burgund bei Toul besiegt. 870 kam Toul an das Deutsche Reich, wurde dann von eigenen Grafen regiert und fiel nach deren Erlöschen 1136 an Lothringen, blieb aber deutsche Reichsstadt, über welche die Herzoge von Lothringen nur das Schirmrecht ausübten. 1552 ward die Stadt vom König Heinrich II. von Frankreich infolge seines Bundes mit dem Kurfürsten Moritz von Sachsen gegen Karl V. nebst Metz und Verdun besetzt und mit diesen Bistümern im Westfälischen Frieden 1648 endgültig an Frankreich abgetreten. Das um 410 gegründete Bistum Toul bestand bis 1807. Im Krieg 1870/71 ward Toul 16. August vom 4. deutschen Korps vergeblich berannt, vom 12. September an vom 13. Korps unter dem Großherzog von Mecklenburg förmlich belagert, da es die einzige Eisenbahn vom Rhein nach Paris sperrte, und am 23. nach achtstündigem Bombardement mit schwerem Geschütz zur Kapitulation gezwungen.

Wall, Wassergraben, und das Gebäude der Vauban-Festung Toul, in dessen Erdgeschoss der Ingressin die Festung verlässt, um kurz darauf in der Mosel zu münden.
Wall, Wassergraben, und das Gebäude der Vauban-Festung Toul, in dessen Erdgeschoss der Ingressin die Festung verlässt, um kurz darauf in der Mosel zu münden.

Bibliographie

  • Daulnoy: Histoire de la ville et cité de Toul (Toul 1881, Bd. 1)
  • Pimodan: Le réunion de Toul à la France (Par. 1885)
  • Thiéry: Histoire de la ville de Toul (Toul 1841, 2 Bde.)
  • Werder, v.: Die Unternehmungen der deutschen Armee gegen Toul im Jahr 1870 (Berl. 1875)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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