Kolberg

Belagerung von Kolberg durch die Franzosen, 1806–1807

Kolberg (Colberg), Stadt im ehemaligen preußischen Regbez. Köslin, Kreis Kolberg-Körlin, heute Kolobrzeg in Polen, ehemalige Hauptstadt des Herzogtums Kassuben, an der Persante, die bei den nahen Vorstädten Münde und Strandvorstadt in die Ostsee mündet, hatte (1907) 4 evangelische und eine kath. Kirche (darunter die schöne fünfschiffige Marienkirche, ein Backsteinbau des 14. und 15. Jahrh. mit bedeutenden, restaurierten Deckengemälden, und die 1871-76 erbaute Nikolaikirche in der Vorstadt Münde), eine Synagoge, ein gotisches Rathaus, ein neues Kreishaus, ein Erzstandbild Friedrich Wilhelms III. (von Drake) auf dem Markt (hier auch Nettelbecks Haus und Ramlers Geburtshaus), ein Nettelbeck-Gneisenau-Denkmal, ein Denkmal des Sanitätsrats Hirschfeld, einen Hafen mit Leuchtfeuer an der Mündung der Persante, ein besuchtes See-, Sol- und Moorbad (Zahl der Kurgäste 1904: 13.288), eine neue Quellwasserleitung und (1900) mit der Garnison (2 Bataillone Infanterie Nr. 14 und eine Abteilung Feldartillerie Nr. 2) 20.200 Einwohner, davon 786 Katholiken und 349 Juden.

Kolberg war bis 1873 Festung, die Schanzen an der See und das Fort Münde wurden 1887 als solche aufgegeben. Ein beliebter Vergnügungsort ist die Maikuhle, ein Wald am Hafen und an der See.

Die Stadt Kolberg, einer der ältesten Orte Pommerns, als Salzort früh bedeutend, ist um eine slawische Feste entstanden, die 1065 in ein Domstift verwandelt wurde. 1255 erhielt Kolberg von Herzog Barnim I. Stadtrecht, kam 1276 unter die Herrschaft des Stiftes Kammin und wurde 1284 in den Hansebund aufgenommen.

Seit 1530 fand die Reformation in Kolberg Eingang. Im Dreißigjährigen Krieg kam es 1627 in die Gewalt der Kaiserlichen, wurde aber 1631 von den Schweden erobert, welche die spätere Festung anlegten. 1653 wurde die Stadt an den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg übergeben, der die Befestigungen durch Sparr verstärken ließ und hier eine Ritterakademie stiftete, die 1705 nach Berlin verlegt wurde. Im Siebenjährigen Krieg belagerten die Russen, 10.000 Mann stark, 1758 vergebens die nur von 700 Mann besetzte Stadt, die von dem Kommandanten Major v. Heyden und der Bürgerschaft tapfer verteidigt wurde. Denselben Ausgang hatte eine zweite Belagerung durch die Russen 26. Aug. bis 18. Sept. 1760; eine dritte (1761) endete dagegen damit, dass Kommandant Heyden, durch Hunger gezwungen, die Festung den Russen übergeben musste, die jedoch 1762 nach Peters III. Thronbesteigung von ihnen wieder geräumt wurde.

Noch rühmlicher zeichnete sich Kolberg aus bei der sechsmonatigen Belagerung der Feste durch die Franzosen 1806 und 1807. Hierher hatte sich der schwer verwundete Schill gerettet, und er und der Bürger Nettelbeck (s. d.) erhielten den Mut der Besatzung und der Bürger wach, bis diese durch das Eintreffen Gneisenaus mit neuem Eifer beseelt wurden (das obenerwähnte Nettelbeck-Gneisenau-Denkmal von Georg Meyer wurde 2. Juli 1903 errichtet). Am 10. Juni 1807 waren die Laufgräben so nahe gerückt, dass Breschbatterien angelegt werden konnten, und 1. Juli begann der Feind ein heftiges Bombardement, bei dem ein Teil der Stadt niederbrannte. Die Botschaft des Friedens von Tilsit (9. Juli 1807) hob endlich die Belagerung auf und erhielt die wichtige Festung dem König, welcher der Stadt ihren Beitrag zur Kriegskontribution erließ.

Bibliographie

  • Held, v.: Geschichte der drei Belagerungen Kolbergs im Siebenjährigen Krieg (Berl. 1847)
  • Riemann: Geschichte der Stadt Kolberg (Kolb. 1873)
  • Schönlein: Geschichte der Belagerungen Kolbergs in den Jahren 1758, 1760, 1761 und 1807 (2. Aufl., Kolb. 1878)
  • Stoewer: Geschichte der Stadt Kolberg (Kolb. 1897)
  • Führer durch Bad Kolberg von Kempin (4. Aufl., Kolb. 1899), Woerl (Leipz. 1902)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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