Schwimmkunst

Schwimmkunst, sollte eigentlich immer mit in den ersten Unterricht des Soldaten gezogen werden; am unerlässlichsten aber ist diese Kunst für die leichte Infanterie und Kavallerie. Es ist beim Schwimmen nicht genug, es nur so weit gebracht zu haben, dass man sich höchstens nur eine Zeit lang über dem Wasser erhalten kann; hierdurch würde der Zweck nicht im geringsten erreicht werden, weil der Schwimmer in so mancherlei Lagen kommen kann, wo ihm sein Ertrinken unvermeidlich ist, wenn er nicht einen gewissen Grad der Fertigkeit, dem Wasser unter allen Umständen trotz zu bleiben, erlangt hat.

Der Unterricht im Schwimmen zerfällt am besten in sechs Abteilungen, die, streng von einander geschieden, den Schüler zu immer größerer Fertigkeit ausbilden, und es dem Lehrer möglich machen, selbst bei einer noch so großen Anzahl von Schülern, die Kraft des Einzelnen fortwährend richtig zu beurteilen. Was die Arten des Schwimmens selbst betrifft, so sind sie zweierlei, nämlich: die, welche den Gang, und auch das Schwimmen, der vierfüßigen Tiere nachahmt, und die, welche der Schwimmbewegung des Frosches ähnlich ist. Die letztere ist indessen die vorzüglichere, nicht nur wegen des dabei gezeigten Anstandes, sondern auch wegen der geringeren Anstrengung, also längeren Ausdauer, größeren Schnelligkeit und Gewandtheit.

Der zum Lehrer nötige Schwimmapparat besteht in Folgendem: 1) Ein Gerüst, welches bis in die gehörige Tiefe des Wassers hineingeführt ist, mit zwei oder mehreren Stockwerkähnlichen Abteilungen, zum Hinabspringen von verschiedenen Höhen. Die Tiefe des Wassers für Anfänger im Schwimmen muss wenigstens 8 Fuß betragen; für das Hinabspringen muss sie etwas mehr betragen, als die Höhe, von welcher man sich ins Wasser stürzt. 2) Ein kleiner Kahn, zum etwaigen Gebrauch in Notfällen. 3) Ein Zelt, oder sonstiges Obdach, zum An- und Auskleiden. 4) Ein handbreiter Gurt. 5) Eine Leine von 5 bis 6 Klaftern. 6) Eine 8 Fuß lange Stange. 7) Schwimmhosen von Leinwand, von der Hüfte bis zum halben Schenkel, und zum Zubinden eingerichtet.

Die erste Abteilung der Schüler erlernt die Anfangsgründe. Man legt dem Schüler den Schwimmgurt um die Brust, so dass der obere Rand desselben die Brustwarzen berührt; die Leine wird durch zwei an dem Gurt befestigte Ringe, die auf dem Rücken des Lehrlings zu liegen kommen, gezogen. Jetzt wird er ans Wasser geführt, vorausgesetzt, dass er gehörig abgekühlt ist; in jedem Falle ist es gut, sich vorher Brust und Schläfe zu benetzen, ehe man ins Wasser springt. Der Schüler wird zu einem herzhaften Sprunge in die Tiefe ermahnt, wobei der die Beine zusammenhalten muss, und wenn er wieder auf die Oberfläche kommt, nicht sogleich den Mund aufmachen darf, um zu atmen, sondern er muss vielmehr das Wasser zuvor schnaubend aus der Nase stoßen, weil sonst das in den Wänden der Nase hängende Wasser in die feineren Gänge derselben steigt, und leicht Kopfscherzen verursacht.

Sobald der Schüler den Sprung, um dreist zu werden, mehrere Male versucht hat, wird das Ende der Leine an die Stange gewickelt, und nun der Lehrling waagrecht auf dem Wasser erhalten. Man gibt ihm hier die Stellung zum Schwimmen; nämlich, der Kopf ist bis an den Mund im Wasser, die Arme sind steif vorwärts gestreckt, so dass sich die flachen Hände berühren; die Beine sind gleichfalls ausgestreckt, wobei die Hacken zusammengehalten, die Zehen auswärts gedreht und angezogen werden. Wenn der Schüler eine Zeit lang in dieser Stellung gewesen ist, so dass sie ihm bequem wird, zeigt man ihm die Bewegung; diese ist zweierlei, die Bewegung der Füße und der Arme.

Erstere zerfällt wieder in drei Teile, und damit wird beim Unterricht der Anfang gemacht: 1) Die Beine werden langsam unter den Leib angezogen, wobei die Hacken zusammen bleiben, die Knie möglichst weit auseinander gebreitet werden, und das Rückgrat nach unten gekrümmt ist; die Zehen bleiben auswärts.

2) Die Beine werden mäßig schnell steif ausgestreckt, wobei die Hacken sich verlassen, die Beine sich in den möglichst größten Winkel ausbreiten, die Zehen angezogen und auswärts bleiben.

3) Die Beine werden mit steifen Knien schnell zusammengeschlagen, und nehmen die ursprüngliche Stellung wieder an; in dieser dritten Bewegung liegt der Hauptvorteil des Schwimmers. – Der Lehrer lässt alles dies auf sein Kommando: „eins, zwei, drei“, machen; ist der Schüler hierbei tadellos, so werden zuerst die beiden letzten Bewegungen vereinigt, und endlich alle drei in eins verschmolzen; die beiden letzten Teile müssen dann mit einer gewissen Kraft und Beschleunigung ausgeführt werden.

Wenn alles gut begriffen ist, so geht der Lehrer zur Bewegung der Arme über, welche in zwei Teile zerfällt: 1) die Arme werden steif auseinander gebracht, die Fläche der Hände bleibt horizontal im Wasser, doch am Rande der Daumen etwas nach unten geneigt. Sobald die Arme den höchsten Grad der Ausbreitung erreicht haben, werden sie rechtwinklig gebogen, die Ellenbogen an den Leib gezogen, die Handflächen so geführt, dass sie dem Wasser den größten Widerstand entgegen setzen, und dann unter der Brust zusammengebracht, so dass aber immer die Fläche nach unten bleibt. 2) Die Arme werden mäßig schnell nach vorwärts gestoßen, und nehmen die ursprüngliche Stellung ein.

Wenn diese Bewegung einzeln gut gemacht sind, werden sie in eins gezogen, und endlich die der Arme und Beine mit einander verbunden. Der Schüler wird gestellt; der Lehrer zählt „eins! zwei!“ Auf eins machen die Arme und Beine ihre Eins, auf zwei, die Arme ihr zwei, die Beine ihr zwei und drei; das Knie bleibt dabei immer im Wasser. Nach einiger Übung sind die Schwierigkeiten, welche sich dem Schüler bei dieser Bewegung entgegenstellen, bald überwunden; wenn die Bewegungen der Arme und Beine anfangen, in einander zu greifen, so beginnt der Körper zu schwimmen, und ein Zucken der Leine gibt das Kennzeichen davon. Nach und nach, ohne dass es der Schüler merkt, wird die Leine immer seltener straff, bis alle Unterstützung, ihm unbewusst, aufhört.

Ist er im Stande, mit gesenkter Stange 20 Stoßbewegungen zu machen, so tritt er in die zweite Abteilung. Der Schüler schwimmt jetzt bloß an der Leine, nachdem er mit einem tüchtigen Anlauf ins Wasser gesprungen ist, und sich allein herausgearbeitet hat. Hier lernt er sich selbst in die gehörige waagerechte Stellung zu bringen, und bleibt so lange in dieser Abteilung, bis er 50 Stöße fehlerfrei zu machen im Stande ist.

In der dritten Abteilung werden dem Schüler Gurt und Leine abgenommen, er bleibt aber immer noch am Ufer, oder in dem eingeschlossenen Badeplatz. Er wird nun angehalten, seine Stöße schwimmend zu zählen, damit er einen Maßstab seiner Kraft gewinne, und sich seiner Fortschritte bewusst werde, bis er 400 Stöße zu machen im Stande ist.

In der vierten Abteilung kommt er nun ins freie Wasser, und schwimmt, als Probestück, zum ersten Male durch eine Weite von ungefähr 300 Schritt, wo möglich quer über einen Fluss oder See. Zwei Schwimmmeister begleiten ihn, rechts und links neben ihm schwimmend, ein dritter folgt ihm in dem Kahn. Zugleich lernt er auch das Rückenschwimme, und das Wassertreten.

Beim Rückenschwimmen wird der Schüler wieder in den Gurt gehängt, und waagerecht auf den Rücken gelegt; der Kopf liegt so weit im Wasser, dass nur Augen, Mund und Nase frei bleiben, die Brust wird gehoben, die Hände werden auf die Hüften gesetzt. Die Bewegung der Füße ist dieselbe, wie beim Schwimmen auf dem Bauch, nur müssen dabei Kopf und Brust völlig regungslos bleiben. Nach jedem Stoße muss man sich völlig strecken, und eine möglichst lange Pause machen; wenn der Schüler hierin Fertigkeit erlangt hat, kann er die Hände über dem Kopf hinaus strecken, wodurch seine Haltung beim Schwimmen mehr Anstand bekommt. Die Wendung vom Bauch auf den Rücken, und umgekehrt, muss immer dem Ausstoßen der Füße unmittelbar folgen, und darf nie mit dem Anziehen derselben gleichzeitig sein. Man bedient sich des Rückenschwimmens zum Ausruhen, wenn man weite Strecken durchschwimmen soll.

Beim Wassertreten wird der Schüler senkrecht in den Gurt gehängt, die Hände werden auf die Hüften gestemmt, die Füße schlagen ihren gewöhnlichen Kreis. So entsteht eine Art hüpfender Bewegung. Eine andere Art des Wassertretens ist, die Beine nicht zugleich, sondern nach einander anzuziehen, wobei aber die Beine nicht ausgestreckt, sondern wie halb zum Sitzen eingezogen werden; hierbei hüpft der Schwimmer nicht, sondern bleibt in gleicher Höhe über dem Wasser. Hat er eine Fertigkeit hierin erlangt, so kann er auch die Hände aus dem Wasser emporstrecken.

Der Schüler der vierten Klasse kann nun schon zum Lehrer für die erste und zweite angestellt werden.

Fünfte Abteilung. Wer in diese Abteilung tritt, ist schon als Schwimmer ziemlich selbstständig, und seine Übungen zwecken nunmehr darauf ab, seine Gewissheit und Selbstständigkeit immer mehr zu vergrößern. Es findet jetzt zuerst das Gesellschaftsschwimmen statt, wo der Lehrer alle Schwimmer dieser Abteilung zugleich geordnete Bewegungen ausführen lässt. Diese Übungen befördern die Fertigkeit ungemein, weil die Aufmerksamkeit der Schwimmer sich fast ganz auf ihre Umgebungen, und auf die Anordnungen des Lehrers richtet, wobei ihnen das Schwimmen nach und nach eine bewusstlose, gleichsam naturgemäße Bewegung wird. Zugleich üben sie das Seitenschwimmen, das Rückenschwimmen, ohne Gebrauch der Füße, teils nach der Richtung des Kopfes hin, teils nach den Füßen zu; das Treiben, wobei der Körper ruhig in der Stellung des Rückenschwimmens liegt, und nur von Zeit zu Zeit schnell Atem geholt wird, so dass die Lungen recht voll Luft genommen werden; das Schwimmen auf dem Bauch, ohne Hände, das Schwimmen mit einer Hand; der Wurf, wobei sich ein Arm nach dem anderen über dem Wasser erhebt, und dergleichen mehr; endlich das Springen und Tauchen.

Das Springen ist zweierlei, entweder mit den Füßen oder mit dem Kopf voran. Bei dem ersteren, besonders wenn der Sprung hoch ist, halte man die Füße zusammen, die Hände über den Kopf aber dicht am Leib, und stelle den Körper mehr etwas hinten über als vorne über. Bei dem Kopfspringen hält man die Arme ebenfalls gestreckt über den Kopf.

Die Tauchübungen beginnen mit einem bewegungslosen Verweilen unter dem Wasser; der Atem wird langsam eingezogen, und wenn das Herz anfängt, stärker zu schlagen, nach und nach fortgestoßen. Hat man hierin einige Übung, so fängt man an in den Grund zu schießen, und unter dem Wasser fort zu schwimmen, wobei man nur mit den Händen nach oben drückt, wenn man der Oberfläche zu nahe kommt. Man gewöhne sich, unter dem Wasser die Augen aufzuhalten, wenigstens in denjenigen Wasserschichten, die nicht ganz lichtlos sind; an dem Schwimmer wird man die Tiefe, in der man sich befindet, abschätzen können. Endlich lerne man auch, während des Schwimmens Lasten zu tragen, und fange mit einer 3- bis 6pfündigen Kanonenkugel an.

Es ist nötig, dass ein Schwimmer wisse, wie er sich zu verhalten habe, um einen Ertrinkenden zu retten, ohne selbst das Opfer zu werden, wie so häufig geschieht. Er vermeide daher, dem Ertrinkenden von vorne zu kommen, damit er nicht von ihm gepackt werde, weil er sonst von ihm krampfhaft festgehalten, und nicht leicht wieder loskommen würde. Er fasse ihn daher von hinten an, und lasse ihn gleich los, sobald der andere sich wendet; er stoße ihn entweder vor sich her, oder ziehe ihn nach sich, um nach dem Ufer zu kommen. Ist der zu durchschwimmende Raum weit, so ergreife er ihn bei dem Fuße, und ziehe ihn fort, indem er ihn auf den Rücken wendet. Hat ihn selbst der Ertrinkende gepackt, so ist für den Schwimmer, wenn er nicht sehr nahe am Ufer ist, keine andere Rettung, als nach dem Grunde zu gehen, und tief unter dem Wasser mit seinem Gegner zu ringen; der Ertrinkende strebt instinktartig nach der Oberfläche, und lässt, in die Tiefe gezogen, in der Regel seine Beute, zumal wenn der Schwimmer ihn mit seiner ganzen Kraft da unten anfällt. Für zwei Schwimmer ist indessen weniger zu fürchten, und leichtere Arbeit.

Wer nun in allen Übungen der fünften Abteilung besonders tüchtig geworden ist, so dass er mit gebundenen Füßen, mit angezogenen Kleidern und Stiefeln, eine große Strecke durchschwimmen, 50 bis 100 Würfe ganz regelmäßig machen, 30 bis 40 Schritt unter dem Wasser fortschwimmen kann, gilt als ein vollkommen ausgebildeter Schwimmer, und tritt in die sechste Abteilung, wo ihm Aufsicht und Leitung der anderen übertragen wird. Das Schwimmen im Sturm, bei hohen Wellen, und in Strudeln, so wie das Schwimmen mit dem Pferde, wird nur mit den besseren und gewandteren Schülern dieser Abteilung geübt, weil den äußeren Störungen eine großen Besonnenheit entgegen gesetzt werden muss.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe