Prenzlau

Prenzlau.

Prenzlau, Kreisstadt im [ehem.] preußischen Regierungsbezirk Potsdam, Hauptstadt der Uckermark, am Ausfluss der Ucker aus dem 1133 Hektar großen, fischreichen Unteruckersee, mit mehreren Bahnhöfen Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Angermünde–Stralsund und Prenzlau–Löwenberg sowie mehrerer Kleinbahnen, 30 m ü. M., hat fünf evangelische Kirchen (darunter die gotische Marienkirche, 1293–1340 erbaut, jetzt restauriert), eine katholische Kirche, ein baptistisches Bethaus, Synagoge, Teile der alten Stadtbefestigung mit eigentümlichen Türmen, wie dem Stettiner Torturm, dem Hexenturm und dem Mittelturm, ein Rathaus mit Archiv, ein schönes gotisches Kreishaus, ein Kriegerdenkmal, ein Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I., Denkmäler Bismarcks und Moltkes (sämtlich modelliert von Professor Schilling), ein Standbild Luthers (modelliert von Rietschel) und ein Denkmal des früheren Oberbürgermeisters und Präsidenten des preußischen Abgeordnetenhauses Grabow. Die Einwohner, deren Zahl sich (1905) mit der Garnison (zwei Bataillone Infanterie Nr. 64) auf 20.929 beläuft (davon 969 Katholiken und 315 Juden), betreiben meist Ackerbau; sonst hat Prenzlau noch eine Zuckerfabrik, zwei Eisengießereien, Gasmesser-, Margarine-, Milchzucker-, Luxuspapier-, Schuh- und Zigarrenfabrikation, eine Dampfmühle, Bierbrauerei, Molkerei und Fischerei.

Der Handel, in der Hauptsache Getreide- und Viehhandel, wird unterstützt durch eine Reichsbanknebenstelle. Prenzlau hat ein Gymnasium (schon 1543 genannt), ein evangelisches Schullehrerseminar, eine Molkereilehranstalt, ein Museum, eine Landarmen- und Korrigendenanstalt, ein Mädchenfürsorgeheim und ist Sitz eines Hauptsteueramts und der Uckermärkischen Ritterschaftsdirektion. Zum Landgerichtsbezirk Prenzlau gehören die zwölf Amtsgerichte in Angermünde, Brüssow, Eberswalde, Freienwalde a. O., Lychen, Oderberg, Prenzlau, Schwedt, Strasburg i. U., Templin, Wriezen und Zehdenick.

Prenzlau, zuerst 1188 urkundlich erwähnt, erhielt 1235 Stadtrecht und kam 1250 mit der ganzen Uckermark (s. d.) an Brandenburg, das seinen Besitz gegen Mecklenburg und vor allem Pommern (bis 1415) erkämpfen musste und zeitweilig verlor. Am 28. Oktober 1806 ergab sich hier das auf dem Rückzug begriffene, 11.800 Mann starke preußische Korps unter dem Fürsten von Hohenlohe nach einem unglücklichen Gefecht an die Franzosen unter Murat.

Bibliographie

    »Arbeiten des uckermärkischen Museums- und Geschichtsvereins« (Prenzl. 1898 ff.)
  • Ziegler: Prenzlau, die ehemalige Hauptstadt der Uckermark (Prenzl. 1886)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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