Festung

Festung Rothenberg

Festung, eine Ortsbefestigung, die ringsum solche Stärke besitzt, dass sie ohne äußere Hilfe gegen Überlegenheit behauptet werden kann. Der Besitz des Ortes ist Hauptsache, man will aber an Besatzung sparen, deshalb muss die Festung Hilfe bieten. Diese besteht in der Sturmfreiheit, durch welche die Möglichkeit jeden Angriffs über das Feuerfeld sicher abgewiesen wird. Dazu gehört: tüchtige Feuerwirkung nach allen Seiten, Unzugänglichkeit gegen Anlauf, Sicherung gegen Überraschtwerden wie gegen Vernichtung aus der Ferne und Haltbarkeit der noch besetzten Teile, wenn es dem Feind gelingt, an einer Stelle einzudringen, um ihn schnell wieder hinauszuwerfen. Die Aufgaben der Festungen haben sich mit der Zeit geändert, ein Hauptzweck bestand seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert darin, wichtige Heeresstraßen und Landesgrenzen beim Übergang über Ströme oder Gebirgen zu sichern oder zu sperren. Diesen Grenzfestungen, bzw. Sperrplätzen, zu denen auch die Sperrforts der Defensivplätze gehörten, standen gegenüber die Fortfestungen (Metz, Verdun, Thorn, Warschau etc.), die man auch als Offensiv-, Armee-, Lagerfestung oder verschanzte Lager bezeichnete, weil Armeen unter ihrem Schutz lagern konnten.

Zur Sicherung ganzer Landesteile, eines Kriegsschauplatzes bediente man sich auch der Festungsgruppen, die dem ganzen Kriege dann den Charakter der Defensive geben sollten. Hier wurde noch mehr als bei großen oder zahlreichen Plätzen das Bedenken geltend gemacht, dass der Feldarmee zu viel Kämpfer entzogen werden. Die Ansichten über die für die Verteidigung eines Landes erforderliche Anzahl Festungen waren verschieden. Während Deutschland sich für die Anlage weniger, aber großer Festungen, deren strategische Bedeutung durch ihre Grenzlage gegen Frankreich und Russland augenfällig ist, und die für die Offensivbewegungen der Feldarmee sichernde und fördernde Ausgangs- und Stützpunkte bilden, entschied, hat Frankreich ein vollständiges Absperrungssystem durch die Anlage zahlreicher Sperrforts und großer Festungen längs seiner Ostgrenze und durch eine zweite Reihe großer Festungen in dem Raum zwischen der Grenze und Paris mit dem Kostenaufwand von etwa einer halben Milliarde zur Ausführung gebracht, in dem Paris, das Zentrum des Systems, für sich ein Komplex von Festungen ist.

Abgesehen von den ungeheueren Bau- und Unterhaltungskosten eines solchen Systems der Landesverteidigung erforderte die kräftige Verteidigung so vieler Festungen auch entsprechend große Streitkräfte (in Frankreich gegen 500.000 Mann), die den Feldarmeen zum großen Teil verloren gingen. Dieses System zwang also zur Führung eines Defensivkrieges. Der frühere Grundsatz, dass die Landeshauptstadt jedenfalls befestigt sein müsse, hatte im späten 19. Jahrhundert nicht mehr allgemeine Geltung. Dies waren die politisch-strategischen Gesichtspunkte, die auch zum Bau neuer und zum Eingehen kleiner Festungen geführt haben. Die technische Seite, der Festungsbau (Land- und Küstenfestungen), tritt in dem Geschichtlichen zutage. Das Recht des Festungsbaues stand dem Souverän zu, in Deutschland, abgesehen von Bayern, bis 1918 dem Kaiser, der auch die Kommandanten ernannte.

Bekannte Festungen

  • Fort Abukir
  • Bad Königshofen, Festungsstadt, 1544–1591 erbaut, 1826 geschleift
  • Berlin, Festungsstadt
  • Berlin-Spandau, Zitadelle Spandau
  • Bielefeld, Sparrenburg
  • Bitsch, Reichsfestung
  • Braunau, Festung 1743 belagert, 1808 geschleift
  • Breisach, Festung Breisach
  • Brünn, Festung Spielberg
  • Diedenhofen, Reichsfestung
  • Düsseldorf, Kaiserpfalz Kaiserswerth
  • Eichstätt, Willibaldsburg, 17. bis 18. Jahrhundert erbaut
  • Erfurt, kurmainzische Zitadelle Petersberg, 1665 erbaut, 1871 aufgelassen
  • Geldern, Festung 1764 auf Befehl Friedrichs II. von Preußen geschleift
  • Germersheim, Bayerische Landesfestung
  • Germersheim, Polygonalfestung, 1834 bis 1855 erbaut, 1920 bis 1922 geschleift
  • Granada, Alhambra
  • Grudziadz, Festung Graudenz, Feste Courbière
  • Gustavsburg, schwedische Polygonalfestung von 1638, 1673 geschleift
  • Klodzko, Festung Glatz, Polen
  • Houmt Souk, Festung Bordj el Kebir, Tunesien
  • Ingolstadt, Festungsstadt, Bayerische Landesfestung, 1828–1849 erbaut
  • Jülich, Festungsstadt, Festung Jülich von 1547, 1860 geschleift
  • Jülich, Zitadelle Jülich
  • Kaliningrad, Festung Königsberg (Ostpreußen), jetzt Nordwestrussland
  • Kehl, Polygonalfestung, 1681 erbaut, 1751–1815 geschleift
  • Kleve, Schenkenschanz
  • Koblenz, seit 1822 Festungsstadt, zwischen 1889 und 1922 geschleift
  • Koblenz, Festung Ehrenbreitstein von 1822, 1914 aufgelassen
  • Köln, Festungsstadt, Festungsring Köln
  • Königstein, Festung Königstein
  • Kolberg, Festungsstadt
  • Komorn, Festung Komorn, Ungarn
  • Krak des Chevaliers, Syrien
  • Kronach, Festung Rosenberg, 1652–1699 erbaut, 1867 aufgelassen
  • Kulmbach, Plassenburg, 1559–1592 erbaut, 1806 geschleift
  • Landau, Bundesfestung, von 1679–1691 erbaut, 1866 geschleift
  • Lippstadt, 1763 geschleift
  • Lüneburg, geschleift
  • Luxemburg, Bundesfestung
  • Magdeburg, Festungsstadt
  • Magdeburg, Zitadelle Magdeburg
  • Mainz, Bundesfestung, 1619 erbaut, 1904 geschleift
  • Mainz, Zitadelle Mainz, 1655 erbaut, später aufgelassen
  • Mansfeld, Schloss
  • Marseille, Château d’If
  • Meppen (Fürstbistum Münster), 1762 geschleift
  • Metz, Reichsfestung
  • Minden, Festungsstadt
  • Mönchengladbach, Schloss Rheydt
  • Münster (Fürstbistum Münster), 1764 geschleift
  • Mutzig, Elsass, Feste Kaiser Wilhelm II., Reichsfestung
  • Neiße
  • Neuf-Brisach (Neubreisach), Reichsfestung
  • Nürnberg, Festungsstadt, 1538–1545 erbaut, 1866 aufgelassen
  • Passau, Veste Oberhaus, 1674–1740, 1867 aufgelassen
  • Philippsburg, 1799 zerstört, 1801 geschleift
  • Pirna, Schloss Sonnenstein
  • Rastatt, Bundesfestung
  • Regensburg, römische Grenzfestung Castra Regina
  • Rheinberg, Festung Rheinberg
  • Saarlouis, Polygonalfestung, 1680 erbaut, 1887 aufgelassen
  • Schnaittach, Festung Rothenberg, 1729–1750 erbaut, 1838 aufgelassen
  • Sebastopol, Krim
  • Steinhuder Meer, Inselfestung Wilhelmstein
  • Stolpen, Burg Stolpen
  • Straßburg, Reichsfestung
  • Stralsund, 1873 aufgelassen
  • Toul
  • Toulouse
  • Traben-Trarbach, Mont Royal, 1687 erbaut, 1697 geschleift
  • Ulm, Bundesfestung, später Reichsfestung
  • Valetta, Fort Ricasoli
  • Valetta, Fort St. Elmo
  • Vechta (Fürstbistum Münster), 1769 geschleift
  • Victoria Lines, Malta
  • Verdun
  • Warendorf (Fürstbistum Münster), Ende 18. Jahrh. geschleift
  • Schweidnitz
  • Weißenburg, Wülzburg, 1588–1610 erbaut, 1867 aufgelassen
  • Wesel, Zitadelle Wesel
  • Wittenberg, 1873 aufgelassen
  • Würzburg, Festungsstadt, 1655–1671 erbaut, aufgelassen
  • Würzburg, Festung Marienberg, 1648–1658 erbaut, 1867 aufgelassen
  • Ziegenhain, Festungsstadt, Wasserfestung von 1622, 1808 geschleift

Geschichtliches

Aus der Wechselwirkung der jeweiligen Art der Verteidigungs- und Angriffswaffen gingen nach und nach die vielen Befestigungs- oder Festungssyssteme hervor. Den einfachen Pfahlwerken, den Erd- und Steinwällen folgten Mauern, die an Dicke und Höhe mit der Zerstörungskraft der Angriffsmaschinen zunahmen. Die Krone der Mauer diente als Aufstellungsraum für die Verteidiger, auf Pfeilschussweite vorspringende Türme zu ihrer Flankierung. Eine Brüstungsmauer am vorderen Rand, später mit Schießschlitzen, Zinnen, versehen, deckte die Verteidiger. Um auch die äußere Mauerfläche bestreichen zu können, ließ man auf der Krone große Hausteine vorkragen und setzte auf diese die Brüstung, so dass man zwischen ihr und den Kragsteinen hindurch die Mauerflucht bestreichen konnte; so entstanden die Senkscharten oder Maschikulis. Örtliche Hindernisse und der Graben waren die natürliche Ergänzung gegen Annäherung an beliebiger Stelle. Der Bewachung der Zugänge und der Flankierung des Umzugs dienten vorspringende und überragende Türme, die zugleich Abschnitte bildeten. Abschnittsweise Verteidigung wurde durch mehrere Umfassungen (Zingel) hintereinander oder durch Burgen (Zitadellen) ermöglicht. Die Tore waren durch besondere Bauten gesichert. Die Burgen außerhalb der Städte waren gewöhnlich für eine sehr geringe Besatzung bemessen, nur auf einem schmalen, mehrfach gesperrten Wege zugänglich und zur hartnäckigen, abschnittsweisen Verteidigung eingerichtet. Aus den großartigen, dem Gelände klug angepassten Befestigungen der Römer entwickelten sich in Deutschland die Städtebefestigungen und die Ritterburg (s. Burg). Hatte schon früher die Erfindung des Widders zur Verstärkung der Mauer durch Strebepfeiler (Tafel I, Fig. 1) und mit deren Überwölbung zu Kasematten geführt, so forderte das erste Auftreten von Geschützen erhebliche Umgestaltung der Festung. Hinter der Mauer wurde eine Brustwehr, hinter dieser ein Wallgang für Geschütze angeschüttet. Die erweiterten Türme nannte man Basteien (Rondelle), aus denen später die Bastionen wurden. In der italienischen Städtebefestigung baute man nach der altitalienischen Manier (Fig. 2) und darauf nach der neuitalienischen Manier (Fig. 3); dort war die senkrecht auf dem Mittelwall (Kurtine) stehende Flanke c, der Bastion a zur niederen Grabenbestreichung halb zurückgezogen; die kleine Mittelbastion b deckt die lange Kurtine, diese flankierend. Durch die Nachfolger wurde diese Manier dadurch wesentlich verbessert, dass sie die Bastionen erheblich vergrößerten, zur Hauptgeschützaufstellung in dieselben einen überhöhenden Kavalier c (Fig. 3), vor die Kurtine das diese deckende Ravelin b und vor die Kontreskarpe den gedeckten Weg g mit den Waffenplätzen w legten, vor denen das 2 m hohe Glacis sich gleichmäßig abböschte.

Hiermit war das Bastionärsystem hergestellt, aber auch in Deutschland legte schon Albrecht Dürer 1527 die Grundsätze fest, nach denen sich die deutsche Befestigung in langem Zeitraum entwickelte. Sein Hauptwall von polygonalem Grundriss wurde durch kasemattierte Bastionen flankiert, wie er denn auch bombensichere Geschütz- und Wohnkasematten in ausgedehnter Breite, sogar kasemattierte Turmforts (Fig. 4 und 5) anwendet, deren Gräben durch Galerien a und Kaponnieren b bestrichen werden.

Die niederländische Befestigungsmanier musste von den bisherigen abweichen, weil die Kriegslage eine schnelle Herstellung von Wassergräben und die Natur des Landes die Benutzung vorhandener Wasserläufe zum Schutz statt der Mauern geboten. Man baute Erdwälle und breite Wassergräben, die durch einen vor dem Hauptgraben gelegenen Niederwall (Faussebraye) bestrichen wurden; im Hauptgraben lagen zahlreiche Außenwerke. Eine solche Festung wurde von Freitag 1630 beschrieben und von Coehorn wesentlich verbessert (Fig. 6).

In Frankreich erhielt sich die italienische Befestigung während des 16. Jahrhunderts, entwickelte sich aber im 17. Jahrhundert, beeinflusst durch die niederländische, während der Kriege Ludwigs XIV. zu einer besonderen französischen. Neben der Benutzung des Wasserspiegels zog man aus der Minenwirkung Vorteil. Vauban machte mehrere Vorschläge, mit bastionierten Fronten (Fig. 7), beseitigte aber durch sein noch bis 1870 übliches Angriffsschema die Überlegenheit der Festung über den Angriff. Cormontaigne und die Schule von Mézières (1750) verbesserten das Bastionärtracé durch Schaffen von Reduits, Hohlbauten etc. Montalembert aber wandte sich der Polygonalbefestigung aus dem Tenaillensystem zu. Er empfahl schon Defensionskasernen, detachierte Forts zur Verstärkung der Festung, Vereinigung großer Geschützmassen etc. Carnot bezweckte, zahlreiche Ausfälle durch Anlage eines rampenartig aufsteigenden Glacis en contrepente zu erleichtern, auch baute er kasemattierte Mörserbatterien. Die Franzosen hielten am Bastionärsystem noch bis 1870 fest und blieben entschiedene Gegner des neupreußischen Systems, das sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt hatte.

In Preußen wurden schon 1748 durch Wallrawe tenaillierte Werke mit flankierenden Gräben, Reversgalerien, Wohnkasematten etc. angewendet. Nach dessen Tod gab Friedrich d. Gr. selbst die Anweisungen zur Befestigung von Neiße, Glatz, Graudenz etc., bei denen schon detachierte Forts, kasemattierte Batterien im Vorfeld, ebensolche Grabenflankierungen, Unterkunftsräume in den Werken etc. vorkommen. Mitunter sind selbständige Forts (Fig. 8 und 9), bei Schweidnitz ca. 1300 m voneinander, in die Hauptumfassung gelegt, zwischen jenen bei langen Linien in die Mitte kleine Redouten zur Bestreichung. Im ausspringenden Winkel des Glacis, in dem der gedeckte Weg zur aktiven Verteidigung eingerichtet war, diente ein Minensystem (Fig. 10) zur Abwehr. Diese Ideen sowie die Vorschläge der vorgenannten Kriegsbaumeister führten zur Entwicklung der neupreußischen Befestigung (Tafel III, Fig. 11 und 12) durch die Generale v. Aster, v. Brese-Winiary und Moritz v. Prittwitz. Grundgedanke dieses Systems, nach dem zu dieser Zeit alle Neu- bzw. Umbauten erfolgten, war: Möglichkeit der Verteidigung durch geringe Besatzung und Begünstigung der Offensive zur Verwendung größerer Truppenmassen auf vorbereitetem Kampffeld. Hierzu diente ein Gürtel von 500 bis 800 m vorgeschobene Forts, hinter diesem die sturmfreie Umwallung nach Polygonal- oder bastioniertem Tracé. Der Grundriss der Forts bildet eine stumpfe Lünette (Tafel III, Fig. 12) mit Grabenkaponnieren und Reduits. Im Profil war bei allen Werken völlige Deckung des Mauerwerks gegen Sicht, aber nicht gegen indirekten Schuss erreicht, auch war die Eskarpe sturmfrei. Die Kaponnieren gestatteten die Grabenverteidigung durch Geschütze und Gewehrfeuer. Diese Grundsätze wurden durch Brialmont der niederländischen Manier angepasst und, wieder unter Anwendung des Erdbaues, breiter Wassergräben, Benutzung der Inundationen etc. auf die Festung Antwerpen übertragen. Mauerwerk fand nur bei Kaponnieren und Kasematten Anwendung, dagegen findet sich hier zuerst Eisenbau in Panzerdrehtürmen bei der Landbefestigung. Die in diesen aufgestellten Geschütze beherrschen das Vorfeld der detachierten Forts (Fig. 13).

Neuere Entwicklung

Die Erfolge der deutschen Belagerungsartillerie 1870/71 bahnten eine neue Epoche für den Festungsbau an. Hatten hier schon die größere Wirkungssphäre, Treffsicherheit, Durchschlagskraft und Geschosswirkung gezogener Geschütze die Unzulänglichkeit der bestehenden Befestigungen gezeigt, so entstand nun ein Wettstreit zwischen der fortgesetzt steigenden Artilleriewirkung und den passiven Verteidigungsmitteln. Als nach dem Krieg überall Festungsbauten unternommen wurden, welche die Sicherung der Landesgrenzen oder den Neu- bzw. Umbau großer Plätze bezweckten, verfuhr man überall nach denselben Grundsätzen: Man hielt an einer meist polygonalen Haupt- oder Kernumwallung (Tafel II, Fig. 14 und 15; Enceinte) fest, schob aber die Forts auf 4 bis 7 km hinaus, um ein Bombardement der Stadt möglichst zu verhindern. Mehrfach ließ man die Umwallung fallen, z. B. in Rom, Dijon, Warschau etc. Den Schwerpunkt der Verteidigung legte man in die Fort-(Gürtel-)linie, deren Zwischenräume erst bei der Verteidigung durch Zwischen- und Armierungsbatterien geschlossen werden, soweit sich dort nicht schon Zwischenwerke befinden. Für die Forts wurde die Lünettenform (Fig. 16) beibehalten, mit einem Kehlkasernement fand der verteidigungsfähige Abschluss der Kehle statt, so dass ringsum Sturmfreiheit besteht. Besatzung und Verteidigungsmaterial müssen geschosssichere Unterkunft finden und das Mauerwerk unter einem Winkel von mindestens 20° gegen Geschosse gedeckt sein (Fig. 17). Die Pulvermagazine liegen meist unter der Kapitaltraverse (Fig. 18), Laboratorium, Artilleriematerial etc. im Saillantkasemattenkorps. Bis zu diesem führt eine Poterne, in die man vom Kehltor aus, dessen doppelter Verschluss durch einen Zwinger flankiert wird, eintritt. Durch die Poterne, die durch die Kapitaltraverse führt, gelangt man zur Saillantkaponniere. Diese wie die Flankenbatterien der Kehle erhielten behufs Grabenbestreichung leichte Geschütze, Revolverkanonen etc., die Schulterkaponnieren Infanterieverteidigung; da sie leicht aus der Ferne durch Geschützfeuer zerstört werden konnten, traten später Reverskaponnieren in der Kontereskarpe an ihre Stelle. Das Werk selbst rüstete man mit 24 bis 36 Fortgeschützen aus, für die auf dem Wall Hohltraversen mit darunterliegendem Geschossmagazin erbaut wurden; Panzertürme stehen meist in den Schulterpunkten des Werkes. Die Absicht, die Geschütze auf offenem Wall als Kampfgeschütze zu brauchen, musste man aber aufgeben, sie erhielten ihren Platz in den Anschlussbatterien, die man mit den nötigen Munitionsräumen versah. Ihre Munitionsversorgung geschieht auf einem von der Kehlkaserne ausgehenden Fördergleis. Diese Batterien liegen in dem Anschlussglacis, das sich vor den Flanken in der Richtung der Kehle befindet. Die Zwischenwerke sind kleine, abgestumpfte Fleschen (Fig. 19), sturmfrei als Stützpunkte der Infanterie eingerichtet; man gibt ihnen 2 bis 4 leichte Geschütze, Maschinengewehre etc.

Die französischen Sperrforts (Fig. 20 bis 22) sollen verhindern, dass deutsche Heere wieder Mobilmachung und Aufmarsch der französischen stören, und zeigen dementsprechend eigentümlichen Charakter. Die Forts liegen längs der Grenze in Abständen von 7 bis 9 km und sind auf sich selbst angewiesen, deshalb geschlossene Schanzen von sechseckiger Form. Die Gräben sind schmal und tief, um das Mauerwerk möglichst gegen indirekten Schuss zu sichern, der Hof ist eng und von bombensicheren Unterkunftsräumen umgeben; auf gefährdeten Schulterpunkten findet sich ein Panzerdrehturm. Die kleinen Forts sind für 400 Mann bestimmt und erhalten außer Mitrailleusen etc. 30 bis 40 Kampfgeschütze, die an wichtigen Punkten angelegten größeren haben 1000 Mann Besatzung und 60 Geschütze, die auch Annex- (Anschluss-)Batterien erhalten. Dies sind also Militärfestungen ohne Einwohner.

Die nach dem Krieg entstandenen Befestigungen zeigten sich bald den Angriffsmitteln nicht mehr gewachsen. Die minenartige Geschosswirkung schwerer Steilbahngeschütze, deren Beweglichkeit überdies wesentlich erhöht wurde, die hohe Ausbildung des Steilfeuers, die Einführung von Schnellfeuerkanonen verschiedener Kaliber etc. kamen dem Angriff außerordentlich zu statten. Das Mauerwerk hatte man schon längst den Geschosstreffern entziehen müssen, aber auch Erddeckungen schützten nicht ohne eine 3 m starke Betonschicht, welche die Geschosse an Punkten zum Springen brachte, wo sie ihre zerstörerische Kraft nicht voll ausüben können. Während man teilweise noch die früheren Einrichtungen (Tafel II, Fig. 20 bis 24) des Walles (Fig. 21) beibehielt, entschied man sich bei Neuanlagen für ausgedehntesten Panzerschutz, z. B. in Belgien (Maasbefestigung) und Rumänien (Bukarest). Da außerdem die Aufstellung von Kampfgeschützen jetzt nur noch in Anschluss- und den im Zwischengelände liegenden Batterien stattfindet, so mussten hier Munitionszwischendepots und Artillerie- bzw. Infanterieunterstände schon im Frieden oder in flüchtiger Kriegsarbeit oder als verstärkte Behelfsbauten bei der Armierung hergestellt werden. Für Bestreichung der Gräben kommen vielfach Reverskaponnieren (Fig. 25) in Anwendung, für Erhöhung der Sturmfreiheit bringt man Eisengitter auf der Mauerkrone der Dechargenkontereskarpe und auf der Grabensohle (Fig. 23 und 24) am Fuße der Eskarpe an. Bei den Behelfswerken werden zu diesem Zweck Hindernisse angebracht. Durch die Kernumwallung führen Wege durch Kriegstore, Friedens-(Landes-)tore und Nebenkriegs- oder Ausfalltore. Die Friedenstore werden im Kriege geschlossen, die anderen, wie bei den Forts verschlossen, münden auf der Grabensohle, bzw. dicht über dem Wasserspiegel und führen nach dem gedeckten Weg, der hier zu vergitterten Waffenplätzen erweitert ist. Gute Radial- und Ringstraßen, oft mit Feldbahnen versehen, Förderbahnen für Munition, Geschütz etc., auf kurze Strecken mitunter unterirdisch, erleichtern den Verkehr, gestatten auch zwischen den Forts den Gebrauch von Geschützen in fahrbarer Panzerlafette. Der Umstand, dass die Forts ihrem Hauptzweck, der Geschützaufstellung, nicht mehr entsprachen, dass ihr hoher Aufzug ein günstiges Zielobjekt bot und das feindliche Feuer gerade hierher lenkte, wo die kampffähige Erhaltung der Werke von höchster Wichtigkeit ist, führten in Frankreich (Mougin, Sandier u. a.) und Russland (Welitschko) dahin, die Forts in Zukunft nur als Stützpunkte für die Gürtellinie anzusehen (Infanteriewerke) und zur Erzielung eine doppelten Feuerlinie mit einem Niederwall zu versehen. Ebenso kam man zu der Ansicht, dass die eiligst erbauten französischen Sperrforts an Wert verloren haben und nur größere Plätze an der Landesgrenze als Hauptstützpunkte der Verteidigung der Grenze angesehen werden können. Waren somit große Summen auf Zwecke verwendet, die nicht erreicht wurden, so stellte der nunmehrige Bau von Panzerfestungen wiederum einen enormen Kostenaufwand in Aussicht. Hierzu kamen andere Bedenken von Fachmännern, die schließlich zu einem energischen Angriff auf das bestehende Landesverteidigungs- und Festungssystem führten. Die nur geringen Leistungen der französischen Festungen im Kriege 1870/71, ihre Einflusslosigkeit auf den siegreichen Fortgang des Krieges, das Bedenkliche, was in der Fesselung starker Kräfte der Feldarmee in den Besatzungen großer Plätze liegt, die Anziehungskraft, die letztere auf die im Feld geschlagene Armee zu deren Verderben ausübten, wurden geltend gemacht. Hierzu gesellten sich noch volkswirtschaftliche Nachteile; die großen Festungsstädte, meist an Strömen und Kreuzungspunkten von Hauptverkehrswegen gelegen, wurden in ihrer Entwicklung durch die alten Werke gehindert und drängten auf deren Niederlegung, zumal davor große, einer Verteidigung hinderliche Vorstädte entstanden waren. Kein Wunder also, dass, da die kleinen Festungen, abgesehen von Passsperren, allgemein schon als wertlos angesehen wurden, die Gegner der für große Plätze in Ausführung begriffenen Neubauten in ihren äußersten Konsequenzen, welche die sogen. neue Schule vertrat, alle permanenten Befestigungen verwarfen. Nach dieser Meinung sollten die Festungen da improvisiert werden, wo die Kriegslage sie erforderte und sie den Zwecken des Feldkrieges dienen konnten, und einem solchen Unternehmen kam allerdings zu statten, dass derartige Behelfsfestungen heutzutage wegen der durch die fortgeschrittene Technik gebotenen Hilfsmittel bedeutend leichter und schneller herzustellen sind als in früherer Zeit. Derartige Strömungen erfuhren indessen mit der Zeit energischen Widerspruch, und nachdem ihnen schon anfangs Ingenieure und Artilleristen in großer Zahl entgegengetreten waren, haben besonders Wagner und Meyer gründliche Besprechungen dieser Frage veröffentlicht. Aber auch das Ausland hat schon dadurch, dass es in dem Aus- und Neubau seiner Festungen nach den Grundsätzen, wie sie sich geschichtlich entwickelt haben, fortfuhr, den Beweis geliefert, dass es an diesen festhalten will. Ebenso gingen auch die ausländischen Autoritäten, wie Brialmont, Welitschko, Baumer, Leithner, Sandier, Mougin etc., in der Theorie andere Wege als die neue Schule. Auch sie kommen zu den Hauptgrundsätzen, dass 1) eine rationelle Landesverteidigung immer an das Vorhandene anknüpfen und nicht mit großen Befestigungsumwälzungen experimentieren muss, und dass 2) gegenüber dem Werte, den die Kriegskunst aller Zeiten den Festungen beigelegt hat, man trotz einiger dagegen anzuführenden Beispiele noch nicht berechtigt sei, eine neue Ära provisorischer Befestigungen einzuführen. Der Wert der Fortfestungen liegt auch hauptsächlich in der Abwehr nicht belagerungsmäßiger Angriffe und Erschwerung von Belagerungsvorbereitungen. Für den Neubau von Festungen hält Brialmont an seinen im Abstand von 3 bis 3,5 km gelegenen Forts mit panzergeschützten Kampfgeschützen fest. In der Geschützausrüstung hat er sich der allgemeinen, den Steilfeuergeschützen günstigen Strömung angeschlossen und will die schwersten in den Hofraum des Werkes verweisen. Überwiegen die Panzer für Steilfeuer, so verlegt er den Kern 1 m unter, bei Flachbahngeschützen in größerer Zahl 1 m über die Feuerlinie der mit niedrigem Aufzug hergestellten Enveloppe. Nur die 15 cm-Kanonen will er hinter der Brustwehr der Infanteriestellung haben, damit sie das Vorgelände mit direktem Schuss beherrschen können. Für die leichteren zur Abwehr des Sturmes bestimmten Schnellfeuergeschütze hält er, wo es nicht angängig ist, sie in Hohltraversen des offenen Walles bereit zu haben, den Senkpanzer für zweckmäßig, während andere den Drehpanzer vorziehen. In dieser Gürtellinie hält man dann allgemein das Vorhandensein von permanent hergestellten Stützpunkten in den Intervallen für notwendig, die andernfalls der Behelfsbefestigung zur Aufgabe gestellt werden müssen. Leithner empfiehlt, da man nicht die ganze Gürtellinie sichern kann, Gruppen in den Intervallen zu bilden, die sich an die etwa vorhandenen Stützpunkte anschließen würden. Bei dem jetzt zu erwartenden schnellen Verlauf der kriegerischen Handlungen muss daher jede Festung über einen großen Vorrat an Material für Behelfsbefestigungen verfügen. Bei diesen wie auch zur Verstärkung der Ausrüstung permanenter Werke werden die Fahrpanzer vorzügliche Dienste leisten. Während Rehm an der Aufstellung schwerer gepanzerter Geschütze in der Sicherheitsarmierung festhält, aber sich nur für Gürtelstützpunkte entscheidet, traten Brunner und Deguise mit Vorschlägen für Gruppenbildung hervor, wie sie mit der Voraussetzung eines sturmfreien Kernwerks zum Teil schon bei Verdun, Toul und Paris zur Ausführung kamen. Allgemein erkennt man an, dass die bisherige Festung der befestigten Landschaft weichen, also in gruppenweise angeordneten Artilleriestellungen bestehen muss, und dass es darauf ankommt, Nah- und Fernwirkung möglichst zu vereinigen. Die Anordnung ist so zu treffen, dass mit Rücksicht auf gute Schrapnellwirkung die Gruppen nicht weiter als 4 bis 6000 m auseinander liegen dürfen. Die Nahkampfanlagen der vorderen Linie in den Gruppen, für die gute Übersicht gewährende, mäßige Höhen zu wählen sind, werden von der Infanterie besetzt, die aber durch leichte Kanonen- und Steilfeuerbatterien unterstützt wird. Bei den gepanzerten Fernkampfbatterien der Gruppe sind ebenfalls Nahkampfanlagen, Schützengräben mit Bereitschaftsräumen, sturmfreie Infanteriewerke etc. zu schaffen. In den Panzerbatterien zu 2 bis 6 Geschützen sollen Flachbahn- und Steilfeuergeschütze (10 cm-Kanonen, 15 cm-Haubitzen) Verwendung finden. Hierzu kommen Hindernisanlagen um die ganze Gruppe und die einzelnen Glieder, endlich bombensichere Kasernen, getrennt von der Kampfstellung. Dass jede Festung heute über die vollkommensten Einrichtungen, bez. des Nachrichten- und Befehlsverkehrs, Telegraphen, Fernsprecher, Signalvorrichtungen, Radfahrer, Luftballons und Brieftauben verfügen muss, ist selbstverständlich. Endlich ist auch anerkannt, dass eine Festung durch ein wohlvorbereitetes, allen technischen Fortschritten Rechnung tragendes Minensystem auf den letzten Kampf vorbereitet sein muss.

Küstenbefestigungen

Eine besondere Art beständiger Befestigung bilden die Küstenbefestigungen, die gegen die See wirken und von Kriegsschiffen mit den schwersten Geschützen angegriffen werden, daher sich nicht gegen Belagerungen mit allmählich näher rückendem Angriff, wie Landfestungen, zu verteidigen haben (s. Küstenkrieg). Als befestigte Küstenpunkte sollen sie feindlichen Schiffen die Benutzung von Häfen, Reeden, das Einlaufen in Flussmündungen, Meerengen etc. verwehren; da sie nur eine Beschießung von Schiffen, keine Belagerung zu erwarten haben, so werden sie als offene Werke, Strand- oder Küstenbatterien oder als geschlossene Küstenforts, aber grundsätzlich nur für schwere Geschütze, Küstengeschütze, deren kleinstes Kaliber die 15 cm-Kanonen sind, derart gebaut, dass jedes Geschütz zwischen zwei Traversen steht (Fig. 26). Wo aber ein enges Fahrwasser mit geringster Geschützzahl und Besatzung beherrscht werden soll und nur ein beschränkter Bauplatz zur Verfügung steht, kommen Panzerwerke (Panzerbatterien) zur Verwendung. Die auf Mauerbauten ruhenden Panzerungen (in England aus Walzeisen, in Deutschland aus Hartguss) sind entweder Batteriepanzer (Fig. 27. und 28) oder Panzerdrehtürme (Fig. 29). Die Geschütze hinter Panzerungen liegen in Minimalschartenlafetten. Die Werke müssen so angelegt sein, dass sie gegen Hochflut, Seiten- und Rückenfeuer gesichert sind. Als Kriegshäfen sollen die Küstenbefestigungen mit einer vor der Hafeneinfahrt liegenden feindlichen Flotte den Kampf aufnehmen, um entweder das Auslaufen der eigenen Schiffe zu begünstigen, oder eine Annäherung des Gegners behufs Beschießung des Hafens und der Marineanlagen, wie Arsenale, Werften, Docks, Magazine etc., zu verhindern. Diese Hafenbefestigungen werden, da sie auch gegen einen Angriff vom Lande gesichert sein müssen, geschlossen, als Küstenforts erbaut. Zahl und Lage derselben richten sich nach der Örtlichkeit, die es auch, wenn in der Nähe des Hafens größere Landungen ausführbar sind, erfordern kann, an die Küstenbefestigungen eine Landfestung, z. B. Kopenhagen, Kiel sind Land- und Seefestungen, anzuschließen. Nach der Seeseite bedürfen sie einer Absperrung des Fahrwassers durch Seeminen, Stoß- oder Beobachtungsminen zur Zerstörung oder tote Sperren (feste oder schwimmende Balken, Netzwerke, Ketten etc., die innerhalb des Wirkungsbereiches der Geschütze liegen müssen, zum Aufhalten der feindlichen Schiffe. Seefront wie die neue Landfront sind nach neuesten Grundsätzen der Befestigungskunst umgewandelt, bzw. hergestellt. Beton und Panzerung sowie Schnellfeuerkanonen haben ausgedehnte Verwendung gefunden; Beton für bombensichere Hohlräume und Geschützstände (Geschützplattformen), Panzerung als heb- und senkbare Panzerkuppeln, Panzertürme, -Schilde, -Lafetten sowie gepanzerte Beobachtungs- und Beleuchtungsstände. Künstliche Überschwemmung (Inundation) dient der Absperrung der Landfront, die mit den oben für die Festung angegebenen Einrichtungen für Verkehr etc. in moderner Weise versehen ist. Die ins Meer gebauten Werke der Seefront sollen das Fahrwasser unter Feuer nehmen und die Beschießung der Stadt verhindern, auch im Verein mit den Küsten- und Hafenbefestigungen den Schutz des Kriegshafens übernehmen, elektrische Licht- oder Scheinwerfer (Projektoren) feindliche Annäherung zu Wasser oder zu Lande auch bei Nachtzeit erkennen lassen.

Eine ähnliche Rolle wie bei der Festung spielt jetzt der Panzerschutz, wenn es sich um befestigte Linien handelt, die einen ganzen Geländeabschnitt sichern sollen. Ein Beispiel solcher Panzerfront ist z. B. die Serethlinie, deren Mitte etwa Focșani (Fig. 1 und 1a) bildet. Sie besteht aus Batteriegruppen, die normal auf drei hintereinander liegenden Linien erbaut sind. Die vorderste Linie enthält mehrere Batterien a in Abständen von höchstens 500 m. Die Batterien zu je 3 bis 5 Fahrpanzern sind in niedrige Erdbrustwehren mit Unterständen eingebaut. Einige hundert Meter dahinter findet sich eine zweite Linie mit ähnlichen Batterien b auf den Intervallen der ersten, ausgerüstet mit je 3 bis 6 Senk- oder Fahrpanzern. Endlich ist etwa 1000 m hinter der ersten die dritte Linie c erbaut, die für 12 cm-Schnellfeuerkanonen und 15 cm-Kanonen, alle in Panzerlafette, eingerichtet ist. In dieser Linie können auf der Front, gegen die sich ein Angriff richtet, auch gewöhnliche Batterien für Festungsgeschütze hergerichtet werden.

Die Zukunft des Festungsbaues

Die Herrschaft der Fortfestungen im Festungsbau auf Grund der Brialmontschen Ideen schien vollständig gesichert, denn nachdem schon vor 1870 mächtige Forts bei Metz, Paris, Antwerpen etc. entstanden waren, baute man in den 1870er Jahren Straßburg, Köln, Posen, Königsberg, Thorn, Ingolstadt, Toul, Verdun, Épinal, Belfort, das neue Paris u. a., in den 1880er Jahren die russischen Plätze Warschau, Nowogeorgijewsk, Iwangorod, Brest-Litewsk nach diesem System. Doch schon forderte man, nachdem die Angriffe auf die beständige Befestigung zurückgeschlagen waren, von dieser um so mehr; man tadelte an der Festung die großen Zwischenräume der Forts und ihre nicht genügende Wirkung ins Vor- und Zwischengelände, wenn sie selbst auch gegen planmäßige Beschießung widerstandsfähig genug waren. Dazu kamen die überraschenden Fortschritte, die man namentlich in den 1880er Jahren in der Artillerie machte, und die Entscheidung, die in allen Heeren dahin getroffen wurde, dass für die Landesbefestigung Geschützpanzer unentbehrlich sind. Aber ob man die gepanzerten Fernpanzergeschütze in den Forts selbst oder in besonderen Zwischen- oder auf etwas zurückgezogenen Linien aufstellt, ob man nur Batteriegruppen mit Nahpanzergeschützen den Vorzug gibt, gehen die Meinungen noch weit auseinander, auch darüber, ob die Zukunftsfestung eine Kernumwallung erhalten soll, oder wie man deren unbedingte Vorteile auszugleichen gedenkt; deshalb bringt schon heute der Bau einer Festung verschiedene Bilder, die in Zukunft noch mehr voneinander abweichen werden. Die zuletzt erbauten oder umgebauten Plätze werden, abgesehen von Focșani, folgendes Bild geben:

1) Die Landbefestigung von Kopenhagen ist kreisförmig mit dem Radius von 11,5 km und nimmt vom Kreisumfang ein Drittel in der Länge von 25,5 km in Anspruch. Auf der ersten Linie liegen mit 2 km Zwischenraum fünf Panzerforts, mit Fern- und Nahkampfpanzern verschiedener Art ausgestattet. Die zweite Linie liegt 0,5 bis 2 km dahinter und besteht aus sechs Fernkampfpanzerbatterien, von denen nur die östliche als sturmfreies Panzerwerk wie die Forts der ersten Linie konstruiert ist. Diese Werke der zweiten Linie bilden für die Artilleriekampfstellung die Stützpunkte, während die Werke der ersten Linie sie zu sichern sowie zur artilleristischen Fernverteidigung zu dienen bestimmt sind.

2) Die Maasfestung Lüttich ist nach den von Brialmont noch in seinem 1895 erschienenen Werk festgehaltenen Grundsätzen, doch unter einigen Abweichungen, erbaut, der Verteidigungsumzug, 7 km von der Mitte der Stadt, 4 bis 6 km von den Vorstädten, misst 48 km. Die Zwischenräume der zwölf Gürtelwerke, der sechs großen (Forts) und sechs kleinen (Fortins, Fig. 3), sind dem Gelände angepasst und betragen 2 bis 6 km. Die Forts unterscheiden sich von den Fortins nur durch ihre Größe und stärkere Ausrüstung mit Panzerartillerie; charakteristisch ist die Infanteriebrustwehr mit hebbaren Panzertürmchen.

3) Verdun wurde als linker Flügelstützpunkt der Sperrfortkette und alte französische Grenzfeste modernisiert, indem man auf beiden Maasufern zwischen die älteren Befestigungen Forts einschob, wodurch ein innerer Gürtel entstand, besonders aber durch Herstellung eines äußeren Gürtels von 48 km Umzug (innerer 23 km) bei größtem Radius von 10 km. Die bei den Bauten nach dem Kriege sowohl in Frankreich als in Deutschland etc. zum Ausdruck kommenden Grundsätze: gute Bestreichung der Anmarschstraßen, des weiteren und näheren Vorgeländes etc., treten bei dieser Festung deutlich hervor.

4) Straßburg musste als völlig veraltete Festung sofort nach dem Friedensschluss mit nach damaligem Gebrauch weit vorgeschobenen Forts nach der französischen Seite umgeben werden und wurde erst im Laufe der Zeit vollständig modernisiert. Es gibt das Bild der größten deutschen Festung, kann aber nicht mehr als Muster wie vor einer Reihe von Jahren, sondern nur noch zum Vergleich mit den nach neueren Grundsätzen entstandenen großen Festungen dienen. Die Lage der Forts, Zwischenwerke etc., ist in Fig. 4 nach ausländischer Quelle bestimmt, und der weitere Umbau der Forts, Ausbau des Zwischengeländes, Bau kleinerer Stützpunkte etc. erfolgte nach den mit der Zeit fortschreitenden Grundsätzen. Danach erhielt die Festung einen Umfang von einigen 40 km bei einem Radius von 7 bis 8 km; der Zwischenraum der großen Forts schwankt zwischen 1,5 bis 6 km.

5) Die ausgedehnteste moderne Festung, Paris, zeigt einen Umfang von 120 km, der in erster Linie drei Befestigungsgruppen (verschanzte Lager) zeigt, die, abgesehen von kleineren Anlagen, einige 30 selbständige Werke enthalten; der innere Gürtel, den die alten Forts bilden, misst 55 km, die Stadtumwallung 32 km.

6) Ähnlich wie Paris soll Antwerpen durch einen vorgeschobenen Gürtel, einschließlich der Inundation, auf einen Umfang von 90 km bei einem Radius von 17 km erweitert werden. Er soll zur Hauptkampfstellung dienen. Der alte Fortgürtel beträgt einschließlich der Inundation 45, der Umfang der Stadtumwallung 45 km. Ersterer soll durch Verbindungslinien geschlossen werden und dafür die Kernumwallung fallen. Brialmont meinte, dass für die erste Linie die personellen Mittel nicht ausreichen werden, und trat deshalb dem neuen Entwurf (van der Peereboom) scharf entgegen.

Aus diesen Ausführungen geht hervor, dass auch die modernen Festungen noch nicht allen Ansprüchen genügen, dass man sich erst noch über das System zu entscheiden hat, ob man ganze Abschnitte, bzw. Linien durch Panzerfronten sichern oder die Grundzüge der bisherigen Befestigungen beibehalten soll. Ebenso darüber, ob man eine größere Zahl von Forts oder von Fortins anlegen oder aber massenhafte, dem Feinde so ungünstige Ziele bietende Panzerbatterien aufstellen soll. So wird die Zukunft, wie es jetzt schon in der Gegenwart geschieht, ohne feste Systeme bauen; jede Festung wird, dem Gelände, ihrer Lage, den Verteidigungsmitteln etc. angepasst, ein anderes Bild geben.

Festungspersonal

Den militärischen Dienst in jeder Festung leitet im Krieg und Frieden ein Kommandant, dem in größeren Festungen ein Gouverneur übergeordnet ist. Dem Befehlsführer im Kriege beigegeben ist ein Festungsstab, bestehend aus einem Artillerie- und einem Ingenieuroffizier vom Platz, die alsdann Chef des Stabes beim Kommandeur der Artillerie und der Ingenieure werden. Dem Kommandantenbureau steht ein Platzmajor vor. Die Gouverneure von Straßburg, Metz, Königsberg, Thorn, Mainz und Posen haben einen Generalstabsoffizier; ihnen sind alle Kommando- und Verwaltungsbehörden (s. Garnison) unterstellt. Vgl. auch Festungskrieg.

Bibliographie

  • Aster: Unterricht in der Festungsbaukunst (Dresd. 1787–93, 2 Bde.)
  • Blesson: Geschichte der großen Befestigungskunst (Berl. 1830)
  • Brialmont: Études zur la défense des États et sur la fortification (Brüssel 1863, 3 Bde. mit Atlas)
  • Brialmont: Les régions fortifiées (Brüssel 1890, mit Atlas)
  • Brunner, v.: Die beständige Befestigung (6. Aufl., Wien 1901)
  • Deguise: Cours de la fortification permanente (Brüssel 1896)
  • Henning: Unsre Festungen (Berl. 1890)
  • Hoyer: Lehrbuch der Kriegsbaukunst (Berl. 1816–18)
  • Mangin: Abhandlung über Polygonalbefestigungskunst in Deutschland (deutsch, Leipz. 1855), dazu die Widerlegung Mangins von H. Müller (Berl. 1856)
  • Meyer: Zur Frage der Landesbefestigung (Berl. 1898)
  • Prittwitz, v., und Gaffron: Lehrbuch der Befestigungskunst (Berl. 1865)
  • Rehm, v.: Gesichtspunkte für die weitere Entwickelung der Fortifikation (Wien 1899)
  • Scheibert: Die Befestigungskunst (Berl. 1880–88, 4 Bde.)
  • Schroeter: Die Festung in der heutigen Kriegführung (2. Aufl., Berl. 1903)
  • Stavenhagen: Grundriß der Befestigungslehre (3. Aufl., Berlin 1900)
  • Wagner: Über provisorische Befestigungen etc. (Berl. 1897)
  • »Jahresberichte über die Veränderungen und Fortschritte im Militärwesen« (Berl. seit 1874)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Modellbau