General der Infanterie Heinrich Wilhelm v. Wutginau

Landgrafschaft Hessen-Kassel, 1696–1776

Heinrich Wilhelm v. Wutginau (Wutgenau), landgräflich hessen-kasselscher General der Infanterie, 1696 geboren und 1718 in den Dienst getreten, am 16. Mai 1747 zum Generalmajor, 1756 zum Generallieutenant befördert, führte im Frühjahr 1757 die zum Zwecke der Teilnahme am Siebenjährigen Kriege zur Armee des Herzogs von Cumberland stoßenden hessischen Truppen (12 Bataillone und 12 Eskadronen) in das Feld, mit denen er im Mai bei Hameln eintraf und am 26. Juli in der verlorenen Schlacht von Hastenbeck focht. Als darauf im November Herzog Ferdinand von Braunschweig das Kommando des verbündeten Heeres übernahm, wurde Wutginau, während Herzog Karl von Braunschweig für seine Truppen Schwierigkeiten machte, durch einen Befehl des Landgrafen angewiesen, sich jenem zu unterstellen. In der ersten Ordre de Bataille, welche der Herzog ausgab, war ihm die Führung des linken Flügels vom ersten Treffen anvertraut; beim Aufbruch des Heeres nach dem Rhein im Februar 1758 befehligte er die zweite Linie, zu welcher seine 11.490 Hessen gehörten; auf dem Vormarsch war er dem General der Infanterie v. Zastrow beigegeben, welcher eine der Kolonnen führte; den Übergang über den Rhein bewerkstelligte Wutginau mit einem abgesonderten Corps am 5. Juni bei Rees. In der Schlacht bei Krefeld am 23. des Monats befehligte er unter Generallieutenant v. Spörcken auf dem linken Flügel, dessen Leistungen den Erwartungen des Herzogs nicht vollständig entsprachen. Beim Rückzug über den Rhein führte er eine der Kolonnen, in denen der Übergang vollzogen wurde.

Im Jahre 1759 focht er am 13. April in der Schlacht bei Bergen mit der rechten Kolonne des Prinzen von Holstein; dann wurde er entsandt, um mit 8000 Mann bei Büren, 3 Meilen südwestlich von Paderborn, ein festes Lager zu beziehen, von wo ihn die Franzosen bald vertrieben, worauf er zum Hauptheer herangezogen wurde. An dem Sieg von Minden, 1. August, wo er eine der achte Kolonnen befehligte, in welche die Armee gegliedert war, hatte er seinen redlichen Anteil. Der in der Nacht zum 1. Februar 1760 erfolgte Tod des Landgrafen Wilhelm’s VIII. und der Regierungsantritt von dessen Nachfolger Landgraf Friedrich II. hatten eine bedeutende Vermehrung der hessischen Truppen zur Folge, sodass die Stärke der Wutginau unterstellten Regimenter mit 23.236 Mann beziffert wird. Der größere Teil derselben stand aber zur Anfang der Feindseligkeiten unter General v. Spörcken in Westfalen, während Wutginau selbst, inzwischen Chef des Infanterie-Regiments von Wutginau (Nr. 5), sich bei der Hauptarmee des Herzogs befand und nicht hervortrat; er gehörte nicht zu den Offizieren, welchen die Ausführung besonders schwieriger und selbständiger Aufträge anvertraut wurde.

Das Jahr 1761 brachte Wutginau indessen Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Es war in der Schlacht von Vellinghausen am 16. Juli. Der Herzog berichtete an König Georg III. von England, dass Wutginau »durch ausnehmende Bravour viel zum Siege contribuirt habe« und bewilligte ihm ein Geldgeschenk im Betrag von 4000 Talern aus der Kontributionskasse. Am 28. Februar 1762 gab Wutginau das Kommando der hessischen Truppen an den Generallieutenant Prinz von Anhalt ab und verließ den Kriegsschauplatz; General v. Spörcken berichtete damals dem König, dass die Armee an ihm »einen rechtschaffenden, braven Mann verloren habe, der insbesondere die gute Harmonie unter den hannoverschen und hessischen Truppen zu erhalten sich jederzeit mit vielem rühmlichen Eifer habe angelegen sein lassen«. Im Jahr 1763 wurde Wutginau Gouverneur von Schloss und Festung Rheinfels bei Sankt Goar, wo unter ihm der Baudirektor Major Splittgerber die zerstörten Werke herstellte und mancherlei Neubauten ausführte; am 24. Oktober 1772 wurde er zum General der Infanterie befördert und am 10. Oktober 1776 ist er dort, neunundsiebenzigjährig, gestorben. Sein Grab befindet sich in der Stiftskirche von St. Goar.

Bibliographie

  • Grebel, R.: Das Schloß und die Festung Rheinfels (St. Goar 1844)
  • Poten, Bernhard von: Allgemeine deutsche Biographie, Bd. 44 (Leipzig 1888)
  • Renouard, C.: Geschichte des Krieges in Hannover, Hessen und Westfalen 1757 bis 1763, 3 Bände (Kassel 1863-64)

Quelle: Bernhard von Poten

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