Rekognoszierungspatrouille

Rekognoszierungspatrouille

Rekognoszierungspatrouille, hat den Zweck, entweder eine Gegend mit ihren Dörfern, Defiléen, Wäldern, Gebüschen usw. zu rekognoszieren, d. h. abzusuchen, damit hierdurch Nachrichten vom Feind eingezogen werden, oder sich die Kenntnis eines Geländes zu militärischen Zwecken zu verschaffen. Über Seitenpatrouillen, Schleichpatrouillen und Blänker, welche ähnliche Zwecke mit diesen Patrouillen haben, siehe diese Artikel. Folgende Regeln sind bei den Rekognoszierungspatrouillen zu beachten:

1) Eine Rekognoszierungspatrouille hat nicht den Zweck, sich zu schlagen, es sei denn, dass sie Befehl hat, Gefangene zu machen, oder dass sie vom Feind dazu gezwungen wird, sich mit ihm einzulassen. Sie marschiert daher immer so weit wie möglich solche Wege, wo sie dem Feind verborgen bleibt. Bei der Kavallerie wählt man die schnellsten Pferde und tüchtigsten Leute aus, weil man nur durch starke Märsche dem überlegenen Feind, der uns verfolgt oder abzuschneiden droht, entgehen kann.

2) Eine solche Patrouille darf nie, ohne den Führer, unter 4 Mann stark sein; in gewöhnlichen Fällen nimmt man dazu 8 bis 12 Mann; außerdem richtet sich ihre Stärke nach den Umständen und nach der Weite des Weges, den sie zurückzulegen hat. Ist diese nur einigermaßen beträchtlich, so darf die Patrouille nicht unter 20 Mann stark sein.

3) Sie marschiert immer mit einer Spitze von 2 Mann, sowohl vor als hinter derselben; in durchschnittenen Gegenden und bei Nacht detachiert sie auch rechts und links Blänker, um die Gegenden zu durchsuchen. Über das Verhalten dieser Mannschaften s. Spitze und Blänker. Man muss, wenige Fälle ausgenommen, die Leute von der Lage, in der man sich befindet, und von den verschiedenen Wegen, auf denen man zu unseren Truppen zurückkommen kann, genau unterrichten, damit ein jeder sich retten kann, wenn die Patrouille vom Feind aus einander gesprengt werden sollte.

4) Wie schon gesagt, vermeidet man alles Zusammentreffen mit dem Feind, und geht durch Gehölze und Gegenden, wo man nicht entdeckt werden kann. In der Nacht muss man das Gesicht durch Gehör ersetzen; man steht daher oft still, um zu horchen, welches am besten geschieht, wenn man sich mit dem Ohr auf die Erde legt. Man vermeidet Brücken und Defiléen zu passieren; wo es unumgänglich nötig ist, lässt man einen Teil der Mannschaft daselbst stehen, um dem Teil, welcher vorgeht, den Rückweg zu sichern. Diese zurückbleibende Mannschaft darf sich nicht darauf beschränken, den ihr angewiesenen Ort bloß zu besetzen, sondern muss auf allen dahinführenden Wegen Posten aussetzen, und kleine Patrouillen ausschicken, um nach Maßgabe der Umstände, entweder durch mündliche Meldung, oder durch Schüsse, desto früher der inzwischen vorgegangenen Mannschaft von der Ankunft des Feindes Nachricht geben zu können. Diese muss entweder das Defilé noch vor dem Eintreffen des Feindes zu erreichen, oder einen anderen Rückweg einzuschlagen suchen. In langen hohlen Wegen marschieren die Leute mit Zwischenräumen hinter einander, damit die letzten nicht abgeschnitten werden können, wenn wirklich der Feind die vordersten aus dem Hinterhalt anfällt. Wenn man an ein anderes Defilé kommt, so lässt man es vorher durch die beiden Mann der Spitze durchsuchen, ehe man es passiert, und erkundigt sich sogleich nach einem anderen Weg, auf dem man ohne dies Defilé zu passieren, zurückkommen kann. Übrigens nimmt eine Patrouille auf dem Rückweg nie den selben Weg, den sie gekommen. Passiert man an Nebenwegen vorbei, welche nach der Seite des Feindes zu führen, ohne eine allzuverschiedene Richtung zu haben, so teilt man seine Mannschaft in so viele Teile, wie Wege da sind, und bestimmt ihnen allen einen Ort, wo sie wieder zusammentreffen sollen. Ist die Gegend mit Hecken durchschnitten, so marschieren die Seitenblänker auf Nebenwegen, welche wieder auf den Hauptweg führen. – In kleinen Gehölzen gehen die Seitentrupps am Rand des Holzes, jedoch so weit in demselben, dass sie von außen nicht gesehen werden können. Der Haupttrupp geht, wenn es möglich ist, nicht auf den gewöhnlichen Wegen. Eben dies geschieht, bei großen Gehölzen, wo man Boten nehmen muss, und ein Soutien vor dem Holz stehen lässt. Im Winter, wo man des tiefen Schnees wegen keinen Seitenweg einschlagen, und daher seinen Marsch durch keine Seitenpatrouille decken kann, marschiert man wie in hohlen Wegen und Gebirgen, indem die Mannschaft zu zwei und zwei Mann, mit großen Zwischenräumen hinter einander geht, oder man schickt zwei oder drei kleine Patrouillen vorwärts, die etwa in einem Abstand von 1000 Schritt einander folgen. Eben so wird man verfahren müssen, wenn man zur Sicherheit der Quartiere unserer Armee, ein weitläufiges Waldgebiet abpatrouillieren soll, indem man sich durch Seitenpatrouillen nicht ganz decken kann. Solche Patrouillen dürfen aber die Hauptwege nicht vermeiden, um dem etwa zum Angriff anrückenden Feind zu begegnen; doch müssen sie sich auch nur zu beiden Seiten am Rand des Weges so vorschleichen, dass sie im Stande sind, den Weg zu übersehen, ohne selbst entdeckt zu werden. Sie haben außerdem Seitenpatrouillen, welche auf den parallel laufenden Nebenwegen gehen.

5) Soll eine Rekognoszierungspatrouille einen Wald von beträchtlicher Größe durchsuchen, so wird natürlich ihre Stärke danach einzurichten sein. Sie lässt an den in den Wald führenden Hauptwegen Detachements stehen, welche zum Soutien dienen; die übrige Mannschaft löst sich in eine große debandierte Linie auf, welche immer so gut wie möglich in Verbindung bleibend, in den Wald hinein geht. In einiger Entfernung lässt man noch kleine Trupps zur Unterstützung dieser debandierten Linie folgen. Da wo das Gebüsch so dicht ist, dass man es nicht durchdringen kann, gehen die Leute so lange auf den kleineren Nebenwegen, verbreiten sich aber sogleich wieder links und rechts, sobald der Wald lichter wird, und suchen nun die Verbindung mit den übrigen wieder herzustellen. Ist das Gehölz nicht so beträchtlich, so teilt man seine Patrouille in so viele Abteilungen, wie Wege in den Wald gehen, lässt aber ebenfalls ein Soutien vor demselben stehen.

6) Wenn eine solche Patrouille ein Dorf durchsuchen soll, so verfährt sie folgendermaßen:

a) Bei Tage. Sobald die Spitze der Patrouille das Dorf erreicht hat, bleibt der Haupttrupp einige hundert Schritt vor demselben stehen. Die 2 Mann der Spitze gehen hinein, und fragen den Ersten, dem sie begegnen, ob der Feind darin ist. Ist dies der Fall, so bringen sie den Angetroffenen zum Haupttrupp, der sich genauer davon überzeugen muss, indem er entweder den Feind mit Vorsicht zu alarmieren sucht, oder sich eines Vorpostens zu bemächtigen, sich bemüht. Ist der Feind nicht in dem Dorf, so behält die Spitze den Angetroffenen dennoch bei sich und droht ihn zu erschießen, wenn er nicht die Wahrheit gesagt haben sollte. Sie melden hierauf ebenfalls an den Haupttrupp, welcher ihnen nun einige Mann zur Unterstützung beim Durchsuchen schickt. Diese verteilen sich in die Haupt- und Nebenstraßen des Dorfes, und erkundigen sich nach dem Schulzen; sie lassen diesen zu sich kommen, durchsuchen alle Häuser und Scheunen genau, und berichten dann wieder an den Haupttrupp, während 2 Mann sich am jenseitigen Ende des Dorfes postieren, um die umliegende Gegend zu beobachten. Wenn der Führer der Patrouille ein Unteroffizier ist, so lässt er sich vom Schulzen das Dorfes einen Schein geben, dass er da gewesen ist. Besonders beim Durchsuchen solcher Orte, welche nicht ganz offen sind, muss man sehr vorsichtig sein, und sich nie mit dem ganzen Trupp hineinwagen, sondern vielmehr, wenn der Ort passiert werden muss, mit dem Rest der Mannschaft, um denselben herum zu gehen suchen.

b) Bei Nacht. Wenn der Feind im Ort steht, so wird man wohl gewöhnlich auf die Vorposten desselben stoßen. Sollte dies aber nicht der Fall sein, so bleibt der Haupttrupp ebenfalls einige hundert Schritt entfernt verdeckt stehen. Die Spitze schleicht sich nun auf Nebenwegen, oder durch einen Garten hinein, und sieht durch die Fenster, ob etwas feindliches in der Stube ist, oder sie bleiben versteckt stehen, bis sich irgend Jemand auf der Straße sehen lässt. Desselben suchen sie habhaft zu werden, setzen ihm das Gewehr auf die Brust, um ihn schweigend zu erhalten, und forschen ihn aus. Ist seine Antwort, der Feind sei nicht da, so wird das Dorf wie bei Tage durchsucht, im Gegenteil aber bringen sie ihn zum Haupttrupp. Die Patrouille muss sich aber dennoch wie bei Tage, näher von der Gegenwart des Feindes überzeugen.

7) Trifft eine Rekognoszierungspatrouille auf den Feind, so sucht sie sich verdeckt zu halten, und ihn abzuschneiden, wenn er schwächer ist. Wird sie aber vom Feind unerwartet entdeckt, so stürzt sie sich mit Ungestüm auf ihn, es sei denn, er wäre 3 bis 4 Mal stärker, in welchem Fall man sich sogleich zerstreut, und ein jeder sich so gut rettet, wie er kann. In jedem Fall aber hat der hinterste Mann der Patrouille Befehl, sich sogleich zurückzuziehen, um Nachricht zurückbringen zu können.

8) Wenn die Patrouille den Zweck hat, sich eine genaue Kenntnis des Terrains zu verschaffen, so hat sie vorzüglich auf folgendes zu sehen:

a) Ein guter Bote, der die Gegend genau kennt, ist höchst nötig; kann man ihn mit Güte und Belohnung hierzu erkaufen, so hat man viel gewonnen; wo nicht, so muss man ihn durch Zwang und Drohungen geschmeidig machen. Wo es Gebrauch ist, dass die Boten in jedem bewohnten Ort, wohin sie einen führen, wieder durch einen anderen abgelöst werden, muss man darauf sehen, dass sie nicht immer durch solche Wege gehen, welche zwar die nächsten sind, oder durch Gründe, Hohlwege usw., wo die freie Aussicht genommen ist, führen. Auch kommt es wohl, wenn man nach einem weiter entfernten Ort marschieren muss, wo mehrere Dörfer dazwischen liegen, dass man von solchen Boten, die sich in jedem Dorf abwechseln, nur immer zum nächsten Dorf geführt wird, weil er dadurch sein Geschäft früher abwickelt, obwohl man dann doch im Ganzen einen Umweg machen müsste.

b) Bei Dörfern hat die Patrouille zu bemerken, was für Hauptwege und Nebenwege darin sind, und wie deren Beschaffenheit ist, ob etwa steinerne oder hölzerne Brücken vorhanden sind, ob sich Moräste oder Seen daselbst befinden, ob vielleicht ein Graben das Dorf umgibt, oder ob vielleicht viele Kirchen, Meierhöfe, steinerne Häuser, Gehöfte, dichte Baumgärten usw. da sind. Man merke sich eben so die Anzahl der Häuser und Einwohner, ob der Ort hoch oder niedrig liegt, und ob vielleicht ein Fluss oder Bach hindurch oder in der Nähe fließe.

c) Bei Wäldern muss man bemerken, was für Wege hindurch führen, ob der Boden in ihnen trocken, morastig oder bergig ist, ob sie aus hohem Holz oder nur aus jungem Holz und Gestrüpp bestehen, ob es Laub- oder Nadelholz ist, ob es sehr dicht ist, und ob Gräben, Flüsse oder Bäche und Brücken darüber in demselben befindlich sind.

d) Bei Defiléen und engen Pässen ist die Breite, Enge des Weges, die Steilheit desselben, oder der sie einschließenden Bergwände und Hügel bemerkenswert.

e) Bei Brücken untersucht man, ob es steinerne, hölzerne, Schiffbrücken, Balken-, Tonnen- oder Bockbrücken, ob sie breit oder schmal, und von welcher Beschaffenheit sie sind. Ob sie schweres Geschütz tragen können, ob sie großer Ausbesserung bedürfen, ob hohe Ufer die Brücken begrenzen, ob das Terrain die Annhäherung begünstigt, und ob sie von jeder Seite gut zu verteidigen sind. In Gebirgen findet man auch Brücken über tiefe Abgründe, die einer gleichen Beachtung wert sind.

f) Bei Furten. Dies sind seichte Stellen eines Flusses, welche man durchschreiten oder durchwaten kann; sie werden aufgesucht, wenn man über den Fluss gehen, oder eine Vorpostenkette daran aufstellen will, und leicht gefunden, wenn man längs dem Fluss die Stellen untersucht, wo Spuren von Wagen und Pferden sichtbar, und wo das Ufer nicht so steil wie an anderen Orten ist. Man untersucht hierbei, ob das Wasser auch nicht zu tief ist, um mit Infanterie hindurch marschieren zu können, und in wie breiter Front dies geschehen kann; wie hoch die Ufer sind, und ob die jenseitigen vielleicht die diesseitigen beherrschen; ferner ob die Furten vielleicht durch versenkte Steine, Kähne, Fußangeln, Eggen, Wagenräder und dergleichen ungangbar gemacht sind.

g) Bei Flüssen beobachtet man den schnellen oder langsamen Lauf des Wassers, die hohen oder niedrigen Ufer; die Breite und Tiefe, die Fahrzeuge, die auf dem Fluss üblich sind; die mehr oder minder buschigen Ufer; ferner ob Brücken, Furten, Inseln oder große Krümmungen da sind, und ob die Ufer der feindlichen Seite höher sind, und daher die diesseitigen beherrschen. – Hierbei kann man als allgemeine Regel, mit seltenen Ausnahme, merken, dass da, wo ein Bach oder Fluss einen Bogen macht, das Ufer, welches außerhalb des Bogens liegt, jedesmal höher als das innerhalb liegende ist, welches daher entsteht, dass durch irgend ein Hindernis, wie Steine, fester Boden usw. das Wasser gehindert wird, seinen geraden Lauf fortzusetzen, mit Gewalt gegen das jenseitige Ufer gedrängt wird, das Erdreich von solchem abreißt, es auf der entgegengesetzten Seite aber ganz flach ansetzt. Sollte man daher z. B. mit Kavallerie einen Bach oder Fluss passieren, so würde man da hineinreiten, wo der Bogen einwärts geht, damit die Pferde, wenn man hindurch ist, nicht ein steiles Ufer zu erklettern haben.

h) Bei Gräben. Hierbei merkt man sich ihre Breite, Tiefe, und ob sie trocken oder nass sind.

i) Bei Morästen, untersucht man, ob vielleicht gebahnte Wege durch dieselben führen, oder ob sie so trocken sind, dass man sie in mehreren Richtungen passieren kann oder nicht; ferner ob sie sehr groß, von beträchtlicher Ausdehnung, und mit Dörfern oder Ortschaften umgeben sind.

k) Auch alle nicht fließende oder stehende tote Gewässer verdienen unsere Aufmerksamkeit; man untersuche daher, ob das Wasser in denselben gut ist, die Pferde damit zu tränken, im Fall vielleicht Truppen in der Nähe zu stehen kommen sollten, und ob die Ufer steil oder schwach sind, damit man wisse, ob und an welcher Stelle die Pferde hinabgeführt werden können.

l) Wege müssen untersucht werden, wenn man nicht weiß, ob sie durch Gebirge, große Waldungen, Ortschaften, Schluchten, Ebenen oder Moräste führen; ob sie, oder das Terrain zu beiden Seiten auch für alle Truppenarten gangbar sind; ob sie nicht vermieden und bessere dafür gewählt werden können; ob sie über oder um bedeutende Höhen, oder längs einem Fluss fortlaufen; ob sie breite Kunststraßen, oder einer großen Ausbesserung bedürftige Feldwege sind, ob sie viele Nebenwege haben, und dergleichen mehr.

m) Wiesen. Diese sind gewöhnlich im Sommer für alle Truppen zu passieren; jedoch in anderen Jahreszeiten ist das selten der Fall, besonders wenn sie mit Abzugsgräben versehene, abgelassene Teiche enthalten, oder mit Schilf, Weidenbäumen und Moos bewachsen sind.

n) Berge und Höhen bemerkt man hinsichtlich ihrer Abhänge, ob solche steil oder flach, ob sie für alle Truppenarten gangbar, oder nur für Infanterie, oder gar nicht zugänglich sind; ob man mit Geschütz hinauffahren, oder dieses nur durch Umwege möglich ist; ob der Abhang des Berges kahl, oder mit Gebüsch bewachsen ist, ob Hohlwege hinaufführen, oder der Berg mit Schluchten durchschnitten ist; ob in der Entfernung eines Kanonenschusses noch andere Berge, und ob diese höher oder niedriger sind; wo der höchste Punkt des Berges ist, wie weit, und was für Orte und Wege man von da aus sehen kann; ferner, ob sich auf den Höhen Windmühlen, einzelne Häuser usw. befinden etc.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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