Österreichische und Ungarische Infanterie der Napoleonischen Kriege, 1798–1809

Testbericht der 1:72 Figuren von Italeri

Österreichische und Ungarische Infanterie der Napoleonischen Kriege, 1798–1809, 1:72 Figuren Italeri 6005

Ungarisches Grenadier-Bataillon Scharlach, 1809, bestehend aus jeweils zwei Kompanien der ungarischen Infanterie-Regimenter Nr. 31 (Fähnrich; gelbe Aufschläge), Nr. 32 (Grenadier; aschgraue Aufschläge) und Nr. 51 (Offizier; hellblaue Aufschläge). Der Fahnenträger wurde aus einem stürmenden Grenadier angefertigt, dessen rechtes Bein gerade gebogen und kurz hinter dem linken Bein mit der Grundplatte verlötet wurde. Nach diesem Eingriff wirkt die Figur wesentlich harmonischer im Verband mit den marschierenden Grenadieren. Außerdem richtete sich der Oberkörper etwas auf, wodurch die Fahnenspitze deutlich angehoben wird.

Das Gewehr läßt sich ganz einfach mit dem Skalpell entfernen, die Fahnenstange aus 0,6 mm Stahldraht kann anschließend durch beide Hände gesteckt werden, sie findet dort sicheren Halt. Die Fahne aus handbemaltem Schreibmaschinenpapier misst 18,3 mm an der Stange und 24,4 mm in der Länge. Im Bild zu sehen ist der Doppeladler auf der Rückseite der Leibfahne. Die Vorderseite der Leibfahne zeigt die Madonna mit Kind. Die Ordinärfahnen der österreichisch-ungarischen Infanterie trugen auf beiden Seiten den Doppeladler auf gelbem Grund.

Inhalt

48 Figuren in 14 Posen – 23 mm entsprechen 166 cm Körpergröße

  • Offizier zu Pferd
  • Offizier der ungarischen Grenadiere
  • Trommler der Füsiliere
  • Österreichischer Füsilier, marschierend (6)
  • Österreichischer Füsilier, stürmend (6)
  • Österreichischer Füsilier, stehend schießend (6)
  • Österreichischer Füsilier, kniend schießend (6)
  • Österreichischer Füsilier, stehend (2)
  • Österreichischer Füsilier, stehend, ladend (2)
  • Österreichischer Füsilier, kniend, ladend (2)
  • Ungarischer Grenadier, marschierend (6)
  • Ungarischer Grenadier, stürmend (3)
  • Ungarischer Grenadier, stehend schießend (3)
  • Ungarischer Grenadier, kniend (3)

Beliebter Raupenhelm

Der 1798 eingeführte Raupenhelm war bei den Füsilieren der österreichischen und ungarischen Infanterie sehr beliebt, wenn auch nicht sehr zweckmäßig. Einige Infanterie-Regimenter trugen den Helm noch im Feldzug von 1809, obwohl er offiziell bereits 1808 durch den Tschako ersetzt worden war. Die Figuren stellen Füsiliere der deutschen Infanterie-Regimenter und Grenadiere der ungarischen Infanterie dar, lassen sich aber mit wenig Aufwand verändern und für die jeweils andere Nationalität einsetzen.

Bewertung

Große Detailfülle. Aufschläge, Bandeliere, Waffen, Helme und Ausrüstung sind deutlich zu erkennen und einfach zu bemalen.

Markante Gesichter. Die Charakterköpfe mit dem typischen Raupenhelm sind zum Umbau von österreichischen Dragonern und Kürassieren gut geeignet.

Brauchbare, historische Posen. Die Figuren können in vorgehenden und feuernden Einheiten formiert werden. Auf wilde Bajonettfechter und ungewöhnlich spektakuläre Figuren wurde verzichtet. Der stürmende Füsilier ist die bisher beste Figur dieser Art, motorisch richtig dargestellt. Die marschierenden Figuren sehen in großen Formationen hervorragend aus.

Hohe Gussqualität, kaum Gussnähte.

Auffällige Gussfehler am marschierenden Füsilier, die mit dem Skapell nachbearbeitet und beim Bemalen kaschiert werden können.

Fahnenträger fehlt, zwei der Figuren sind jedoch zum Umbau geeignet.

Die Füsiliere tragen noch den Zopf, der bereits 1804 abgelegt wurde.

Den marschierenden Grenadieren fehlt die Patronentasche.

Der stürmende Grenadier ist ein Passgänger, er nimmt zum linken Bein die linke Schulter und den linken Arm vor. Die Pose kann korrigiert werden, indem man das rechte Bein gerade biegt und es direkt hinter dem linken Bein auf die Grundplatte lötet. Im Gehen ist der Passgang weniger auffällig.

Der stehende, schießende Grenadier zielt in den Himmel. Diese Haltung kann etwas korrigiert werden, indem man die Grundplatte vorne abhobelt und das Gewehr dadurch in die Horizontale bringt.

Die Trommel wirkt etwas zu klein.

Fehlerhafte Bemalungsvorschläge auf der Rückseite der Verpackung. Der deutsche Füsilier wird mit den spitzen Aufschlägen der ungarischen Truppen dargestellt, richtig sind runde Aufschläge. Außerdem trägt der Füsilier einen Säbel, der jedoch den Grenadieren vorbehalten war. Der Grenadier trägt ungarische Aufschläge und dazu die weißen Hosen der deutschen Truppen, richtig sind hellblaue Hosen mit Schoitasch.

Regelmäßiger Kritikpunkt an den Plastikfiguren aller Hersteller ist, dass die bisher angebotenen Figurenpackungen der Linieninfanterie und vieler Kavallerieeinheiten historisch falsch zusammenstellt sind. Abgesehen von der österreichisch-ungarischen Armee und den Truppen einiger Kleinstaaten, sollten Füsiliere, Grenadiere und leichte Infanteristen der Linie grundsätzlich im Lieferumfang einer napoleonischen Figurenpackung enthalten sein, eine historische Notwendigkeit, die von den Herstellern bisher konsequent ignoriert wird.

Italeri hat den richtigen Weg eingeschlagen und als erster Hersteller Füsiliere und Grenadiere in einer Figurenpackung kombiniert, allerdings in einem Fall, in dem dies nicht nötig gewesen wäre. Die gewählte Zusammenstellung dieser Figuren ist ungewöhnlich, da die Grenadiere und Füsiliere der österreichisch-ungarischen Armee grundsätzlich in separaten Einheiten zusammengefasst wurden. Darin unterscheiden sich die K.u.K. Truppen von den Linieninfanteristen der anderen Nationen im Napoleonischen Krieg. Demnach hätte dieses Thema durchaus in zwei verschiedenen Figurensets behandelt werden können, und dann vielleicht mit mehr Offizieren, Fahnenträgern und Trommlern beider Truppentypen.

Italeri hätte besser daran getan, eine kombinierte Figurenpackung der Füsiliere mit Raupenhelm (1798-1809) und Füsiliere mit Tschako (1808-1815) zu veröffentlichen, die der Sammler und Wargamer in der Übergangszeit von 1808-1809 sogar nebeneinader hätte verwenden können. Nun darf man gespannt sein, ob ein anderer Hersteller die Füsiliere im markanten Tschako herausgeben und damit die ab 1809 bestehende Lücke bei der Infanterie füllen wird. Angesichts der österreichisch-ungarischen Beteiligung an den wichtigen Feldzüge von 1809, 1812 und 1813, sind die Füsiliere im Tschako wesentlich vielseitiger und bei Hobbyisten mindestens so beliebt wie die Füsiliere im Raupenhelm.

Bibliographie

Historische Verwendung

  • Deutsche Füsiliere 1798-1809
  • Erzherzog Karl Legion 1809
  • Ungarische Grenadiere 1798-1815
  • Badische Infanterie & Jäger im Raupenhelm 1806-1813

Interessante Umbauten

  • Ungarische Füsiliere 1798-1809. Bei diesem Umbau werden die runden Aufschläge der Figuren spitzt zugeschnitten. Die hellblauen Hosen erhalten einen aufgemalten ungarischen Plattschnurbesatz (Schoitasch) am Oberschenkel.
  • Deutsche Grenadiere 1798-1815. Die spitzen Aufschläge der Figuren rund zuschneiden und die Schoitasch von der Hose entfernen.
  • Österreichische Jäger im Raupenhelm 1798-1809. Bei diesem Umbau muss das Gewehr der Füsilierfiguren etwas gekürzt werden, damit es einer gezogenen Büchse gleicht.
  • Der vorliegende Raupenhelm wird 1798-1840 ebenfalls von den österreichischen Dragonern und Kürassieren getragen.
  • 1. und 2. nassauisches Infanterie-Regiment, 1809-1814. Die Füsiliere trugen grüne Uniformen österreichischen Stils, mit französischen Tschakos. Offiziere trugen zunächst noch Hüte, sie wechselten dann aber ebenfalls zum Tschako. Die Grenadiere erhielten einen Raupenhelm bayerischer Art, der vorher beim Leibbataillon von Todenwarth getragen worden war. Die 2. Grenadierkompanie des 1. Regiments diente in Spanien jedoch im Tschako. 1810 erhielten die Grenadiere Pelzmützen mit rotem Sack, Stutz und Schnüren. Grenadiere und Voltigeure trugen Fransenepauletten französischen Typs. 1810 traten grüne Hosen mit gelben Schoitasch an die Stelle der hellgrauen Hosen mit schwarzem Plattschnurbesatz.
  • 6. Rheinbundregiment (Waldeck-Reuß), 1807–1813. Die drei Kompanien aus Reuß trugen weiße Uniformen östereichischen Stils, dazu ungarische Hosen mit schwarz-rot-gelben Schoitasch, und französische Tschakos.

Italeri hat eine schöne und vielseitige Figurenpackung vorgelegt, an der Sammler und Wargamer sehr viel Freude haben werden. Die Soldaten sind durchweg in brauchbaren wargaming Posen dargestellt. Wer historische Gefechte im Figurenmaßstab 1:250 simuliert, benötigt ca. 11 Schachteln der österreichisch-ungarischen Infanterie für die Schlacht bei Aspern und Essling, 21.-22. Mai 1809, bzw. 14 Schachteln für die Schlacht bei Wagram, am 5.-6. Juli 1809. Allerdings dient ein großer Teil der Füsiliere zu diesem Zeitpunkt bereits in einer zweckmäßigeren Kopfbedeckung, dem 1808 eingeführten Tschako.

Italeri Figuren

Fragen und Antworten

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Figuren der Österreich-Ungarischen Armee der Napoleonischen Kriege