Flinte

Musketier mit Flinte

Flinte, das zu Ende des 17. Jahrhunderts eingeführte und nach dem Feuerstein (Flint) benannte Steinschlossgewehr, das leichter als die älteren Gewehre war. In Frankreich hießen die mit dem »fusil« Steinschlossgewehr bewaffneten Soldaten Fusiliers (Füsilierere), während man im deutschen Sprachraum den Begriff Musketiere beibehielt. Flinte heißt auch das Jagdgewehr mit glatter Laufbohrung, das in erster Linie zum Verschießen von Schrotkugeln ausgelegt ist, wenn zweiläufig: Doppelflinte, mit Büchs- und Flintenlauf: Büchsflinte. Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Die Flinte wurde in Frankreich erfunden, und zuerst um das Jahr 1640 eingeführt, wo man anfangs bloß die Tirailleure damit bewaffnete. Doch bald verbreitete sich diese Erfindung nach Deutschland; man vertauschte die unbequemere Muskete mit dem Luntenschloss gegen sie, und erhielt dadurch die Vorteile der Leichtigkeit und eines schnelleren Feuers. Die Schussweite der Infanterieflinte (Flintenschussweite), wo die Kugel noch hinreichend Kraft hat, um durch ein 1,5 Zoll dickes Brett zu schlagen, nimmt man gewöhnlich zu 300 bis 350 Schritt an; allein dann muss man schon nach dem oberen Hutrand des Feindes, und selbst noch darüber zielen. Auf 200 bis 250 Schritt wird auf den halben Mann, auf 150 Schritt und darunter gegen das Knie gezielt. Übrigens s. Schießen, Treffen, Ladung, Gewehrfabrik, die einzelnen Teile der Flinte usw.

Flinte, das bei der Infanterie gebräuchliche Feuergewehr, mit inwendig glattem Lauf, auch uneigentlich Muskete, oder schlechthin Gewehr genannt. Die Hauptteile der Flinte sind 1) der Lauf, 2) das Schloss, 3) der Ladestock, 4) der Schaft, 5) der Beschlag, 6) das Bajonett. Man sehe alle diese Artikel. Beim Gebrauch der Flinte kommen noch vor: der Kugelzieher, der Krätzer, der Schraubendreher, der Federhaken, der Flintenstein.

Ehe das Gewehr dem Mann, welcher es führen soll, in die Hände gegeben wird, muss man es genau untersuchen, und sich von seiner guten Beschaffenheit überzeugt haben. Zur Prüfung des Laufes untersucht man

  1. das Kaliber, wozu man sich eines sauber und richtig gearbeiteten Kegels bedient, der nicht nur angibt, ob das Kaliber richtig, sondern auch um wieviel dasselbe zu groß oder zu klein ist. Dieser Kegel ist nämlich mit mehreren Ringen eingeschnitten, welche gleich weit von einander abstehen, und zwar so, dass er oberste Ring das stärkste Kaliber einer Flinte bezeichnet, der folgende kleinere Ring aber um 2/100 Zoll im Kaliber kleiner ist.
  2. Die Länge des Laufes wird mit dem Probelauf verglichen, und muss mit diesem durchaus gleich sein.
  3. Das Gewicht des Laufes wird ebenfalls verglichen. Bei aufmerksamer und fleißiger Bearbeitung des Laufes könnte zwar dennoch, nach der mehreren oder wenigeren Solidität des Eisens, der Lauf um einige Lot leichter oder schwerer sein, aber die Differenz wird dann nie bis zu einem halben Pfund steigen.
  4. Die Eisenstärke des Laufes, muss allenthalben gleich sein; ist dies nicht der Fall, welches durch die schiefe Bohrung, oder durch ein nachlässiges Verfahren beim Abschleifen herrührt, so ist der Lauf zu verwerfen.
  5. Die Güte und Beschaffenheit des Eisens. Das weiche Eisen ist, so wie das harte, nicht ohne Mänge; um sich von der Güte desselben zu überzeugen, lässt man einige Läufe so stark laden, bis sie der Gewalt des Pulvers nicht mehr widerstehen. Springen sie in mehrere Stücke, so ist das Eisen spröde und schlecht; erhalten sie aber bloß Borsten und Risse, so ist das Eisen zäh und gut.
  6. Die Schwanzschraube wird aus dem Lauf genommen und genau mit der des Probelaufs verglichen. Sie muss eine gleiche Anzahl Gänge haben, und diese müssen nach ihrer Breite und Höhe vorschriftsmäßig eingeschnitten und ganz unschadhaft sein. Die Nase, durch welche die Schwanzschraube geht, muss ebenfalls vorschriftsmäßige Stärke, Breite, Höhe und Länge haben, und der Winkel, welchen sie mit dem Lauf bildet, muss der vorschriftsmäßigen Proportion entsprechen.
  7. Die Seele des Laufs. Sie darf keine Bohrringe haben, welche durch harte Eisenkörner entstehen, die während des Bohrens ausspringen, oder dadurch, dass der Lauf dabei nicht gehörig abgekühlt worden ist. Sind sie tief, so schwächen sie den Lauf, und verursachen einen heftigen Rückstoß, dies letztere auch, wenn sie nicht so tief wären; das Entfernen der Bohrringe durch Auskolben, schwächt den Lauf, und vergrößert das Kaliber. Es müssen ferner weder Gruben, noch Risse und Schiefer in der Seele sein, wodurch der Lauf sogleich verwerflich wird. Die Gruben erzeugen einen starken Rückstoß, einen unsicheren Schuss, und bei beträchtlicher Tiefe sogar die Sprengung des Laufs; man entdeckt sie, wenn man durch das Rohr gegen das Licht sieht. Die Risse und Schiefer verursachen gleiche Nachteile; die ersteren entdeckt man, indem man den Lauf an einen Faden aufhängt, und nun nach seinem Klang prüft, der allenthalben gleich tönen muss. Die letzteren wird man gewahr, wenn man nach einigen Probeschüssen einen Korkpfropfen in den Lauf sanft auf- und abschiebt. – Ferner muss die Bohrung untersucht werden, ob sie allenthalben gleich ist, welches man durch einen genau in den Lauf passenden Zylinder erfährt. Um etwaige Krümmungen des Laufs zu entdecken, spannt man eine feine Darmseite durch den Lauf, uns sieht, ob diese überall an den Wänden des Laufs anliegt; einer vorhandenen Krümmung kann der Büchsenmacher durch Richten abhelfen.
  8. Das Zündlich muss die vorschriftsmäßigen Dimensionen und Gestalt haben, worauf besonders bei den trichterförmigen Zündlöchern der preußischen Gewehre zu achten ist, weil sie sich sonst nicht gehörig ausschütten würden.
  9. Der Bajonett-Haft muss besonders stark und fest sein; auch muss man innerhalb des Laufs die Stelle, wo der Haft aufgesetzt ist, genau ins Auge fassen, weil dort öfters Erhöhungen in die Seele getrieben sind, welche die Arbeiter nachher durch das Kolben abreiben, und so den Lauf verderben.
  10. Das Korn muss mit Schlaglot, nicht mit Zinn aufgelöte sein, weil es sonst abschmilzt, sobald der Lauf heiß wird.

Das Schloss der Flinte muss ebenfalls genau geprüft werden, und dies kann für den, welcher sich mit der Proportion der einzelnen Teile desselben bekannt gemacht hat, nicht schwierig sein; vorzüglich ist dabei zu bemerken, die Stellung des Hahns und Deckels, und das Verhältnis ihrer Federn gegeneinander, so wie die Güte aller übrigen Federn des Schlosses, die Beschaffenheit der Nuss, der Rasten usw. Im Ganzen müssen alle Teile des Schlosses so gearbeitet sein, dass sie keine Reibung verursachen; alles, bis auf die kleinsten Schrauben, muss gut gehärtet sein, besonders aber gilt dies von der Batterie. Man erprobt diese mit einer Feile, indem gehärtetes Eisen keinen Feilstrich geben darf.

Das Bajonett muss bei gehöriger Länge, federhart und gut ausgeschliffen, sowie allenthalben gut angeschweißt sein; einige starke Stöße gegen ein Holz, werden sogleich ein fehlerhaftes Bajonett entdecken.

Der Ladestock muss ebenfalls federhart, ohne Schiefer und Splitter, und von den vorschriftsmäßigen Dimensionen sein; nur der Knopf desselben ist von Eisen, das übrige von Stahl.

Beim Schaft ist darauf zu achten, das er von festem, gutem und trockenem Holz gemacht ist; und weder aus mehreren Stücken besteht, noch sonst in etwaigen Rissen des Holzes zusammengeleimt ist. Auch seine Form muss der gegebenen Proportion entsprechen; der Kolben muss nicht nach der Brust geschäftet sein, und der Lauf, das Schloss und der Ladestock gehörig darin passen. Die Beschläge, oder die Garnitur, wird eben so genau untersucht, wie alles Vorhergehende, und es ist leicht, hierbei alle etwaigen Mängel aufzufinden.

Zuletzt endlich erfolgt die Prüfung des Gewehrs durch den Schuss, wobei alle etwaigen, bisher übersehenen Fehler zum Vorschein kommen werden.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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