Württembergische reitende Artillerie der Napoleonischen Kriege, 1810–1813

Testbericht der 1:72 Figuren von HäT Industrie

Württembergische reitende Artillerie der Napoleonischen Kriege, 1810–1813, 1:72 Figuren HäT Industrie 8232

Die abgebildeten Kanoniere der württembergischen reitenden Artillerie sind einzeln auf 12,5 × 15 mm große Fußbrettchen des Spielsystems Charge montiert und entsprechend ihrer Funktion am Geschütz aufgestellt. Im Felde tragen diese Kanoniere graue, seitlich geknöpfte und innen mit Leder verstärkte Hosen, mit aufgemalten, falschen Stiefeln. Der Kanonier mit dem Eimer, rechts im Bild, hat einen rechten Arm der französischen Artillerie von 1805 erhalten.

Inhalt

16 Artilleristen in 4 Posen – 24,5 mm Körpergröße entsprechen 176 cm

  • Artillerist ohne rechten Arm, stehend (4)
  • Artillerist ohne rechten Arm, gehend (4)
    • rechter Arm für Kanonier Nr. 1, mit Wischer (4)
    • rechter Arm für Kanonier Nr. 6, mit ledernem Fingerschutz (4)
    • rechter Arm für Kanoniere Nr. 3 und Nr. 7, mit Richtbaum (4)
  • Ladekanoniere (Nr. 2) mit Büchsenkartätsche (4)
  • Kanonier (Nr. 3) mit Luntenstock (4)

Vier 6-pfündige Kanonen M.1809 der reitenden Artillerie

  • linke Lafettenwand (4)
  • rechte Lafettenwand (4)
  • Achse und Richtsohle (4)
  • Räder (8)
  • Stirnriegel (4)
  • Mittelriegel (4)
  • Schwanzriegel mit Protzring (4)
  • Kanonenrohr mit Henkeln (4)
  • Lafettenkasten mit gepolstertem Sitz (4)

Bewertung

Gute Themenwahl, die württembergische Artillerie zu Pferd fehlte bisher in diesem Maßstab. Die Kanoniere tragen den württembergischen Raupenhelm für Mannschaften (1804-1813) mit dem 1810 eingeführten, großen Vorderschild.

Gute Posen: mit den vorliegenden Kanonieren lässt sich der Moment unmittelbar vor dem Abfeuern des Geschützes darstellen: Nr. 3 tritt dabei mit der brennenden Lunte von rechts an das Geschütz heran, während die übrigen Kanoniere an ihren Positionen neben dem Geschütz Grundstellung einnehmen. Der Kanonier Nr. 1 wäre mit einem kombinierten Wischer und Ansetzer besser ausgerüstet. Dieses Geschützzubehör lässt sich aus Federstahldraht und Modelliermasse ziemlich einfach selbst herstellen. Dem Ladekanonier (Nr. 2) fehlt der Kartuschtornister. Nr. 6 müsste das Zündloch mit dem linken Daumen verschließen, und dorthin gehört der lederne Däumling, während er mit einem Pelzlappen in der rechten Hand den um das Zündloch befindlichen Pulverschleim abwischt. Außerdem fehlen der Richtkanonier (Pointeur, Nr. 4) und ein Unteroffizier als Geschützführer. Beide Artilleristen stehen im Augenblick der Schussabgabe neben dem Geschütz, der Geschützführer auf der dem Wind zugewandten Seite, um den Aufschlag zu beobachten. Wargamer und Dioramenbauer werden zudem das Fehlen eines Batteriechefs und seiner Offiziere bedauern; der Selbstbau gestaltet sich schwierig, da sich der Raupenhelm für Offiziere durch seine dickere Helmraupe auffallend vom Modell für Mannschaften unterscheidet.

Die württembergischen Artilleristen sind so groß und stämmig wie 25 mm Zinnfiguren; auch Knöpfe, Litzen, und Bandeliere fallen übertrieben voluminös aus, wodurch diese Soldaten mit anderen Figuren im Maßstab 1:72 inkompatibel werden. Möglicherweise steht die Abkehr vom Maßstab 1:72 im Zusammenhang mit dem neuen, weicheren Kunststoff, der für diese und andere Figuren von HäT Industrie verwendet wurde. Das Material verformt sich leicht, weicht dem Druck der Skalpellklinge aus und lässt sich deshalb nur mit Mühe von Angüssen und Gussnähten befreien. Degenklingen, Bajonette und andere Kleinteile brechen leicht ab, wenn die Materialstärke zu gering ist. Dieser weiche Kunststoff soll Farbe und Klebstoff besser annehmen, doch der Preis dafür scheint scale-creep und Inkompatibilität zu sein.

Die Henkel am Kanonenrohr sind massiv, sie sollten durch solche aus Messingdraht ersetzt werden. Der Anguss in der Rohrmündung lässt sich mit dem Skalpell kaum entfernen, da der weiche Kunststoff dem Druck der Klinge ausweicht. Hier hilft der Einsatz des Wachsspachtelgerätes von rai-ro. Die stark übertriebene Materialstärke der Lafettenbeschläge könnte durch Abschleifen etwas reduziert werden. Die Reparatur würde leichter fallen, wenn HäT die Beschläge nur angedeutet oder ganz weggelassen hätte, denn fehlende Beschläge lassen sich mit schmalen Papierstreifen schnell und einfach hinzufügen. Die fehlenden Pfannendeckel über den Schildzapfenlagern können aus schmalen Papierstreifen hergestellt werden.

Die Vorderseite der Verpackung zeigt einen Artilleristen in blauem Rock und grauen Beinkleidern, obwohl die württembergische Artillerie von Mitte der 1750er Jahre bis 1817 lichtblaue (d.h. hellblaue) Röcke und Hosen trug. Viele Beta-Tester und Kunden von HäT übernehmen diesen Irrtum bereitwillig, weshalb auf der Homepage von HäT Industrie nun überwiegend mittel- und dunkelblaue württembergische Artilleristen ausgestellt sind, die den Trend zur fehlerhaften Bemalung verstärken. Liliane und Fred Funcken vermitteln in ihrem Buch »Historische Uniformen« einen besseren Eindruck vom Lichtblau der württembergischen Artillerieuniformen, und stellen diese Farbe dem Königsblau der württembergischen Kavallerie und Infanterie gegenüber.

Das auf der Verpackung dargestellte Geschütz ist hinter einem Pferd so klever versteckt, dass keine Aussage über die Farbe der Lafette getroffen wird. Diese Ratlosigkeit manifestiert sich auf der WebSite von HäT Industrie in einer wirren Ausstellung von württembergischen Artilleristen mit schwarzen, grauen, blauen, olivgrünen, gelben, beigen, roten, und dunkelbraunen Geschützen. In der Fachliteratur heißt es, das Holz der württembergischen Geschütze und Wagen sei zum Schutz vor der Witterung gebeizt oder lasiert, nicht aber farbig lackiert gewesen. Geschütze in der Farbe des verwendeten Holzes wären demnach historisch richtig. Beschläge waren gelb lackiert, s. Artillerie des 18. Jahrhunderts und Artillerie der Napoleonischen Kriege.

Protze, Zugpferde und Trainsoldaten sind nicht enthalten. Wer die württembergische Artillerie komplett darstellen möchte, wird Zinnmodelle verschiedener Kleinserienhersteller verwenden oder die dafür erforderlichen Teile selbst herstellen müssen. Im Preis-/Leistungsverhältnis reicht die Württembergische Artillerie von HäT Industrie nicht an die exzellente Österreichische Artillerie von Revell heran.

Historische Verwendung

  • Württembergische reitende Artillerie 1810-1813

Interessante Umbauten

  • Württembergische reitende Artillerie 1804-1810
    Bei diesem Umbau wird das große Vorderschild am Raupenhelm durch ein kleines ovales Schild ersetzt.

Bibliographie

Die Figuren der württembergischen reitenden Artillerie sind mit anderen Figuren im Maßstab 1:72 inkompatibel. Wer historische Gefechte mit Miniaturen im Maßstab 1:72 simuliert, wird den auffälligen Größenunterschied entweder hinnehmen oder besser geeignete Umbauten herstellen. Geschütze, Raupenhelme, und separate Arme dieser Figuren liefern die zum Umbau erforderlichen Einzelteile.

HäT Figuren

Fragen und Antworten

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Figuren der Württembergischen Armee der Napoleonischen Kriege