Langensalza

Langensalza

Langensalza, zweitgrößte Stadt im Unstrut-Hainich-Kreis, an der Salza, unweit der Unstrut, 207 m ü. M., früher Kreisstadt im ehem. preußischen Regierungsbezirk Erfurt, hatte 3 evangelische und eine katholische Kirche, ein Schloss und (1900) mit der Garnison (ein Detachement Jäger zu Pferde, ab 1905 Jäger-Regiment zu Pferde Nr. 2) 11.926 Einwohner (davon 341 Katholiken), die bedeutende Kammgarnspinnerei, Tuchfabrikation und Baumwollweberei betrieben. Außerdem befanden sich dort eine Eisengießerei, Fabriken für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, Zigarren, Spritzen, Leder und Malz, Bierbrauerei, Druckerei, Färberei, ein Elektrizitätswerk, Ziegelbrennerei und Steinbrüche, Getreidehandel und zwei bekannte Schulbuchhandlungen. Langensalza hatte ein Realprogymnasium, Waisenhaus, Rettungshaus, Amtsgericht und ein Hauptsteueramt. In der Nähe liegt ein Schwefelbad mit Kurhaus und hübschen Anlagen, in denen sich mehrere Denkmäler der Gefallenen von 1866 befinden.

Langensalza erhielt 1211 Stadtrechte und gehörte bis 1344 den Herren von Salza. Bei der Teilung Sachsens (1485) fiel es der Albertinischen Linie zu und kam 1815 an Preußen. Nördlich von Langensalza die spärlichen Überreste des 1541 aufgehobenen Benediktinerklosters Homburg (Hohenburg), bei dem Kaiser Heinrich IV. 9. Juni 1075 gegen die Sachsen eine Schlacht gewann, die auch nach dem Dorf Nägelstedt benannt wird. Bei Langensalza 15. Febr. 1761 Sieg der Preußen und Engländer unter Sydow und Spörcken über die Reichsarmee unter Choiseul; am 17. April 1813 siegreiches Gefecht der Preußen gegen Bayern unter General von Rechberg. Der preußische Major Hellwig wurde durch seine vorgeschickten Patrouillen benachrichtigt, dass die Stadt Langensalza, mit 1700 Mann bayerischem Fußvolk, 300 Pferden und 6 Kanonen besetzt sei; er fasste sogleich den Entschluss, mit seiner, obwohl sehr schwachen Abteilung, sogleich dahin aufzubrechen, und nach einem angestrengten Marsch von 18 Stunden den Feind dort unvermutet anzugreifen. Es war am 17. April des Morgens um 2 Uhr, als der Major Hellwig mit seinem Detachement bei der Stadt Langensalza ankam; obwohl er die Besatzung, weil sie schon um 4 Uhr abmarschieren sollte, munter und in Bewegung fand, so entschloss er sich dennoch, sie anzugreifen, und er nötigte sie, die Stadt sofort zu verlassen, nahm ihr dabei 5 Kanonen, einige Munitionswagen und mehrere Gefangene ab; der Feind formierte sich außerhalb der Stadt in Vierecken, und zog sich fechtend zurück, der Major Hellwig verfolgte ihn noch eine Stunde weit, um die eroberten Kanonen in Sicherheit zu bringen.

Bemerkenswert ist besonders das Gefecht von Langensalza 27. Juni 1866, in dem die 16.200 Mann starke hannoversche Armee unter General v. Arentsschildt, die sich mit den Bayern vereinigen wollte, ihre Stellung bei Merxleben gegen die preußische Division v. Flies (8200 Mann) siegreich behauptete. Die Preußen verloren 41 Offiziere und 772 Mann nebst mehreren hundert Gefangenen, die Hannoveraner 102 Offiziere und 1327 Mann. Doch wurden die Hannoveraner inzwischen von den Divisionen Goeben und Beyer und dem Korps Manteuffel umstellt und mussten 29. Juni die Kapitulation von Langensalza abschließen, wonach sie die Waffen streckten. König Georg, der mit dem Kronprinzen der Schlacht beigewohnt hatte, rühmte sich auch nach der Kapitulation des Sieges und stiftete eine Langensalza-Medaille.

Bibliographie

  • »Offizieller Bericht über die Kriegsereignisse zwischen Hannover und Preußen im Jahre 1866 und Relation der Schlacht bei Langensalza 27. Juni 1866« (Wien 1867, 2 Tle.)
  • Diebitsch, v.: Die königlich hannoversche Armee auf ihrem letzten Waffengange im Juni 1866 (Bremen 1897)
  • Göschel: Chronik der Stadt Langensalza (Langens. 1818–42, 3 Bde.)
  • Gutbier: Schwefelbad Langensalza (2. Aufl., Langens. 1900)
  • Gutbier: Der Kampf bei Langensalza, ein Gedenkbuch (2. Aufl., Langens. 1896)
  • Lettow-Vorbeck, v.: Geschichte des Krieges von 1866 in Deutschland, Bd. 3 (Berl. 1901)
  • Marschall: Historisch-statistisch-topographische Beschreibung des Kreises Langensalza (Langens. 1863)
  • Schütz, G. und H.: Chronik der Stadt Langensalza (Langens. 1901)
  • Sichart, v.: Der Feldzug Preußens gegen Hannover im Jahre 1866 (Hann. 1901, Sonderdruck aus der »Geschichte der königl. hannoverschen Armee«)
  • Wengen, v. d.: Geschichte der Kriegsereignisse zwischen Preußen und Hannover 1866 (Gotha 1886)
  • Wengen, v. d.: General Vogel v. Falckenstein und der hannöversche Feldzug (Gotha 1887)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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