Richtmethoden

Richtmethoden

Richtmethoden, Verfahren für Höhen- und Seitenrichtung, um mit einer Feuerwaffe ein Ziel treffen zu können. Die einfachste Richtmethode ist die mit Visier und Korn, die noch jetzt überall, wo es möglich ist, angewendet wird, so bei Handfeuerwaffen und bei Geschützen, wenn das Ziel zu sehen ist. Das indirekte Schießen gegen nicht sichtbare Ziele ist aber bei der Artillerie die Regel. Die Feldartillerie verwendet außer dem Aufsatz mit Korn Libellenquadrant, Richtbogen, Richtfläche und Richtlatte.

Die Fußartillerie, die als Hilfsmittel für die Seitenrichtung den Aufsatz, die Richtskala und den Richtkreis, für die Höhenrichtung Aufsatz oder Quadranten gebraucht, wendet vier verschiedene Richtmethoden an. Diese sind, da der Aufsatz nur angewendet werden kann, wenn auch die Seitenrichtung damit genommen wird, andererseits mit dem Richtkreis nur ein Nehmen der Seitenrichtung möglich ist: Richtmethoden mit Aufsatz, mit Quadrant und Skala, mit Quadrant und Richtkreis, mit Aufsatz und Quadrant. Bestimmend für die Wahl ist die Art des Ziels, die Tageszeit und die bei Abwehr von Nahangriffen aufs höchste zu steigernde Feuergeschwindigkeit. Hiernach ist zu unterscheiden, ob das Ziel vom Geschützstand aus sichtbar ist oder nicht, ob es sich um Richten bei Dunkelheit oder auf Entfernungen unter 500 m handelt. Im letzten Fall braucht die Richtung nur im allgemeinen genommen zu werden, da die Ausbreitung der Sprengteile bei entsprechend eingestelltem Zünder, bzw. bei Kartätschen eine genaue Richtung überflüssig macht.

Gewährt bei Dunkelheit das Ziel selbst oder Raketen etc. eine Beleuchtung, so ist anzustreben, wenigstens die Seitenrichtung mit dem Aufsatz, die Höhenrichtung mit dem Quadranten zu nehmen. In anderen Fällen bildet das Schießen bei Nacht nur die Fortsetzung des bei Tage begonnenen und bedient man sich derselben Hilfsmittel wie bei jenem. Handelt es sich um ein neues Ziel, so muss man das Beschießen auf Grund eines Batterieplanes vornehmen und müssen die Bettungen vorbereitet sein.

Bei den Zielen, die vom Geschützstand aus sichtbar sind, richtet man meist mit dem Aufsatz. Sein Gebrauch ist geboten, sobald es auf schnelle Bedienung ankommt, gegen bewegliche Ziele. Ist der Gebrauch des Aufsatzes aus irgendwelchem Grunde nicht zulässig oder das Ziel für seinen Gebrauch ungeeignet, so erfolgt auch gegen sichtbare Ziele das Richten mit Quadrant und Skala oder mit Quadrant und Richtkreis. In Ausnahmefällen, z. B. wenn die Einteilung des Aufsatzes für die erforderliche Erhöhung nicht ausreicht, richtet man mit Aufsatz und Quadrant. Das Richten auf vom Geschützstand aus nicht sichtbare Ziele wird in der Regel, da die Anwendung dieser Richtart ganz unabhängig von Lage und Beschaffenheit des Ziels ist, das Richten mit Quadrant und Skala oder mit Quadrant und Richtkreis sein, denn in diesem Fall ist die Bedienung am meisten gesichert. Für die Anwendung dieser Richtmethoden gegen Ziele, auf die jedes unmittelbare Einrichten ausgeschlossen ist (völlig verdeckte Lage, Nebel, Dunkelheit etc.), ermöglichen als Batteriepläne eingerichtete Pläne in Verbindung mit vorbereiteten Bettungen oder mit festgelegten Hauptschusslinien eine Bestimmung der Seitenrichtung (s. Tafel »Festungskrieg III«).

Im allgemeinen werden beim Richten mit der Skala drei Hauptrichtungslinien genügen. Das Festlegen der Seitenrichtung geschieht auf der Bettung, indem auf diese die Richtungslinie des entweder unmittelbar oder mit Hilfe des Richtkreises oder eines Planes auf das Ziel eingerichteten Geschützes durch Richtplatten übertragen wird. Es ist hieraus ersichtlich, dass für die Ausführung der Richtmethoden und überhaupt für das wirkungsvolle Schießen der Fußartillerie ein umfangreiches Planmaterial erforderlich ist. Außer den Übersichtsplänen oder -Karten, Krokis und Skizzen des Kampffeldes sind für die Schießpraxis Abschnittspläne, Batteriepläne und Feuervereinigungspläne erforderlich (vgl. Collin, Das Planmaterial der Fußartillerie etc., Berl. 1895).

Bei der Marine sind von der Fußartillerie abweichende Richtmethoden nicht zu vermerken, jedoch sind bei der großen Verschiedenheit des Materials auch die Visiereinrichtungen höchst mannigfaltig. Erst 1895 mit Einführung der Wiegenlafette (s. Lafette) ist eine größere Übereinstimmung erzielt. Die Visiereinrichtungen sind meist an der Wiege angebracht und erhalten neben dem Fadenvisier noch ein Fernrohrvisier.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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