Musketier mit geschultertem Gewehr, marschierend, 1700–1760

Testbericht der Zinngießform für 40 mm Zinnsoldaten von Prince August

Irische Füsiliere vom Infanterie-Regiment de Bulkeley der französischen Armee, 40 mm Zinngießform Prince August 17

Der 40 mm große, halbplastische Musketier mit geschultertem Gewehr von Prince August ist ein Klassiker des schwedischen Modelleurs Holger Eriksson. Die abgebildeten Zinnsoldaten vom französischen Fremdenregiment de Bulkeley (Nr. 92) wurden mit Künstler-Acrylfarbe bemalt und für das Spielsystem Charge! einzeln montiert.

Zinngießform

Zinngießform Musketier, 40 mm Prince August 17

Bewertung

Die Prince August Zinngießform aus vulkanisiertem Kautschuk ließ sich mit bleifreiem Gießmetall Sn95Bi5 (95% Zinn, 5% Bismut) immer wieder fehlerfrei befüllen. Es gibt eine ältere, kleinere Version der selben Gießform, bei der der Soldat anders positioniert ist. Das Gießen dieser Vorgängerversion funktioniert am besten direkt aus dem Schmelztiegel (Gießlöffel, Gießkelle), da die Gießform über drei Speiser verfügt, von denen einer am oberen Rand des Eingusses liegt. Zügiges Eingießen mit der Gießkelle sorgt dafür, dass alle drei Speiser gleichzeitig mit flüssigem Zinn befüllt werden. Beim Eingießen aus einem Schmelzofen (Laufenlassen) hingegen, füllt sich die Form deutlich langsamer. Das Gussstück ist dann in Teilen schon erstarrt, bevor sich der Einguss füllt und das Metall auch den oberen Speiser erreicht und nachsackt. Fehlgüsse sind die Folge. Die neue Zinngießform Nr. 17 funktioniert in dieser Hinsicht besser.

Exzellente Themenwahl, der marschierende Musketier könnte einer der Soldaten im Gemälde »Eilmarsch nach Küstrin« von Carl Röchling sein. Entsprechend beliebt ist diese Zinngießform bei Sammlern und Wargamern, die ganze Regimenter mit Gussstücken dieses Typs aufstellen möchten. Mit dem Gewehr auf der Schulter eignet sich der Zinnsoldat streng genommen nur für den Anmarsch oder Abmarsch; im Gefecht selbst wurde das Gewehr an der Schulter getragen. Wargamer der Alten Schule hingegen bevorzugen genau diesen Typ des standhaften Zinnsoldaten, der durch The War Game populär wurde.

Der Infanterist trägt einen knapp geschnittenen Uniformrock mit langen, umgeschlagenen Schößen, und schwedischen Aufschlägen, wie sie in vielen europäischen Armeen üblich waren. Das lange Kamisol und die Trageweise des Degengehänges über dem Rock kamen nach dem Österreichischen Erbfolgekrieg zwar aus der Mode, französische Soldaten marschierten damit aber noch in den Siebenjährigen Krieg.

Halbplastische Zinnsoldaten sind Spielfiguren, keine originalgetreuen Reproduktionen historischer Soldaten eines bestimmten Regiments. Knöpfe, Taschenpatten, Rabatten, und viele andere unverwechselbare Details einer historischen Uniform werden erst beim Bemalen der Figur angelegt. Wer sich mit dieser Vorgehensweise anfreundet, kann den marschierenden Musketier von Prince August für fast jede Armee des 18. Jahrhunderts verwenden. Der schmucklose Zweispitz des schwedischen Soldaten lässt sich mit Pompon und/oder Bandkokarde aus »Milliput«, »Green Stuff«, oder »Pattex Repair Express Powerknete« schnell und einfach aufwerten.

Das große, viereckige Fußbrettchen des Zinnsoldaten kann mit Monierzange und Feile in weniger als drei Minuten in ein schlankes, langgezogenes Sechseck umgearbeiten werden. Der 40 mm große Musketier verliert dadurch etwa 15% Gewicht und wiegt anschließend nur noch 12 Gramm. Aus den abgetrennten Zinnresten von sechs Soldaten entsteht ein ganz neuer Musketier. Bei einem Infanterie-Regiment des Spielsystems Charge! mit 59 Figuren spart diese Operation immerhin Zinn für neun Soldaten. Zur besseren Standsicherheit erhält der Musketier ein 15 × 32 mm großes Fußbrettchen aus 0,4 mm Eisenblech, das mit feinem Kies eingestreut und erdfarben bemalt werden kann. Mit seinem neuen, ferromagnetischen Fußbrettchen steht der Zinnsoldat nun sicher in Dioramen und auf Kompanie- oder Battalionssockeln verschiedener Spielsysteme, die zuvor mit Magnetfolie oder einzelnen Neodym-Magneten bestückt wurden.

Zinngießformen aus vulkanisiertem Kautschuk sollen für 1.000 Abgüsse und mehr ausgelegt sein. Tatsächlich finden sich im Internet regelmäßig gebrauchte Prince August Gießformen dieses Typs, die auch nach langem Einsatz noch gute Ergebnisse liefern. Mit 14 Gramm Gewicht fällt der marschierende Zinnsoldat von Prince August deutlich leichter und billiger aus als sein etwa 20 Gramm schwerer Kamerad von Nürnberger Meisterzinn.

Historische Verwendung

Soldat der französischen Volontaires du Dauphiné, 40 mm Zinnsoldat Prince August 17

Die Abbildung zeigt einen Freiwilligen der französischen Volontaires du Dauphiné in seiner schicken königsblauen (bleu de roi) Uniform mit hellockerfarbenen (ventre-de-biche) Abzeichen. Der Volontair wurde mit Dupli-Color Deco Matt Acryl »Saphirblau« grundiert, mit Künstler-Acrylfarbe bemalt, und mit Lascaux »Transparentlack 1 glanz« Firnis konserviert.

Mögliche Umbauten

Füsiliere und Grenadier vom französischen 58. Infanterie-Regiment de Vastan, 40 mm Zinndoldat Prince August 17

Die Abbildung zeigt Füsiliere und einen umgebauten Grenadier vom französischen Infanterie-Regiment de Vastan (Nr. 58). Der Grenadier hat einen neuen Kopf mit der Bärenfellmütze des Grenadiers aus der Prince August Gießform Nr. 18 erhalten. Diese französischen Soldaten wurden mit Künstler-Ölfarbe bemalt, und für das Spielsystem Charge! einzeln auf 15 × 32 mm große Fußbrettchen montiert.

Prince August bietet Sammlern und Wargamern mit dieser Zinngießform einen sehr guten Einstieg in die Epoche des 18. Jahrhunderts. Zum Aufstellen einer Kompanie werden allerdings vier weitere Gießformen benötigt: ein Offizier, Feldwebel, Fahnenträger und Tambour.

Fragen und Antworten

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Figuren des Siebenjährigen Krieges