Lothar III.
Herzog von Sachsen, deutscher König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches

Lothar III., deutscher König (30. August 1125 bis 4. Dezember 1137) und römischer Kaiser (4. Juni 1133 bis 4. Dezember 1137), entstammte der Familie der Grafen von Süpplingenburg (bei Helmstedt im Braunschweigischen). Graf Eberhard von Süpplingenburg war vermählt mit Hedwig, der Tochter des Grafen Friedrich von Formbach in Bayern. Lothar scheint das einzige Kind aus dieser Ehe gewesen zu sein. Die Zeit seiner Geburt ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen, muss jedoch spätestens in den Jahren 1060-1063 erfolgt sein. Frühzeitig verlor er seinen Vater, der sich am Aufstand der Sachsen gegen König Heinrich IV. beteiligte und in der Schlacht bei Homburg an der Unstrut am 9. Juni 1075 den Tod fand. Lothar beharrte in der Parteistellung des Vaters, er ist stets ein Gegner der salischen Kaiser gewesen.

Als sich Markgraf Ekbert von Meißen gegen Heinrich IV. empörte, befand sich Lothar auf Seiten der Aufständischen und half im Jahre 1088 den Sieg bei Gleichen über den König gewinnen. Der Erzbischof Liemar von Bremen, der in dieser Schlacht sein Gefangener wurde, musste ihm als Preis für die Freilassung die Vogtei der Bremer Kirche übertragen. Die hervorragende Stellung, welche er hierdurch unter den sächsischen Fürsten erlangte, wurde noch dadurch verstärkt, dass er im Jahre 1100 eine der reichsten Erbinnen des nördlichen Deutschlands heiratete. Seine Gemahlin Richenza war die Tochter Heinrichs des Fetten von Nordheim und Gertruds, der Schwester des Markgrafen Ekbert von Meißen und besaß die Hälfte der nordheimschen Besitzungen sowie die seit Ekberts Tod an ihre Mutter übergegangenen braunschweigischen Güter. Als daher im Jahre 1106 die männliche Linie der billungischen Herzöge von Sachsen mit Magnus ausstarb, konnte König Heinrich V. nicht wagen, einen anderen als den mächtigen Grafen Lothar mit der sächsischen Herzogswürde zu belehnen. In diesem Amt entwickelte Lothar besonders nach zwei Richtungen hin eine ebenso energische wie folgenreiche Tätigkeit. Einmal brachte er die herzoglichen Berechtigungen, die vor ihm nur im mäßigen Umfang ausgeübt waren, bei jeder Gelegenheit zu kräftiger Geltung und erreichte trotz des Widerstandes der Fürsten und Edlen eine nicht unerhebliche Erweiterung seiner Gewalt, dann aber richtete er unablässig sein Augenmerk auf die Grenzgebiete nördlich und östlich der Elbe, wo sich die heidnischen Slawen dem Vordringen der christlichen Deutschen mit Eifer und Glück entgegengesetzt hatten.

Die sehr lückenhafte Überlieferung weiß von vier Feldzügen zu berichten, welche Herzog Lothar gegen die Slawen unternommen hat. Das Ergebnis war, dass zum ersten Mal wieder seit den Zeiten Ottos I. das deutsche Element und mit ihm das Christentum unter den Slawen östlich der Elbe bis zur Oder festen Fuß fassen und allmählich zur vollkommenen Herrschaft gelangen konnten. Lothars slawische Politik führte ihn dahin, dass er dem sächsischen Herzog freie Verfügung über die Nordmark, die Marken Meißen und Lausitz zu gewinnen trachtete. Eine Folge dieser Bestrebungen, sowie der Art und Weise, in welcher Lothar die herzogliche Gewalt in Sachsen selbst ausübte, war ein Zerwürfnis mit Heinrich V., der soweit ging, ihn im Jahre 1112 zu entsetzen und den Grafen Otto von Ballenstedt an seine Stelle treten zu lassen. Da sich Lothar nun nachgiebig zeigte, nahm Heinrich V. die strenge Maßregel wieder zurück, aber der Friede zwischen beiden währte nur kurze Zeit. Im Jahre 1113 erhob Lothar von Neuem die Waffen gegen den Kaiser, wurde aber derart gedemütigt, dass er sich im Januar 1114 zu Mainz barfuß und im Büßergewand dem Reichsoberhaupt zu Füßen warf. Trotzdem beschwor er in demselben Jahre einen gegen den Kaiser gerichteten Bund der sächsischen Fürsten.

Der Sieg über die Mannschaften Heinrichs V. am Welfesholz im Februar 1115 wurde wesentlich durch die Tüchtigkeit Lothars errungen, der nunmehr mit den Erzbischöfen Adalbert I. von Mainz und Friedrich von Köln an der Spitze der vielen Gegner des Kaisers stand. Aus dieser Verbindung ergab sich von selbst, dass Lothar in den kirchlichen Streitigkeiten auf Seiten des Papstes stand. Alle diejenigen Geistlichen, welche den vom Kaiser erhobenen Gegenpapst Burdinus nicht anerkennen wollten, fanden beim Herzog von Sachsen einen sicheren Zufluchtsort. So wuchs die Erbitterung des Kaisers gegen Lothar mehr und mehr. Ein Feldzug gegen diesen war bereits vorbereitet, als der am 23. Mai 1125 erfolgte Tod Heinrichs V. die Ausführung hinderte. Da mit diesem die Linie der fränkischen Kaiser ausgestorben war, blieb die Wahl eines Reichsoberhauptes allein den Fürsten überlassen. Die kirchliche Partei, an deren Spitze der Erzbischof Adalbert von Mainz stand, suchte vor Allem die Erhebung des Herzogs Friedrich von Schwaben, der als Neffe Heinrichs V. eine Art von Erbanspruch geltend zu machen wünschte, mit allen Mitteln zu hintertreiben.

Im Einverständnis mit der römischen Kurie, deren Legaten bei den am 24. August 1125 eröffneten Wahlverhandlungen anwesend waren, gelang es den Herzog von Schwaben zu beseitigen, und am 30. August wurde Lothar von Sachsen zum König gewählt. Das Wahlrecht der Fürsten schien hiermit auch für die Zukunft gewährleistet, da der bereits sehr bejahrte Lothar keinen Sohn besaß, nach seinem Tod mithin die Fürsten abermals für die Besetzung des Thrones zu sorgen hatten. Nachdem Lothar die Huldigung der Fürsten und auch die Friedrichs von Schwaben entgegengenommen hatte, erfolgte seine Krönung zu Aachen am 13. September durch den Erzbischof Friedrich von Köln. Noch in demselben Jahr hielt Lothar einen Hoftag zu Regensburg, auf dem unter Anderem ein Beschluss gefasst wurde, der vornehmlich gegen Friedrich von Schwaben und seinen Bruder Konrad gerichtet war. Dieselben hatten als Erben Heinrich V. dessen Hinterlassenschaft in Besitz genommen und sollten nun dasjenige herausgeben, was Heinrich V. nach der Ansicht des Reichstags nicht für seine Person, sondern für das Reich erworben hätte.

Da sich Friedrich von Schwaben nicht fügte, wurde er auf einem Reichstag zu Straßburg (Weihnachten 1125) verurteilt und zu Goslar (Januar 1126) der Krieg gegen ihn beschlossen. Zunächst jedoch unternahm Lothar einen Feldzug gegen Böhmen. In diesem Lande stritten zwei Prätendenten um die herzogliche Würde, deren einer, Otto von Mähren, die Unterstützung Lothars anrief, während der andere, Sobeslaw, tatsächlich die Herrschaft behauptete. Lothar rückte in Böhmen ein, erlitt aber am 18. Februar 1126 bei Kulm eine völlige Niederlage. Da indes Otto von Mähren selbst in der Schlacht gefallen war, konnte er den Sieger mit der herzoglichen Fahne von Böhmen belehnen.

In Folge des Misslingens in Böhmen scheint der Kampf gegen Friedrich von Schwaben einen Aufschub erlitten zu haben. Aber die Stellung des Königs in Süddeutschland gewann dadurch einen festen Halt, dass seine einzige Tochter Getrud am 29. Mai 1127 mit dem Herzog von Bayern, dem nachmaligen Heinrich dem Stolzen, vermählt wurde. Diese Heirat, welche die Feindschaft zwischen Welfen und Staufen begründete, war vermutlich im August 1125 verabredet worden, um damals den Herzog von Bayern, den Vater Heinrichs des Stolzen, zu bewegen, seine Stimme bei der Königswahl für Lothar abzugeben. Die mächtige Familie der Zähringer gewann er sich durch die Verleihung des Rektorats (Herzogtums) von Burgund an Konrad von Zähringen. Obwohl nun der König Hilfstruppen von Heinrich von Bayern und Sobeslaw von Böhmen empfing, vermochte er doch nicht das von den Staufen besetzte Nürnberg zu erobern, sondern sah sich genötigt, nach einem verlorenen Treffen die Belagerung aufzuheben. Jetzt durfte die gegnerische Partei es wagen, einen Gegenkönig aufzustellen.

Am 18. Dezember 1127 wurde Konrad, der Bruder Friedrichs von Schwaben, zum König ausgerufen. Konrad überließ den Kampf in Deutschland gegen Lothar seinem Bruder Friedrich, während er selbst nach Italien ging, sich in Monza krönen ließ und ungefähr zwei Jahr hindurch eine ziemlich machtlose Stellung behauptete. Lothar fand in Friedrich einen ebenso geschickten wie ausdauernden Gegner. Erst zum Schluss des Jahres 1129 konnte er einen namhaften Erfolg erreichen. Die Stadt Speyer, in welche Friedrich eine starke Besatzung gelegt hatte, musste sich nach einer Belagerung, die vom 15. Juli bis 28. Dezember 1129 gewährt hatte, dem König ergeben. Hierbei geriet auch Friedrichs Gemahlin in Gefangenschaft. So blieb außerhalb Schwabens nur noch Nürnberg als fester Punkt der staufischen Partei übrig. Als aber auch dieser letzte Halt im Jahre 1180 an Lothar verloren ging, konnte dieser seine Autorität in fast ganz Deutschland im Allgemeinen für festgestellt erachten. Gerade damals wurde seine Aufmerksamkeit durch eine kirchenpolitische Frage in Anspruch genommen.

Seit dem 14. Februar 1130 standen in Rom zwei Päpste einander gegenüber, Anaklet II. und Innozenz II., die sich beide um die Anerkennung seitens des deutschen Königs eifrig bewarben. Die Frage, welcher von beiden rechtmäßig gewählt sei, war schwierig zu entscheiden. Indem das Hauptgewicht auf die Würdigkeit der Person gelegt wurde, trat Lothar, der hierbei vornehmlich durch den Erzbischof Robert von Magdeburg geleitet wurde, auf die Seite Innozenz II. Dieser Papst, der aus Rom vor Anaklet hatte weichen müssen, erschien Ende 1131 in Lüttich, wo er vom König und den Fürsten mit hohen Ehren empfangen wurde. Auf dem hier abgehaltenen Reichstag wurde eine Heerfahrt nach Italien beschlossen, um Anaklet aus Rom zu verjagen und Innozenz den Besitz der Hauptstadt zu verschaffen, in welcher er dann Lothar zum Kaiser krönen sollte. Zu Lüttich suchte Lothar die ungünstige Lage des Papstes zu benutzen, um von ihm Konzessionen betreffs der Einsetzung der Bischöfe und Reichsäbte zu erlangen. Denn trotz seiner kirchlichen Gesinnung hielt er doch für notwendig über die Bistümer in derselben Weise verfügen zu können wie Heinrich V. vor dem Wormser Konkordat. Aber er stand von seinen Forderungen ab, als ihm die Geistlichkeit Widerstand entgegensetzte.

Der Zug nach Italien erfuhr einen Aufschub, da Lothar im Jahre 1131 einen Krieg gegen Dänemark unternahm. Knud Lavard, Herr von Wagrien und Vasall des deutschen Reichs, war am 7. Januar 1131 von dem dänischen Königssohn Magnus ermordet worden. Als Lothar mit 6000 Mann am Danewerk erschien, demütigten sich der König Nikolaus und sein Sohn Magnus, ohne einen Kampf zu versuchen. Sie leisteten dem deutschen König Huldigung und zahlten 4000 Mark Buße. Das Land Wagrien überwies Lothar dem Grafen Adolf von Holstein. Im August 1132 trat er nunmehr die Heerfahrt nach Italien an. Im November hielt er einen Reichstag auf den Ronkalischen Feldern. Widerstand leistete ihm in Norditalien vor Allem Mailand, welches noch immer an dem Gegenkönig Konrad festhielt. Da indes Lothar seine ohnehin geringfügigen Streitkräfte für den Kampf mit Anaklet aufsparen musste, verzichtete er zunächst auf die Unterwerfung der mächtigen lombardischen Stadt und marschierte mit Innozenz II. nach Süden.

Ende April 1133 lagerte das deutsche Heer vor den Toren Roms. Es gelang den südwestlichen Teil der Stadt mit dem Lateran zu erobern, während insbesondere die Peterskirche von Anaklet behauptet wurde. Nach vielen vergeblichen Versuchen und Verhandlungen musste sich Lothar dazu verstehen, die Kaiserwürde entgegen dem herkömmlichen Ritual im Lateran zum empfangen. Am 4. Juni 1133 wurden Lothar und Richenza durch Innozenz gekrönt. Zur Belohnung für die geleisteten Dienste überwies der Papst dem Kaiser sowie seiner Tochter und seinem Schwiegersohn Heinrich von Bayern die Nutznießung der mathildischen Güter. Der Papst investierte den Kaiser zum Zeichen der Belehnung mit einem Ring. Kurze Zeit nach der Krönung trat der Kaiser den Rückmarsch nach Deutschland an. Es war ihm gelungen, die Entfernung Anaklets aus Rom zu erzwingen, der vielmehr seinen Gegner Innozenz nötigte, die ewige Stadt schon Ende August 1133 zu verlassen.

In Deutschland wendete der Kaiser zunächst seine Sorge auf die Wiederherstellung des vielfach verletzten Landfriedens. Mehr und mehr war das Ansehen des Kaisers auch im Ausland gewachsen. Auf einem Hoftag zu Altenburg, Anfang April 1134, erschien eine Gesandtschaft des Königs von Ungarn, Bela des Blinden, der die Vermittlung Lothars in einem Krieg Ungarns mit Polen nachsuchen ließ. Bald darauf, am 15. April 1134, eröffnete Lothar einen Reichstag zu Halberstadt. Hier fand sich Magnus ein, der Sohn des Königs von Dänemark, um vor dem Kaiser Buße zu tun dafür, dass mehrere Deutsche in Dänemark ermordet waren. Auch musste er sich eidlich als Lehnsmann des deutschen Reichs erkennen und empfing dann von Lothar die Königskrone. Bei der Feier des Osterfestes schritt Magnus dem Kaiser als Schwertträger voran. Zu Halberstadt wurde ferner Albrecht von Ballenstedt mit der Nordmark belehnt. Nachdem Lothar das durch den Tod Roberts (6. Juni 1134) erledigte Erzbistum Magdeburg durch einen nahen Verwandten, Konrad von Querfurt, besetzt hatte, begab er sich nach Süddeutschland, um den letzten Schlag gegen die noch immer aufständischen staufischen Brüder Friedrich und Konrad zu führen. Nachdem Heinrich der Stolze das feste Ulm erobert und geplündert hatte, durchzog Lothar Schwaben mit Verwüstung und zerstörte die Burgen und Schlösser des Landes. Nach einem Feldzug von zwei Monaten ging er nach Fulda, wo sich ihm Friedrich von Schwagen demütig und gebrochen zu Füßen warf und Verzeihung empfing. Auf einem Reichstag im März 1135 zu Bamberg huldigte er vor allen Fürsten dem Kaiser aufs neue. Ein halbes Jahr später, im September 1135, unterwarf sich auch Konrad der Autorität des Kaisers. So war der Friede im Reich überall hergestellt; Lothars Kaisertum stand auf seiner Höhe.

Der Herzog Boleslaw von Polen bekannte sich auf einem Reichstag zu Merseburg im August 1135 feierlich als Vasall des Reichs. Hier erschien ferner eine Gesandschaft des byzantinischen Kaisers Johannes Komnenos, der mit Lothar ein Bündnis zu schließen wünschte gegen den Normannen Roger, welcher sich von Anaklet II. zum König von Sizilien hatte proklamieren lassen und das gesamte Süditalien in seiner Gewalt hielt. Das Verlangen des griechischen Kaisers traf mit Lothars Intentionen zusammen, der fort und fort von Innozenz II. zu einer zweiten Romfahrt gedrängt, einen großartigen Feldzug nach Italien plante, um auch dort dem Kaisertum alle Rechte wiederzugewinnen. Nach umfassenden Vorbreitungen brach er Ende August 1136 mit einem starken und wohlgerüsteten Heer nach Italien auf. Wiederum hielt der Kaiser einen Reichstag auf den Ronkalischen Feldern, Anfang November 1136, aber unter günstigeren Verhältnissen als das erste Mal. Nicht nur Mailand war auf seine Seite getreten, auch Venedig schloss sich ihm an. Andere Städte, wie Pavia, werden mit Gewalt unterworfen.

Indem Lothar ganz Norditalien durchzog, Turin nahm und bis an den Fuß der Westalpen gelangte, brachte er überall die Autorität des Kaisers zur Anerkennung. Den Winter von 1136 auf 1137 verwendete er auf die Unterwerfung der Emilia. Alsdann teilte er das Heer in zwei Hauptcorps. An die Spitze des einen stellte er seinen Schwiegersohn, Heinrich den Stolzen von Bayern, mit der Aufgabe, Toskana und die Tiberlandschaften zu unterwerfen, während er selbst die Küstengegenden des adriatischen Meeres unter seine Hoheit zwingen wollte. In Apulien sollten sich alsdann beide Abteilungen vereinigen und den Kampf gegen Roger von Sizilien eröffnen. Dieser Plan wurde auch mit günstigem Erfolg ausgeführt. Lothar überschritt ohne erhebliche Schwierigkeiten die Grenze des von Roger okkupierten Gebietes, eroberte Siponto und ließ den Monte Gargano besetzen.

Eine Flotte zu der besonders Venedig und Ravenna Schiffe geliefert hatten, unterstützte seine Operationen von der Seeseite aus. Nachdem sich ihm Trani freiwillig ergeben hatte, marschierte er gegen den bedeutendsten Hafen der Ostküste Süditaliens, gegen Bari, welches von Roger stark befestigt und besetzt war. Hier fand Ende Mai 1137 die Vereinigung mit Heinrich dem Stolzen statt, der die ihm gewordenen Aufträge erfüllt hatte. In der zweiten Hälfte des Juni gelang endlich die Einnahme des Kastells von Bari, während die Stadt selbst dem Kaiser sofort gehuldigt hatte. Nunmehr begab sich Lothar in das Innere des Landes, eroberte Melfi und schlug dann der Hitze wegen sein Lager für längere Zeit am Lagopesole auf, wo ihn eine zweite Gesandschaft des griechischen Kaisers traf. Währenddessen war auch am Tyrrhenischen Meer der Krieg gegen Roger geführt worden. Eine pisanische Flotte, auf der sich als Vertreter des Kaisers der Abt Wibald von Stablo befand, eroberte Amalfi und segelte dann gegen Salerno, die festländische Hauptstadt Rogers, der diesen Platz mit allen Kräften zu verteidigen strebte. Lothar, der zuerst Heinrich den Stolzen vorausgeschickt hatte, um die Belagerung von der Landseite aus zu leiten, erschien Anfang August selbst vor der Stadt, die nunmehr kapitulierte. Hiermit war die Macht Rogers auf dem Festland gebrochen. Zu seiner vollständigen Demütigung wäre allerdings noch die Eroberung Siziliens notwendig gewesen. Allein im deutschen Heer hatte sich bereits Missstimmung über die Mühseligkeit und lange Dauer des Feldzuges kundgegeben, so dass der Kaiser die Heimkehr beschloss. Vorher jedoch belehnte er den Grafen Rainulf von Alife als Herzog von Apulien, dem es alsdann überlassen bleiben musste, sich gegen Roger zu behaupten. Über die Belehnung selbst geriet der Kaiser in Misshelligkeiten mit Innozenz II., weil dieser Apulien als einen Besitz der römischen Kirche ansah. Eine Art Ausgleich wurde dadurch herbeigeführt, dass Kaiser und Pabst zusammen die Fahne anfassten, mit welcher Rainulf das Herzogtum erhielt.

Über Benevent und Montecassino, wo Wibald von Stablo als Abt eingesetzt wurde, zog der Kaiser mit seinem Heer Ende September 1137 nach Ceperano und Tivoli, an Rom vorüber, wo noch immer Anaklet thronte, bis zum Kloster Farfa, wo sich Papst Innozenz von ihm verabschiedete. In der zweiten Hälfte des Oktober 1137 gelangte der Kaiser über Narni und Arezzo nach Bologna. Inzwischen war Roger wieder gelandet und bekämpfte Rainulf, Wibald hatte am 2. November aus Montecassino entfliehen müssen. Aber derartige Nachrichten konnten den Kaiser nicht aufhalten. Er fühlte sich bereits längere Zeit krank und wünschte nach Deutschland zu gelangen. Am 11. November befand er sich bereits in Trient und beschloss trotz seines bedenklichen Zustandes die Weiterreise. Er passierte den Brenner Ende November unter steigender Krankheit. Schon hatte er die Straße nach Augsburg eingeschlagen und das Dorf Breitenwang (bei Reutte in Tirol nahe der bayerischen Grenze) erreicht, als seine Hinfälligkeit Halt gebot. In einer elenden Bauernwohnung starb der Kaiser Lothar am 4. Dezember 1137. Der Leichnam wurde von der Kaiserin Richenza nach Sachsen übergeführt und im Kloster Lutter (Königslutter bei Helmstedt), wie Lothar selbst bestimmt hatte, am 31. Dezember 1137 beigesetzt.

Lothar hat sich die bedeutendsten Verdienste um die Germanisierung der slawischen Gebiete östlich der Elbe erworben durch eigenes tatkräftiges Wirken, durch Unterstützung des Bischofs Otto von Bamberg, der die Pommern bekehrte, durch die Ernennung Albrechts des Bären zum Markgrafen der Nordmark, und die Adolfs von Schauenburg zum Grafen von Holstein und Wagrien. Auch Konrad von Wettin verdankt ihm seine Einsetzung in die Mark Meißen. Er war ein tapferer und frommer Mann, der in der Pflege der Gerechtigkeit eine Hauptaufgabe des Herrschers erkannte und demgemäß verfuhr. Dagegen entwickelte er in den kirchenpolitischen Streitigkeiten wenig Energie.

Die Quellen für die Geschichte seiner Epoche sind sehr zersplittert. Wichtig sind von zeitgenössischen Schriftstellern Otto von Freising in seinem Chronicon Lib. VII Cap. 17 ff. und Gest. Frid. I, 16 ff. und besonders die Nachrichten unter dem Namen des Annalista Saxo bekannten Kompilation. Über seine Wahl s. Narratio de electione Lotharii (M. G. S. XII). Auf seinem Siegel und in seinen Urkunden nennt sich Lothar tertius statt des richtigen secundus. Irrigerweise wurde der gleichnamige Sohn Lothars I. als Lothar II. gerechnet.

Quelle: Wilhelm Bernhardi

Bibliographie

  • Bernhardi, Wilhelm: Allgemeine deutsche Biographie, Bd. 19 (Leipz. 1884)
  • Bernhardi, Wilhelm: Lothar von Süpplingenburg (Leipz. 1879)
  • Giesebrecht, W. v.: Geschichte der deutschen Kaiserzeit, Bd. IV
  • Jaffé, Ph.: Geschichte des Deutschen Reiches unter Lothar dem Sachsen, Berl. 1843
  • Servais: Politische Geschichte Deutschlands unter der Regierung Lothar III., Leipz. 1842

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